Deutschland Online

18.10.2018
 
Die Scherenschnitte des Hans Christian Andersen
 
Berühmt wurde Hans Christian Andersen als Märchenerzähler. Doch auch seine Scherenschnitte waren gefragt. Knapp 400 von ihnen sind erhalten. Die Kunsthalle Bremen widmet dem Künstler jetzt eine eigene Ausstellung.

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"Scherenschnitte sind der Auftakt zum Schreiben", schrieb Hans Christian Andersen in einem Brief im Juli 1867. Die Kunst des Scherenschnitts war zu seinen Lebzeiten eine beliebte Freizeitgestaltung. Doch Andersens Schnitte waren anders als die anderen. "Sie waren modern", sagt der Kunsthistoriker Detlef Stein. "Sie sind weniger verspielt und mit einem großartigen Hintersinn gemacht." 

Für Andersen waren die Scherenschnitte ein reines Hobby, dem er sich allerdings ausführlich widmete. "Wir wissen nicht, wie viele Scherenschnitte es mal gegeben hat. Doch wir müssen davon ausgehen, dass - wenn es heute noch knapp 400 davon gibt - es wesentlich mehr waren", so Detlef Stein. Sie dienten meist als Präsent, schmückten Blumen-Bouquets oder funktionierten als Puppenspiel-Figuren. "Da kann man sich ausmalen, wie viele davon zerschlissen oder zerrissen worden sind", so Stein. "Man konnte die Figuren teilweise auch mit einem kleinen Knick versehen, anpusten und dann sind sie über die Tischplatte gewandert."

Andersen selbst wäre niemals auf die Idee gekommen, seine Scherenschnitte auszustellen. Er hätte sie auch nicht verkauft, meint Anne Buschhoff, die die Bremer Ausstellung "Hans Christian Andersen. Poet mit Feder und Schere" zusammen mit Detlef Stein kuratiert. Die meisten Arbeiten habe er einfach verschenkt. "Andersen war ja ein beliebter Gesellschafter, er wurde häufig in Gesellschaften geladen, hat dort erzählt und parallel dazu diese Scherenschnitte gearbeitet. Und wenn die Erzählung beendet war, war auch der Scherenschnitt beendet - und wurde dann an den Gastgeber oder dessen Kinder oder an andere Gäste verschenkt."

Andersen und die Pop-Art 

Die Scherenschnitte des berühmten Märchenerzählers faszinierten auch den Pop-Art-Künstler Andy Warhol. Er kannte die Märchen von Hans Christian Andersen seit seiner Kindheit, wusste aber lange Zeit nichts von dessen Scherenschnitten. 1987, nur wenige Monate vor seinem Tod, produzierte Wahrhol eine kleine Serie zu Andersen. Sie beinhaltete ein Porträt des Dänen und drei seiner Scherenschnitte - in typischer Warhol Popmanier.

In Deutschland ist Hans Christian Andersen als Bildkünstler bislang nahezu unbekannt. In deutschsprachigen Andersen-Biografien findet sich kaum etwas dazu - anders als in den dänischen, die dieses Kapitel sehr wohl berücksichtigen. Für die beiden Kuratoren war es daher ein "geradezu unbeackertes Feld", wie Detlef Stein es ausdrückt, das sie erschließen konnten. Die Ergebnisse lassen sich im Katalog, der parallel zur Ausstellung erscheint, nachlesen. 

Star des damaligen Literaturbetriebs

Hans Christian Andersen wurde am 2. April 2005 in Odense in Dänemark geboren. Er wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf, schaffte es aber mit Hilfe seines Erzähltalents in der Gesellschaft aufzusteigen - nicht zuletzt durch die Förderung wohlhabender Kopenhagener Bürger, die ihn unter ihre Fittiche nahmen. Der Erfolg als Schriftsteller setzte in den 1830er Jahren ein. "Er war ein Star im Literaturbetrieb", sagt Detlef Stein. "Er konnte nicht nur viele Buch-Auflagen verkaufen, sondern auch sein Porträt-Kopf erfreute sich einer unglaublich großen Nachfrage. Man kannte einfach das Konterfei, man wusste, wie der aussah. Und das hat ihm ein gutes Einkommen beschert."

Die große Mehrzahl der Scherenschnitte, es sind heute knapp 400 exakt bestimmbar und lokalisierbar, befindet sich in Dänemark. Da sie aus sehr empfindlichen Papieren bestehen, gelten bei der Ausstellung hohe Auflagen bezüglich des Lichtes und der Luftfeuchtigkeit, erzählt Detlef Stein. "Die Sammlungen, die über originale Scherenschnitte verfügen, geben sie eigentlich nicht gerne her."

Trotzdem konnten er und seine Kollegin Anne Buschhoff das Museum in Andersens Geburtsstadt Odense und die Königliche Bibliothek in Kopenhagen überzeugen, mit der Kunsthalle Bremen zu kooperieren und Leihgaben zur Verfügung zu stellen. Präsentiert werden in Bremen 23 Originalzeichnungen von Hans Christian Andersen, um die 40 Scherenschnitte und einige seiner Collagen - allerdings ohne viel Licht, sagt Anne Buschhoff. "Wir werden es sehr, sehr dunkel präsentieren müssen. Es wird sozusagen eine Schatzkammerästhetik geben."

Die Ausstellung "Hans Christian Andersen. Poet mit Feder und Schere" ist vom 20. Oktober 2018 bis zum 24. Februar 2019 in der Bremer Kunsthalle zu sehen. 

Quelle

18.10.2018

Berlin bringt sich in Herbststimmung

Es war ein sehr langer Sommer in der deutschen Hauptstadt. Doch jetzt werden die Laubbäume immer bunter. Der Herbst ist nicht mehr aufzuhalten. Berlin präsentiert sich von seiner goldenen Seite.
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Fernsehturm

Mit 368 Metern ist er das höchste Gebäude Deutschlands. Bei gutem Wetter reicht der Blick von der Besucherplattform 40 Kilometer weit. Eine Etage darüber befindet sich ein Restaurant, das sich in einer halben Stunde einmal um die eigene Achse dreht.

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Tiergarten

Der älteste und größte Park in Berlins Mitte lädt ein zu einem ausgedehnten Spaziergang oder einer Radtour. Wer genauer hinschaut, kann über dem Blätterdach die Siegessäule erkennen.

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Goldelse

Die Goldelse ist eigentlich die Siegesgöttin Viktoria, die auf der Siegessäule im Tiergarten ihre Flügel ausbreitet. Im Herbst hat sie sogar einen goldenen Rahmen.

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Museumsinsel

Natürlich sind die Kunstschätze der fünf Museen die Hauptattraktion auf der Museumsinsel. Aber der Spaziergang von Haus zu Haus, durch das bunte Laub, macht zu dieser Jahreszeit besonders viel Spaß.

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Humboldt-Universität

Wie wäre es mit einem neuen, alten Buch? Auf dem Flohmarkt vor der Humboldt-Universität wird man garantiert fündig. Der Markt findet jeden Tag statt, vorausgesetzt, es ist schönes Wetter.

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Lustgarten

Der Lustgarten unweit des Berliner Doms macht seinem Namen im goldenen Herbst alle Ehre. Man kann am Spreeufer lustwandeln oder ganz entspannt in den Himmel über Berlin blicken und die Zugvögel auf ihrem Weg gen Süden beobachten.

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Mauerpark

Der Mauerpark ist an sonnigen Herbsttagen ein Besuchermagnet. Tausende Schaulustige erfreuen sich an Sonntagnachmittagen an den Karaoke-Sessions. Applaus bekommen alle, die sich ans Mikrofon wagen.

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Prenzlauer Berg

Die meisten Berliner Biergärten haben sich schon in die Winterpause verabschiedet, aber vor vielen Cafés und Restaurants kann man noch die Herbstsonne genießen. Ob mit Cappuccino, Bier oder einem letzten Eis.

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Potsdamer Platz

Berlins modernster Platz mit viel Glas, Stahl und Beton hat im Herbst einen natürlichen bunten Rahmen aus den gefärbten Laubbäumen des Tiergartens.

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Regierungsviertel

Die Herbstfarben im Regierungsviertel zwischen Bundeskanzleramt und Parlament im Reichstagsgebäude setzen knallige Akzente im politischen Alltagsgrau.

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Reichstagsgebäude

Seit 1999 ist das Reichstagsgebäude wieder Sitz des Deutschen Bundestages. Nach Mauerfall und Wiedervereinigung wurde es aufwendig saniert und umgebaut. Die damals gepflanzten Bäume werden langsam groß und zeigen ihre Blätterpracht.

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Brandenburger Tor

Aus astronomischer Sicht dauert der Herbst 89 Tage und 19 Stunden. Zeit genug, um Berlins bekanntestes Wahrzeichen in einem besonderen Licht zu erleben und zu fotografieren.

17.10.2018
Die Pilgerreisen der Instagram-Jünger
Selbst die entlegensten Ecken der Welt werden zu Kulissen für inszenierte Fotos, die später in sozialen Medien landen. Manch Instagram-tauglicher Ort erlangt so ungeahnte Popularität - nicht immer mit positiven Folgen.
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                                                            Verzasca-Tal

Türkisblau und kristallklar glitzert der See, Fischerboote schaukeln an der Oberfläche, die Bergkette spiegelt sich im Wasser. Ein atemberaubender Anblick ist der Pragser Wildsee (Italienisch: Lago di Braies), eine Oase inmitten der Südtiroler Alpen.

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                                                             Pragser Wildsee in Italien

Obwohl zwischen Bergen versteckt, ist der See kein Geheimtipp. Schuld daran ist die Foto-Plattform Instagram. Dort finden sich unter #lagodibraies um die 150.000 Fotos der Szenerie. Und jeden Tag werden es mehr. "Da muss ich auch hin", lauten die Kommentare unter vielen Fotos. Orte wie der Pragser Wildsee werden zu kleinen Berühmtheiten, manche sogar zu regelrechten Instagram-Wallfahrtsorten.

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                                                             Flusstauchen in der Verzasca

Plötzlich in den sozialen Medien bekannt geworden, können die Destinationen dem Ansturm allerdings nicht immer standhalten. Als ein italienischer Blogger vergangenes Jahr einen Post über das Verzascatal in der Schweiz veröffentlichte, erlebte das Dorf eine kaum zu bewältigende Besucherwelle. Lokale Medien berichteten von kilometerlangen Staus, wild parkenden Fahrzeugen und Müllbergen. Anwohner waren genervt.

Instagram als Tourismusmotor

Solche Blogger oder Influencer, auf Deutsch etwa "Meinungsmacher", haben über soziale Medien eine enorme Reichweite. Was sie veröffentlichen, machen andere nach. Das kann den Tourismus ankurbeln, aber auch negative Folgen haben. "Die Orte haben wenig Kontrolle darüber, welche Inhalte in den sozialen Medien landen», sagt Laura Jäger, Referentin bei TourismWatch, einem Informationsdienst, hinter dem das evangelische Hilfswerk Brot für die Welt steht und der sich für nachhaltigen Tourismus stark macht. "Reisende müssen sich bewusst machen, wie sich ihr Verhalten in den sozialen Medien auf die Zielgebiete und Menschen vor Ort auswirken kann, und verantwortungsvoll damit umgehen."

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                                                              Cenote Oxman in Mexiko

Bei sommerlichen Temperaturen am Sandstrand ist davon oft nichts zu spüren. Wohin man blickt, schießen Menschen Fotos, inszenieren sich oder die Landschaft für den perfekten Urlaubsschnappschuss. Das Ferienhaus-Portal Holidu kürte diesen Sommer die beliebtesten Instagram-Strände.

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                                                                   Scala dei Turchi auf Sizilien

Auf Platz eins in Italien: die Scala dei Turchi auf Sizilien. "Wir bemerken dieses Phänomen", bestätigt ein Sprecher des Tourismusverbands von Realmonte, der Gemeinde des Strandes. Unglücklich scheint er darüber nicht: "Instagram, Facebook und andere soziale Medien haben den Ort bekannter gemacht und den Tourismus weiter wachsen lassen."

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                                                                Panorama-Rutsche in Los Angeles

"Instagram ruiniert diese Orte komplett"

Was hinter der Smartphone-Linse passiert, zeigen die Fotos der Instagram-Idyllen allerdings nicht. Schadet es am Ende der Schönheit eines Ortes, wenn er für Fotos ausgeschlachtet wird? Die italienische Fotografin und Reise-Bloggerin Sara Melotti nutzt für ihre Fotos zwar selber Instagram, geht aber kritisch mit dem Netzwerk um. "Instagram ruiniert diese Orte komplett", sagt sie. "Es hat sich ein neuer, junger Massentourismus entwickelt. Junge Leute reisen, um Fotos für die sozialen Medien zu machen. Nur um zu zeigen: Ich war hier."

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                                                                      Sonnenaufgang auf Hawaii

Melotti kennt nach eigenen Worten Influencer, die mit einem Stundenplan verreisen. Darauf vermerkt: an welchem Instagram-Spot man wann ein Foto schießen wird. Die 30-jährige Reisebloggerin vermerkt auf Instagram mittlerweile nicht mehr den genauen Standort ihrer Fotos. Sie will nicht, dass mit den Orten passiert, was sie selbst schon zu oft auf Reisen gesehen hat. Auf Bali gebe es einen Tempel, der vor einigen Jahren komplett unbekannt war. "Heute stehen die Touristen schon um 4.00 Uhr morgens an, um ein Foto im Sonnenaufgang zu schießen."

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                                                                    Trolltunga in Norwegen

Hauptsache "Instagramability"

Für solche Orte, die sich besonders gut für Fotos eignen, gibt es mittlerweile sogar ein Fachwort: Instagramability. Eine britische Studie des Ferienhaus-Versicherers Schofields Insurance ergab 2017, dass 40 Prozent der 18- bis 33-Jährigen ihre Reiseziele nach deren "Instagramability" aussuchen. Auch die Trolltunga in Norwegen ist so ein Ort - über 110.000 Beiträge unter #trolltunga. Zwischen 2009 und 2014 stieg die Besucherzahl laut "National Geographic" von 500 auf 40.000. Die Felszunge, die sich über dem Ringedalsvatnet-See erstreckt, ist berühmt für ein Motiv: Eine Person sitzt ganz vorn auf der Zunge, daneben der See, die Berge, keine Menschenseele. Der Inbegriff von Idylle. Außer, der Mensch an der Spitze würde die Selfie-Kamera aktivieren: Dann wären ziemlich viele Menschen im Hintergrund zu sehen, die Schlange stehen für dieses eine Foto, das es schon so oft auf Instagram gab.

Laura Krzikalla (dpa)

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                                                                        Selfie-Statue in Teheran

Ob in Berlin, Frankfurt, Paris, Dubai oder New York - Hochhäuser und Türme mit Aussicht sind in Zeiten von Instagram beliebte Orte für Fotos. Nicht nur Follower mögen spektakuläre Ausblicke über eine Stadt.

Quelle

16.10.2018
Warum es das Mittelalter eigentlich gar nicht gibt
Das Mittelalter gibt es nicht. Es ist eine Projektion von Menschen, die an der Gegenwart leiden. Sie geben ihrer Sehnsucht nach der heilen Welt Ausdruck, indem sie die Zeit um 1200 verklären.
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Schon die alten Römer kannten die Idee vom Goldenen Zeitalter, das am Anbeginn alles Seins herrschte. Ovid hat es in seinen „Metamorphosen“ suggestiv beschrieben und damit den Kulturpessimismus salonfähig gemacht, denn er behauptete, je weiter man sich vom Goldenen Zeitalter entferne, desto trister werde es; der Tiefpunkt war natürlich seine eigene Gegenwart.

Eine aparte Variation dieses Dekadenz-Schemas nimmt um 1800 Gestalt an: die Mittelalter-Begeisterung, die mit der Romantik aufkommt. Die Aufklärung hatte im Mittelalter nur Finsternis ausmachen wollen. Aber nun pries Novalis in seinem Aufsatz „Die Christenheit oder Europa“ das Mittelalter als letzte europäische Epoche, in der ein geschlossenes Weltbild geherrscht und den christlichen Völkern metaphysisches Obdach gewährt habe.

Im Gefolge dieser Schrift wurde die Gotik rehabilitiert, die Mystik als intellektuelles Ideal etabliert. Vor allem aber drehte man den Speer der Aufklärer um und behauptete, gerade weil das Mittealter nicht erleuchtet war, konnte es eine Spiritualität herausprägen, in dem sich geistiges und körperliches Wohlgefühl ergänzten, „weil unsere Weisheit Einfalt ist“, wie es 50 Jahre später in Richard Wagners „Lohengrin", der Mittelalter-Oper schlechthin, heißen sollte.

Himmelstürmende Kathedralen, ritterliche Tugenden, die in Epen wie „Parzifal“ Gestalt annahmen, Muttergottesbilder vor Goldgrund: Dahin träumte man sich nun zurück. Mit anderen Worten: Das Mittelalter ist pure Projektion. Die tatsächliche Wirklichkeit des knappen Jahrtausends zwischen dem Untergang Roms und dem Beginn der frühen Neuzeit, die man meist mit dem Humanismus und der Renaissance beginnen lässt, interessierte die Romantiker und jene, die ihnen folgten, nur peripher. Sie hielten sich an die Zeit der kulturellen Blüte um 1200. So geht Sehnsucht nach der heilen Welt!

15.10.2018
Früher Fan der Fotografie: Alexander von Humboldt
Alexander von Humboldts Geburtstag jährt sich 2019 zum 250. Mal. Schon jetzt beginnt der Reigen an Würdigungen. Dass der Forscher auch ein Mann der Fotografie war, beweist jetzt das Museum Ludwig in Köln.
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Staunend und forschend hat er die Welt entdeckt - und die Fotografie, wie ein Blick in die neueste Ausstellung des Museums zeigt: "Alexander von Humboldt, die Fotografie und sein Erbe", heißt sie etwas umständlich. Die Fotoexpertin Miriam Halwani hat sie kuratiert. Der Naturforscher war fasziniert von der damals neuartigen Technik; auch wenn er zeitlebens nie selbst auf den Auslöser gedrückt hat. Es sind zwei spektakuläre Fotobände, die Auskunft geben über Humboldts Beziehung zur Fotografie.

Ein Album bekam Humboldt 1844 von William Henry Fox Talbot, als Erfinder des Negativs einer der Pioniere der Fotografie, geschenkt. Humboldt und Talbot waren sich erstmals 1827 in Berlin begegnet. Beide verband das Interesse an Naturwissenschaften. Der Geschenkband von 1844 entstand im selben Jahr wie Talbots berühmtes Fotobuch "Pencil of Nature" und ist damit möglicherweise das erste Fotobuch der Welt. Es enthält 22 Aufnahmen, darunter auch ein Pflanzenfotogramm. "Vielleicht hätte Humboldt sie selbst angefertigt, wäre die Fotografie früher erfunden worden", spekulieren die Ausstellungsmacher.

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                                                                                                                 Spitze aus dem Geschenkband Talbots an Alexander von Humboldt, 1844

"Eine der freuendsten Entdeckungen unserer Zeit"

Das zweite, großformatige Album umfasst 47 Aufnahmen aus Südamerika um 1857/58. Der aus Ungarn stammende Fotograf Paul de Rosti überreichte es Humboldt 1858 persönlich - zum Dank für dessen Reiseunterstützung. Bei den Aufnahmen handelt es sich um nicht weniger als die frühesten bekannten Aufnahmen aus Mexiko, Venezuela und Kuba. Nun fügen sie sich ein in die mit 70.000 Werken außerordentlich gut bestückte Fotosammlung des Museum Ludwig.

Schon früh war Alexander von Humboldt begeistert von den Möglichkeiten der Fotografie: Nachdem er in Paris frühe Aufnahmen von Louis Jacques Mandé Daguerre gesehen hatte, einem der Pioniere der Fotografie, schrieb er 1839 an eine Bekannte: "Gegenstände, die sich selbst in unnachahmlicher Treue malen; Licht, gezwungen durch chemische Kunst, in wenigen Minuten bleibende Spuren zu hinterlassen, die Contouren bis auf die zartesten Teile scharf zu umgrenzen." Da saß Humboldt - bereits 70-jährig - in einer Kommission der französischen Akademie der Wissenschaften, die über das Verfahren der Daguerreotypie zu befinden hatte. "Es ist eine der freuendsten und bewunderungswürdigsten Entdeckungen unserer Zeit", befand er. Und: "Die Bilder haben einen ganz unnachahmlichen Naturcharakter, den die Natur nur selbst hat aufdrücken können."

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                                                                      Paul de Rosti: der Riesenbaum Zamang bei Turmero aus dem Album "Fotografische Ansichten aus Mexiko und Venezuela 1857-1858"

Der Sammler Erich Stenger

Dass zahlreiche Daguerreotypien, Kalotypien und andere Dokumente aus der Frühzeit der Fotografie jetzt im Kölner Museum Ludwig zu sehen sind, ist vor allem der Sammelwut des Berliner Professors für fotografische Chemie, Erich Stenger (1878-1957), zu verdanken. Seine riesige Kollektion ging in der Leverkusener Sammlung Agfa auf, die die Stadt Köln schließlich im Jahr 2005 erwerben konnte.

Kaum ein Medium hat die Entschlüsselung der Welt schneller vorangetrieben als die Fotografie. Humboldt erkannte früh ihre Vorzüge: "Welch ein Vorteil für Architekten, den ganzen Säulengang von Baalbek, oder den Krimskrams einer gotischen Kirche in zehn Minuten in Perspektive auf dem Bilde aufzunehmen", notierte der Forscher.

Humboldt, daran erinnert die Kölner Schau, war ein Mann der Bilder. Viele seiner Natureindrücke goss er in Zeichnungen. Doch hätte er die technischen Möglichkeiten der Fotografie gehabt, er hätte sie wohl genutzt für seine akribischen Natur- und Landschaftsdarstellungen - selbst für das Eigenmarketing: Ein Porträt aus dem Jahr 1857 zeigt ihn mit strengem Blick, die Beine übereinandergeschlagen - bereit, mit ein paar Sekunden Stillsitzen Fotografie-Geschichte zu schreiben.

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                                                                                       Universalgenie und früher Bewunderer der Fotografie: Alexander von Humboldt in einer historischen Aufnahme

Quelle

13.10.2018
Die Zukunft des Lesens: Wohin geht die Reise?
Frankfurter Buchmesse: Wie stellt sich die Branche dar? Was ist dran am Gerede von der Buchmarktkrise? Oder handelt es sich vielmehr um eine Lese-Krise? Wir haben bei Verlegern nachgefragt - und bei einer Profi-Leserin.
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Im vergangenen Jahr war die Aufregung groß, als die Literaturredakteurin der "Frankfurter Allgemeine Zeitung", Sandra Kegel, vor der Buchmesse in einem Leitartikel provokativ fragte: "Ist das Buch am Ende?" Kegel kam zu ein paar ernüchternden Erkenntnissen. Jeder Fünfte lese überhaupt noch, die Menschen ertrügen die Stille nicht mehr, was aber die Grundvoraussetzung für das Lesen sei - und wenn Beschäftigung mit der Literatur, dann nur noch im Rahmen von Events. 

Der Artikel stieß eine Diskussion an, viele Branchenvertreter bemängelten die zu pessimistische Sicht Kegels. Insbesondere der Börsenverein des Deutschen Buchhandels wehrte sich gegen das vermeintliche Krisengerede.

Sandra Kegel: "Jede Branche scheut schlechte Nachrichten"

Aber: Hatte und hat Kegel nicht doch recht? Sprechen - ein Jahr nach der Debatte - die Zahlen nicht immer noch für sich: dass etwa in den letzten Jahren über sechs Millionen Leser verloren gegangen sind?

Wir treffen Sandra Kegel auf der Messe. Dass die Aufregung 2017 so groß war, versteht sie auch heute nicht, hat aber Verständnis dafür, dass man die Schwarzmalerei von außen nicht befeuern möchte: "Jede Branche scheut schlechte Nachrichten, und man will auch nicht eine Branche runterreden und schon gar nicht die Akteure selbst."

Buchmarktkrise und Krise des Lesens seien zwei verschiedene Dinge, sagt sie und vermutet: "Ich glaube mittlerweile, dass wir gar keine Krise der Leser haben, sondern der Nicht-Leser. Früher haben womöglich mehr Nicht-Leser Bücher gekauft, die das heute nicht mehr tun." Das Buch als Geschenk zu einer Einladung, das gebe es heute viel seltener.

Überzeugt ist sie auch, dass man von einer "Krise des vertieften Lesens" sprechen kann: "Hier geht womöglich eine Kulturtechnik verloren. Das heißt: Nicht nur etwas zu lesen, sondern sich in einen Text hineinzubegeben: diese hohe Konzentration, die eben bestimmte Erfordernisse braucht, Ruhe, Einsamkeit, das Gegenteil von Event."

Die Verleger geben sich selbstbewusst

Und wie sehen dass die Verleger? Die müssten es schließlich wissen, weil sie recht schnell merken, wenn ihre Bücher nicht verkauft werden und rote Zahlen drohen. Von Krisengerede wollen die meisten aber tatsächlich nichts hören.

"Ich sitze nicht hier und praktiziere eine Selbstgeißelung mit hinlänglich bekannten Parolen wie 'Die Welt des Buches geht unter' und will auch nicht, wie es gern geschieht, den Leser daran erinnern, wie wohlig und nett - quasi im Wellness Modus - es doch früher war, ein Buch zu lesen," sagt Claudia Baumhöver von "dtv". Gegenwart und Zukunft stellten sich ganz anders dar: "Wir sind im Kulturbereich mit neun Milliarden Jahresumsatz ein Koloss, größer als das Kino, Netflix und Spiele für Konsolen zusammen. Wir erreichen immer noch 33 Millionen Menschen, die lesen."

Deutschland Claudia Baumhöver (picture-alliance/dpa/H. Galuschka)

Horst Lauinger vom Manesse Verlag (der zu Random House gehört) sieht das ähnlich: "Wir leben ja eigentlich nach wie vor auf einer Insel der Seligen, bei allen negativen Tendenzen, von denen wir natürlich nicht verschont bleiben." Man wisse schon, wie die Leserentwicklung in den letzten Jahren gewesen ist und wohin die Reise gehe. "Aber im direkten Vergleich mit Italien, Frankreich oder auch mit den USA - wenn man sich die Fülle der Neuerscheinungen bei uns anschaut, die Fülle an Übersetzungen, ist es nach wie vor so, dass wir sehr begünstigt vom Schicksal sind."

Manche Verlage machen gute Geschäfte

Auch der Nikolaus Gelpkevom Mare-Verlag ist sehr zufrieden mit den Zahlen des eigenen Hauses: 2015 sei das beste Jahr bei Mare überhaupt gewesen und die beiden darauffolgenden Jahre auch kaum schlechter: "Insgesamt kann ich nicht bestätigen, dass wir - ganz sicher im Vergleich zum Beispiel zu 15 Jahre früher - weniger Bücher verkaufen oder weniger Geld verdienen mit Büchern."

Das mögen viele Kleinverleger, die oft kaum Geld mit ihren Büchern verdienen und gezwungenermaßen auf das Prinzip Selbstausbeutung setzen, anders sehen - und mancher Verlagsriese ohne literarisches und inhaltliches Konzept möglicherweise auch.

dtv, schon lange mehr als nur ein Taschenbuchverlag, Manesse und Mare mögen dem Krisengerede nicht beipflichten. Also keine Krise der Buchbranche? Worauf man sich eher einigen kann, ist von einer "Krise des Lesens" zu sprechen. Und die hat etwas mit dem Freizeitverhalten zu tun. Da hilft es wenig, wenn in der Liste der der beliebtesten Beschäftigungen der Deutschen "lesen" in den entsprechenden Ranglisten nicht abgerutscht ist. Hauptkonkurrent fürs Lesen, das klingt in allen Gesprächen auf der Messe an, sind die vielen Angebote im Internet und vor allem die von Streaming-Diensten wie Netflix oder Amazon.

Der Kampf ums Zeitkontingent

Das sieht auch Sandra Kegelso: "Lesen heißt eben immer noch, dass man auf Grund von schwarzen Buchstaben auf weißem oder gräulichem Hintergrund eigene Welten entstehen lässt. Das ist nämlich eine aktive Tätigkeit im Vergleich dazu, wenn man ein Bild, einen Text, einen Ton konsumiert." Sie wolle Bücher nicht gegen Serien oder Filme ausspielen, "aber dass wir heutzutage so viele Sachen machen, die uns offenbar vom Lesen abhalten, das ist bedenkenswert." Da müsste drüber nachgedacht werden, "auch in den Schulen", fügt die Literaturredakteurin noch an.

Nikolaus Gelpke (picture-alliance/dpa/G- Wendt)

Dem pflichtet Mare-Verleger Nikolaus Gelpke bei: "Das Zeitproblem ist das Problem unserer Branche, die mit Papier arbeitet, das ist definitiv so." Horst Lauinger sieht das ähnlich: "Netflix ist natürlich ein sehr aggressiver Mitbewerber für den Kulturkonsum. Wenn man sich das Zeitbudget anguckt, das fürs Streamen draufgeht, so kann man sich ausrechnen, wie wenig Zeit am Ende des Tages zum Lesen bleibt. Das beklagen auch viele Lesende: Zeit ist Mangelware."

Das klassische Bildungsbürgertum schwindet

Auch der Manesse-Chef konstatiert den Verlust eines bestimmten Publikums des auf Klassiker spezialisierten Verlags: "Was wir in den letzten Jahrzehnten merken, ist, dass unser homogenes Zielpublikum, das Bildungsbürgertum, sich aufsplittert und an den Rändern ausfranst. Der klassische Bildungsbürger, für den es zum Selbstverständnis gehört, jedes Jahr zwei, drei Klassiker zu lesen, den vermisse ich." Dafür gebe es zwar "ein 'Niveau-Milieu', das anspruchsvolle Literatur aus Überzeugung und aus Genuss" lese, aber: "Diese Schicht ist eben nicht mehr so homogen wie das gute alte Bildungsbürgertum."

Woraus schöpfen die drei dann also ihren Optimismus, wenn sich ein nachwachsendes Publikum seine Freizeit heute so ganz anders einteilt? Was empfehlen sie gegen die schwindende Leserschaft?

Claudia Baumhöver setzt auf ein ganz neues Angebote ihres Verlags: "Ein neues Imprint namens 'bold', das steht für 'fett' und auch für 'mutig'." Das wende sich gezielt "an die junge Generation der Digital Natives - in der Form der Ansprache, durch die besonderen Autorinnen und die Texte." Kommuniziert und umgesetzt werde das durch ein rein digitales Marketing-Konzept: "Etwas völlig Neues!"

Neues Zielpublikum mit neuen Mitteln erschließen

Agenten und Verlage in den USA, wo bereits dafür geworben werde, seien begeistert - auch und weil es da "einen Verlag mit einem Lösungsansatz" gebe: "Wir wenden uns also an die Gruppe der Digital Natives, die, so will es der Rumor, ja zu den bekennenden Nichtlesern gehört und damit zum angeblichen Niedergang der Branche vermeintlich entscheidend beitragen hat."

Und auch auf das besonders gut ausgestattete Buch setzt der Verlag, also auf Tradition. Gerade bereitet man bei dtv eine prachtvolle Humboldt-Ausgabe vor: "Wir stemmen Alexander von Humboldts 'anderen Kosmos' mit über zwölf Millionen Zeichen in zehn Bänden in der Edition 'Sämtliche Schriften - Berner Ausgabe'." Das seien "nicht weniger als zehn Kilogramm Buch, 1000 Artikel in 14 Sprachen, 30 Wissenschaftsdisziplinen, veröffentlicht in 250 Städten der Welt und das in 100 Publikationen auf fünf Kontinenten." Das Ganze soll im Juli 2019 erscheinen.

Gut gemachte Bücher als Verkaufsargument

Auch Nikolaus Gelpke will mit seinen Mare-Büchern weiterhin auf das "besondere Buch" setzen: "Es ist tatsächlich so, dass man vielleicht mehr seine Nische suchen muss." Es gebe "immer noch genug Menschen, die lesen und wenn es Menschen gibt, die nicht nur lesen wollen, sondern auch ein Buch lesen wollen, auch ein Hardcover lesen wollen, dann wünschen sie sich, dass ein Hardcover eben auch formal gut gemacht ist."

Horst Lauinger ist davon überzeugt, dass man sich in Zukunft zudem noch selbstbewusster präsentieren müsse: "Wir schlagen im Moment einen Kampf um die Zeitressourcen unseres Publikums, die meinen, im Zweifel mit einem Film leichter unterhalten zu sein als mit einem Buch - nur dass Lesen eine ganz eigene Lust am Fiktionalen erzeugt, eine ganz eigene Erkenntnisweise im Hirn präfiguriert. Das sind Dinge, die müssen wir in unserem Selbstverständnis viel stärker in den Vordergrund rücken."

Die Branche steckt den Kopf also keinesfalls in den Sand. Man sieht die Entwicklung bei der Leserschaft, registriert auch sinkendes Interesse am Kulturgut Buch. Auf der anderen Seite glaubt man aber daran, dass sich das Buch auch in Zukunft behaupten wird - mit Qualität, einer sorgfältigen Auswahl und Gestaltung und neuen Formaten.

12.10.2018
German-American Day: So viel Deutsches steckt in den USA
45 Millionen US-Amerikaner haben deutsche Vorfahren. In New York gibt es Chinatown, Little Italy, aber kein "Little Germany". Warum? Eine Spurensuche zum German-American Day - auch abseits von Brauhaus und Oktoberfest.
12.10

Der German-American Day am 6. Oktober erinnert seit 1987 in den USA daran, wie deutsche Einwanderer zu Kultur und Leben beigetragen haben. Eine Zeitreise zu wichtigen, fast vergessenen Episoden der gemeinsamen Geschichte.  

1904 -  Das Ende einer Gemeinde: Die tragische Fahrt der General Slocum

Ob “Little Italy" oder "Chinatown": Bis heute sind in diesen lebendigen New Yorker Vierteln die Wurzeln der Bewohner offensichtlich. Davon, dass genau hier einst das Zentrum deutschen Lebens war, mit deutschen Straßenschildern, Biergärten und Kneipen, ist heute nur noch wenig zu spüren, vom trendigen "Loreley Biergarten" mal abgesehen. "Little Germany" wurde das Viertel an der Lower East Side zu Beginn des 20. Jahrhunderts genannt, damals lebten hier rund 50.000 Menschen, die meisten mit deutschen Wurzeln. 
Aus “Little Germany“ kamen auch die über 1300 Passagiere des mit bunten Fähnchen behängten Schaufelraddampfers “General Slocum“, der am 15. Juni 1904 zu einer Ausflugsfahrt auf dem East River ablegte.

Es war Mittwoch, ein Arbeitstag, an Bord befanden sich vor allem Frauen und Kinder der evangelischen Gemeinde, die zum Picknick nach Long I  sland wollten. 
Der fröhliche Ausflug wurde zur Tragödie. Das Schiff fing Feuer, Panik brach aus. Die Rettungsboote ließen sich nicht losmachen, die Schwimmwesten waren kaputt. Als die “General Slocum“ schließlich auf Grund lief, stand sie in Flammen, zahllose Leichen trieben im Fluss. 1021 Menschen starben: Bis heute ist es das größte zivile Schiffsunglück in der Geschichte der USA . Fast jeder Bewohner von “Little Germany“ hatte Angehörige verloren. Die meisten Familien verließen die Gegend, die sie an das Unglück erinnerte. 1910 wohnten nur noch wenige deutsche Familien an der Lower East Side.

Italiener und Chinesen übernahmen die Straßenzüge. “Little Germany“ war verschwunden – wie so viele deutsche Spuren in den USA. Um sie zu entdecken, hilft der Blick zurück in die Geschichte... 

1683 - Flucht nach Westen: Die „Original 13“ möchten glauben, woran sie wollen

Mehr als zwei Monate lang war der Dreimaster “Concord“ über den stürmischen Atlantik gesegelt, bevor er am 6. Oktober 1683 im Hafen von Philadelphia anlegte. An Bord waren auch 13 deutsche Familien, Mennoniten aus der Nähe von Krefeld. Die Idee eines englischen Quäkers hatte sie in die "Neue Welt" gelockt: Dieser William Penn wollte Religionsflüchtlingen Land zur Kolonialisierung zur Verfügung stellen.

 Denn in den deutschen Fürstentümern und Königreichen des 17. Jahrhunderts waren nur die katholische, die lutherische und die reformierte Kirche erlaubt, andere Glaubensrichtungen wurden verfolgt. In Penns Kolonie gründeten die "Original 13" genannten Familien “Deitschesteddel“: die erste deutsche Siedlung in den heutigen USA. 1790, als die noch jungen Vereinigten Staaten von Amerika ihre erste Volkszählung veranlassten, lebten 434.000 Menschen im Bundesstaat Pennsylvania, ein Drittel von ihnen mit deutschen Wurzeln. Bis heute wird ihr altertümlich klingendes “Pennsylvania Dutch“ in einigen Gemeinden gesprochen, wie zum Beispiel bei den Amischen.

Das ehemalige “Deitschesteddel“ heißt heute “Germantown“ und gehört zu Philadelphia. Auch in anderen Regionen der USA, wie im Mittleren Westen, z.B. in den Staaten Ohio, Illinois, Michigan oder Wisconsin, war der deutsche Einfluss groß: Hier leben die meisten deutschstämmigen Amerikaner und viele große Brauereien sind deutsche Gründungen.  

Jedes Jahr am 6. Oktober wird mit dem German-American Day an die Ankunft der ersten deutschen Siedlergruppe erinnert. 

Unabhängigkeit und Bürgerkrieg: Deutsche Militärs organisieren amerikanische Truppen

Einem waschechten Preußen ist es zu verdanken, dass die amerikanischen Kolonialisten den Unabhängigkeitskrieg (1775 – 1783) gegen die britische Kolonialmacht gewinnen konnten: Friedrich Wilhelm von Steuben. Der 1730 geborene Spross einer Soldatenfamilie hatte unter Preußenkönig Friedrich dem Großen gedient, bevor er in Paris Benjamin Franklin kennenlernte. Der empfahl ihn dem kommandierenden General der überseeischen Kolonialisten, George Washington. 1778 traf Steuben im Winterlager der „Continental Army“ ein. Seine Aufgabe: aus den Freiwilligen, die eigentlich Bauern, Kaufleute oder Politiker waren, ein Heer zu bilden, das den britischen Berufssoldaten die Stirn bieten konnte. Mit preußischer Disziplin und Drill organisierte Steuben die Ausbildung der Soldaten so gründlich, dass sie die Briten besiegten.  

Gemälde George Washington überquert den Delaware River 1776 von Emanuel Leutze (ullstein bild - histopics)

Auch deutsche Soldaten kämpften mit Washington im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg

Seit 1957 erinnert die jährliche Steuben-Parade in New York an einen der wichtigsten Deutsch-Amerikaner der Gründungszeit. 

Auch im amerikanischen Bürgerkrieg (1861-1865) kämpften deutsche Militärs mit: wie Franz Sigel aus der Nähe von Heidelberg. Der deutsche Leutnant brachte es bis zum Generalmajor und gehörte zu den ranghöchsten Befehlshabern der Nordstaaten-Armee.

Das damals sehr populäre Bürgerkriegs-Lied “I goes to fight mit Sigel“  erinnert mit seinem deutsch-englisch radebrechenden Text an die rund eine halbe Million deutschen und deutschstämmigen Soldaten, die auf beiden Seiten am Krieg der Nord- gegen die Südstaaten teil nahmen.

1848: Frauenrechtlerin Mathilde Franziska Anneke und die „Forty-Eighters“

Franz Sigel hatte in Europa zu denjenigen gehört, die sich 1848 gegen die Fürsten und Könige aufgelehnt hatten. Nach dem Scheitern der Revolution war er in die USA geflohen. Genauso wie Fritz Anneke aus Westfalen (der später im Bürgerkrieg ebenfalls für die Nordstaaten kämpfte) und seine Frau Mathilde Franziska Anneke.

Sie hatte schon in Europa als Journalistin gearbeitet, unter anderem für eine Zeitung, für die auch Heinrich Heine geschrieben hatte.
In den USA durfte sie nun tun, was in den deutschen Staaten verboten war: Sie hielt Vorträge für Bildungschancen, die Gleichstellung der Geschlechter und gegen die Sklaverei. 1852 gründete sie die deutschsprachige „Frauen-Zeitung“, 1869 wurde sie erste Vize-Präsidentin der "National Woman Suffrage Association" – und damit eine der wichtigsten Frauen der US-amerikanischen Frauenbewegung.  

Auch andere “Forty-Eighters“ machten in den USA Karriere: Der Revolutionär Friedrich Hecker engagierte sich für die neu gegründete republikanische Partei und Carl Schurz wurde Innenminister und Berater von US-Präsident Abraham Lincoln . 
Insgesamt waren die ehemaligen Revolutionäre aber nur eine kleine Gruppe unter den Auswanderern. Die meisten flohen vor Hunger und Armut gen Westen. Und es wurden immer mehr: Bis Mitte des 19. Jahrhunderts waren eine Million Deutsche in die USA übergesiedelt. Erst gegen Ende des Jahrhunderts gingen die Zahlen zurück. 


1917: Im Ersten Weltkrieg wird aus Sauerkraut "Liberty Cabbage"

1914 begann der Erste Weltkrieg. Als die USA 1917 in den Krieg eintraten, änderte sich auch das Verhältnis zu den Deutsch-Amerikanern in den USA. Deutsch-Amerikaner amerikanisierten ihre Namen, Behörden riefen zum Boykott deutscher Waren auf. Deutsche Begriffe verschwanden aus dem Sprachgebrauch.  Sogar das beliebte "Sauerkraut" wurde umbenannt: „Liberty Cabbage“ hieß es fortan. Und im Staat Illinois lauerte eine Meute dem Deutsch-Amerikaner Robert Prager auf, zwang ihn, die amerikanische Flagge zu hissen und die Nationalhymne zu singen. Schließlich wurde er aufgehängt. 

Schon zwischen den Weltkriegen war viel typisch Deutsches aus dem US-amerikanischen Alltag verschwunden. Und die Menschen, die ab 1933 nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland in die USA flohen, wollten mit dem Land, das Juden und andere missliebige Minderheiten verfolgte und millionenfach ermordete, nichts mehr zu tun haben. Viele wurden rasch Amerikaner. Wie Henry Kissinger, der spätere US-Außenminister: 1938 als Jugendlicher mit seiner jüdischen Familie aus Deutschland geflohen, nahm er 1943 die amerikanische Staatsangehörigkeit an und kämpfte als GI gegen sein Geburtsland.

USA Richard Nixon Henry Kissinger 1973 (AFP/Getty Images)


Anders als bei den später eingewanderten Italienern oder Chinesen sind die Spuren der Deutschen heute eher verborgen. Und so eng mit der amerikanischen Kultur verwoben, dass beides kaum zu trennen ist. Denn sogar seinen Namen verdankt das Land eigentlich einem Deutschen: dem Kartographen Martin Waldseemüller. Denn er gab dem neu entdeckten Land im Westen auf seiner Weltkarte von 1507 seinen Namen: “Amerika“, nach dem Seefahrer Amerigo Vespucci. Der immerhin war kein Deutscher, sondern Italiener. 

11.10.2018
Zwischen Krise und Hoffen: Der deutsche Buchmarkt
Der Buchmarkt ist in Krisenstimmung. Immer weniger Menschen nehmen ein Buch in die Hand, sondern schauen lieber aufs Smartphone. Wir blicken auf die Fakten: Wie hat sich der Buchmarkt in jüngster Zeit entwickelt?

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Umsatz - Wie geht es dem deutschen Buchmarkt?

Je nachdem, wie man die Dinge betrachtet. Zahlen lügen ja bekanntlich nicht. Oder doch? Schaut man sich die Umsatzzahlen der Buchbranche für 2017 an, so ist eine leichter Rückgang um 1,6 Prozent zu verzeichnen. Der Umsatz betrug im vergangenen Jahr 9,13 Milliarden Euro. Das ist doch eine stolze Summe, werden jetzt viele sagen. Ist es auch.

Vor allem, wenn man sich zum Vergleich die Zahlen verwandter Branchen anschaut: Die Musikindustrie kam auf 1,59 Milliarden Umsatz, Computer- und Videospiele auf 2,4 Millionen und die Filmwirtschaft auf 2,88 Millionen Euro. Und im Langzeitvergleich hat die Buchbranche also im Vergleich zur Jahrtausendwende auch nur einen Verlust von rund 1 Prozent zu verzeichnen.

Doch der Teufel steckt im Detail. Die reinen Umsatzzahlen sagen noch nicht allzu viel aus über das Lese-Verhalten der Deutschen. Die lesen einfach generell weniger, das haben Studien erwiesen. Und sie lesen vor allem weniger Bücher! Da macht sich die digitale Konkurrenz der Unterhaltungsindustrie bemerkbar. Das klassische Buch ist ja nur ein kleiner Bestandteil der immer noch großen Umsatzzahlen!

Titelflut - Wie viele Bücher erscheinen 2018?

Im Buchjahr 2017 sind exakt 82.636 Titel erschienen. Vor einem Jahrzehnt lag die Zahl bei rund 95.000. Ein starker Rückgang also. Trotzdem wird der ein oder andere jetzt zu Recht fragen: So viele Titel, wer soll das alles lesen? Auch hier gilt: Der Teufel liegt im Detail. Positiv könnte man sagen: Es werden sogar noch mehr Titel produziert als die aufgelisteten 82.636 - E-Books und Print-on-Demand-Produktionen sind nur zu einem geringen Teil erfasst. Und die Zahlen bei den Erstauflagen sind auch nicht schlecht, hier gibt es ein nur geringes Minus.

Das Minus zeichnet sich vor allem bei den Backlist-Titeln ab, sprich: Es gibt immer mehr Bücher, die nicht mehr wiederaufgelegt werden und unter Umständen schnell ins Moderne Antiquariat abwandern. In den Buchhandlungen ist das deutlich sichtbar. Einige Bestseller stapeln sich dort meterhoch. Fragt der Kunde aber nach Titeln, die es nicht in die Bestseller-Listen geschafft haben, müssen viele Händler passen.

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                                                                                                              Qual der Wahl - die enorme Titelflut hält an

Bücher und mehr - Was kaufen die Leser?

Am meisten gekauft werden immer noch Hardcover-Ausgaben. Das ist zudem eine Erklärung dafür, dass die Umsatzzahlen insgesamt nur wenig runter gingen - obwohl die Deutschen weniger Bücher lesen. Die Erklärung ist einfach: Gebundene Bücher sind teurer, das treibt die Umsatzzahlen in die Höhe - auch wenn weniger Bücher verkauft werden.

Taschenbücher befinden sich weiter im Abwärtstrend. Das früher sehr beliebte, preiswerte Taschenbuch leidet, so die Vermutung der Experten, an der digitalen Konkurrenz: "Vor allem unterhaltsames, kurzlebiges Lesefutter" wird mehr und mehr digital verschlungen.

Kein einheitliches Bild ergibt sich beim Segment Hörbuch/Audiobook. Hier gehen die Verkaufszahlen ebenfalls zurück. Aber auch dort: Literaturlesungen und anderes hören sich die Menschen heutzutage lieber direkt über Downloads und Streamingdienste an. Diese Zahlen sind in der Statistik nicht erfasst.

E-Books contra Bücher - Lesen die Menschen heute digital?

Die optimistischen Träume über die Zukunft des E-Books, die noch vor zehn, fünfzehn Jahren die Branche in Aufregung versetzten, sind schon seit ein paar Jahren zerstoben. E-Books werden in Deutschland gelesen und gekauft, sie haben das klassische Buch aber nicht verdrängt. Der Umsatzanteil am Buchmarkt betrug 2017 lediglich 4,6 Prozent. Der Anteil ist zwar höher als in den Vorjahren, die Wachstums-Kurve steigt aber kaum noch.

Trotzdem lesen immer mehr Menschen E-Books, da diese aber immer billiger werden, steigt der Umsatz kaum. Insgesamt gilt auch hier: "Rasante Zuwachsraten gehören schon länger der Vergangenheit an - der Käuferschwund, der den Buchmarkt insgesamt erfasst, geht auch am E-Book nicht vorbei."

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                                                                                                                     Bücher müssen sich neben digitalen Produkten nicht verstecken

Romane, Krimis, Science-Fiction - Was wird am liebsten gelesen?

Und was lesen die (verbliebenen) treuen Leser? Immer noch am liebsten Belletristik, mit 31,9 Prozent ist das - so die Statistik - "die tragende Säule beim Gesamtumsatz im deutschen Buchhandel".

In dieser Gruppe führt die "erzählende Literatur" mit weitem Abstand, also die "ganz normalen" Romane und Erzählungen ohne spezifische Genre-Einordnung. Auf dem zweiten Platz folgt das Segment "Krimi und Spannung", überraschenderweise mit leichtem Rückgang. Auf den Ehrenplätzen mit weitem Abstand folgen: "Comic, Cartoon, Humor und Satire", "Geschenkbücher" und "Science-Fiction und Fantasy".

Und außerhalb der Belletristik? Kinder- und Jugendbücher behaupten sich auf Platz 2, dann folgen Ratgeber, die für den Umsatz im Buchhandel immer wichtiger werden. Auf den weiteren Plätzen: Schul- und Lernbücher (die einzige Gruppe, die ein Umsatzplus verzeichnete), schließlich Sachbücher.

Der Leser - Das unbekannte Wesen?

Wer liest denn da (noch)? Auch dazu gibt es detaillierte Statistiken. Und hier wird das ganze (Lese-)Drama, wenn man es denn so nennen will, deutlich: "Alles in allem hat der Buchmarkt zwischen 2013 und 2017 rund 6,4 Millionen Käufer verloren", heißt es da nüchtern. Das sind traurige Zahlen.

Immerhin: In der Rangliste der liebsten Freizeitbeschäftigungen der Deutschen ist das Lesen um einen Platz von Rang 14 auf Platz 13 geklettert - weil das "Gärtnern" weniger populär war. Das ist natürlich nur ein schwacher Trost. Die Menschen sehen nach wie vor am liebsten fern, schauen Serien auf Netflix & Co., hören Radio und surfen im Internet. Fürs Bücher lesen bleibt da immer weniger Zeit. Bei Männern noch weniger als bei Frauen.

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                                                                                                                       Frauen lesen mehr als Männer

Deutsche Literatur - Ein Exportschlager?

Und wie sieht es mit der deutschen Literatur im Ausland aus? Wird da kräftig in die große, weite englischsprachige Welt verkauft? Mitnichten. Was das Lizenzgeschäft für Übersetzungen betrifft, tauchen die englischsprachigen Länder noch nicht einmal in den Top Ten auf! China behauptet seit Jahren den Spitzenplatz. 2017 erstmals auf Platz 2 ist die Türkei. Es folgen Spanien, die Tschechische Republik, Frankreich, Italien, Russland und die Niederlande.

Um das ganze grössenmäßig einzuordnen: "Genau 7856 Werke 'Made in Germany' haben 2017 die deutschen Sprachgrenzen verlassen."

In den USA und auch in Großbritannien interessiert man sich also nicht vorrangig für deutsche Bücher. Zumindest in diesem Bereich muss sich US-Präsident Donald Trump nicht vor der deutschen Exportwirtschaft im Bereich Buchmarkt fürchten.

Die Buchhandlung - Eine aussterbende Spezies?

Die Rede ist ja auch viel von der Krise des Buchhandels. Sind Büchergeschäfte eine aussterbende Spezies? Ja, in manchen Bereichen - und Nein, nicht in Gänze - so muss die korrekte Antwort lauten. Noch immer ist der "stationäre" Buchhandel, also da wo Bücher im Laden verkauft werden, mit Abstand (4,3 Milliarden Euro) der wichtigste Vertriebsweg für Bücher. Aber, das wird jeder wissen und dafür muss man kein Fachmann sein: Der Internetbuchhandel hat einen immer größeren Anteil am Kuchen. Und das nicht nur, weil Amazon mitmischt - wiewohl die Amerikaner klar marktbeherrschend sind.

Man kann es wohl so zusammenfassen: Die großen Filialen müssen Federn lassen, vielen mittelgroßen, selbstständigen Buchhandlungen geht es sowieso nicht gut, nur die Spezialisten behaupten sich. Dabei können sich die Buchhandlungen durchaus der Unterstützung der Politik sicher sein.

"Eine Stadt ohne Buchhandlung hat einen Teil ihrer Seele verloren", sagte ein hochrangiger Politiker vor kurzem noch bei den Berliner Buchtagen. Kulturstaatsministerin Monika Grütters unterstützt die kleinen Betriebe mit dem Deutschen Buchhandlungspreis. Zudem will die Koalition mit weiteren Maßnahmen den Buchhandel generell schützen.

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                                                                                                   Spezialbuchhandlungen halten sich besser - hier die Buchhandlung Bittner in Köln

Die Buchmesse - Motor der Branche?

Mag die Buchbranche auch schwächeln. Die Buchmessen tun das nicht. Die kleinere in Leipzig im Frühjahr nicht und die weltweit größte in Frankfurt sowieso nicht. Die Buchmessen sind ein wichtiger Motor der Branche. Und sie sind längst viel mehr als ein Treffen der Verlage, bei denen neue Bücher angepriesen werden. Unter den rund 7500 Teilnehmern der 70. Ausgabe der Frankfurter Buchmesse sind viele Anbieter, die gar keine Bücher auf Lager haben. Die Buchmesse ist längst ein großes Kultur-Ereignis, oder Neudeutsch "Event", geworden, ein "Treffpunkt der gesamten Kreativindustrie".

Dass die Messe von Jahr zu Jahr wächst, hat sie vor allem dem Interesse aus dem Ausland zu verdanken: Mehr als 100 Ausstellerländer sind vertreten - und Fachbesucher aus über 140 Nationen. Inzwischen kommt das Ausland auf einen Anteil von 67 Prozent aller Aussteller. Die 286.000 Messebesucher aus dem vergangenen Jahr dürften 2018 übertroffen werden. Rund 3700 Veranstaltungen sorgen für einen ungebremsten Besucherstrom. Die Filmwirtschaft ist ebenso vertreten wie Bildung, Games und Wissenschaft. Und das Herz der Messe ist, wie manche Experten behaupten, sowieso das Agenten-Zentrum. Hier treffen sich rund 800 Literaturagenten aus 33 Ländern und kaufen und verkaufen - nicht nur neue Bücher.

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                                                                                                                   Die Frankfurter Messe bietet längst mehr an als "nur" Bücher

Die Zukunft - Wie geht's weiter mit der Buchbranche?

Das kann keiner so genau sagen. Schaut man sich manche Zahlen und Statistiken an, könnte man zum Kulturpessimisten werden. Dem interessierten Leser sei die Lektüre von "Buch und Buchhandel in Zahlen 2018" (aus dessen Statistiken auch die Zitate stammen) empfohlen, hrsg. vom "Börsenverein des Deutschen Buchhandels". Dort sind viele sinkende Kurven zu entdecken (aber auch ein paar steigende).

Aber - auch diese Frage darf erlaubt sein: Angesichts der vielen, vielen Bücher, die jedes Jahr neu auf den Markt geworfen werden, darf gefragt werden: Wer soll das alles lesen? Und es ist ja auch nicht so, dass die Branche "verkommt". Wer Gutes lesen will, der findet auch genügend gute, anspruchsvolle Lektüre. Man muss sich vielleicht ein wenig mehr mühen als früher. Aber wer Bücher lesen will, der kann das auch in Zukunft tun.

10.10.2018
Plastikfreie Kreuzfahrt: Bald auch mit Tui Cruises
Hurtigruten macht es schon, Royal Caribbean und Carnival haben es angekündigt: Sie wollen Plastik von ihren Kreuzfahrtschiffen verbannen. Jetzt zieht auch Tui Cruises nach und will auf Einwegprodukte verzichten.
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Bis zum Jahr 2050 könnte es mehr Plastik als Fische im Ozean geben. Mit dieser Begründung, die die Ausmaße des Plastikproblems weltweit drastisch veranschaulicht, kündigte Hurtigruten seinen Verzicht auf Plastik ab Juli 2018 im Mai an. Jetzt folgt auch Tui Cruises dem Beispiel der norwegischen Reederei.
„Mein Schiff“-Flotte soll auf Plastikprodukte verzichten
Die „Mein Schiff“-Flotte soll plastikfrei werden, allerding erst bis Ende 2020. Mit dieser Ankündigung schließt sich die Reederei einer Reihe anderer Kreuzfahrtunternehmen an, die in Zukunft ebenfalls auf Plastik verzichten wollen. 

Bis in zwei Jahren will Tui Plastikprodukte und verzichtbare Einwegartikel auf seinen aktuell sechs Schiffen durch nachhaltige Alternativen aus natürlichen Rohstoffen ersetzen.

Statt Plastikbeutel für die Wäscheabgabe soll es einen aus biobasiertem Kunststoff geben, Cocktailspieße und -rührer aus Plastik sollen gegen solche aus Holz ausgetauscht werden. Die Frottee-Slipper für den Weg zum Pool kommen zukünftig in die Tasche des Bademantels, statt in einer Plastikverpackung zu stecken.

Tui Cruises bezeichnet sich als umweltfreundlichste Kreuzfahrtflotte
Die Innenbeschichtung und Deckel von Coffee-to-go-Bechern werden aus biobasiertem und nicht mehr aus erdölbasiertem Kunststoff sein. Obwohl Hurtigruten Tui Cruises mit seinem Plastikverbot zuvorkam, sagt die Reederei von sich selbst, sie habe „schon heute die modernste und umweltfreundlichste Kreuzfahrtflotte weltweit“. 

„Mit dem Programm gehen wir im Bereich Abfallmanagement noch einen Schritt weiter und werden systematisch Plastikabfall reduzieren“, sagt Wybcke Meier, Geschäftsführerin von Tui Cruises. 

Bereits jetzt verzichtet die Reederei auf ihren Schiffen auf Plastikflaschen in den Kabinen und stellt ihren Gästen Glasflaschen und Wasserspender zur Verfügung. Spender in den Duschen der Kabinen ersetzen Shampoo- und Duschgelflaschen. 

Quelle
09.10.2018
Weltklimarat: 1,5-Grad-Ziel nur mit enormen Anstrengungen noch möglich

Kann die Erderwärmung auf 1,5 Grad begrenzt werden? Wie wäre das möglich? Welche Vorteile hätte das? Diesen Fragen ging der Weltklimarat (IPCC) im Auftrag der Regierungen nach und stellte jetzt seinen Sonderbericht vor.

Erde

Vor allem durch den Ausstoß von CO2 hat sich die Erdtemperatur seit Beginn der Industrialisierung (circa 1870) um rund ein Grad erwärmt; die Folgen sind bereits heute sichtbar, so jedenfalls lautet eine Kernaussage des aktuellen Sonderberichts zur globalen Erwärmung, der jetzt in Südkorea vorgestellt wurde.

"Wir sehen bereits die Auswirkungen von einem Grad globaler Erwärmung durch extremeres Wetter, steigenden Meeresspiegel und abnehmendes arktisches Meereis", sagte Panmao Zhai, Co-Vorsitzender des Weltklimarates (IPCC), bei der Vorstellung in Incheon.

Der Bericht wurde weltweit mit großer Spannung erwartet. 195 Staaten haben das Pariser Klimaabkommen unterzeichnet. Das Abkommen sieht vor, dass der Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter auf deutlich unter zwei Grad begrenzt werden soll, möglichst auf 1,5 Grad.

91 Wissenschaftler aus 40 Ländern gingen in dem Sonderbericht jetzt der Frage nach, wie das vereinbarte 1,5 Grad-Ziel noch zu erreichen ist und welche Bedeutung der Unterschied zwischen 1,5 und zwei Grad für die Menschheit überhaupt hat.

Die Wissenschaftler werteten dafür alle verfügbaren Studien aus und bewerteten diese in einem strengen wissenschaftlichen Verfahren. 42.001 Kommentare von fast tausend Begutachtern flossen in die Bewertung ein. Der nun auch von 195 Staaten gebilligte UN-Bericht hat somit ein besonderes Gewicht.

Jedes Zehntel Grad zählt 

Der Bericht hebt eine Reihe von Schäden und Katastrophen hervor, die durch die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad vermieden werden könnten.

So wäre zum Beispiel der Anstieg des globalen Meeresspiegels bis zum Jahr 2100 bei einer globalen Erwärmung von 1,5 Grad im Vergleich zu zwei Grad um 10 cm niedriger und die Wahrscheinlichkeit eines meereisfreien Arktischen Ozeans im Sommer läge dann bei einmal pro Jahrhundert. Bei einer globalen Erwärmung von zwei Grad gäbe es dagegen dann einen meereisfreien Arktischen Ozean schon mindestens einmal pro Dekade. Darüber hinaus wären alle Korallenriffe der Welt bei einer Zwei-Grad-Erwärmung verloren.

"Jede zusätzliche Erwärmung ist wichtig. Das Risiko von lang anhaltenden oder irreversiblen Veränderungen steigt vor allem über 1,5 Grad, wie der Verlust einiger Ökosysteme", sagt Mitautor Hans-Otto Pörtner vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung.

Die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad würde negative Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und das Wohlergehen verringern und dem Ökosystem mehr Spielraum zur Anpassung geben. Zu den beträchtlichen Risiken zählen laut Bericht Extremwetter mit Hochwasser, Stürmen, Dürren, Hitzewellen, Überschwemmungen an Küsten und der Verlust von Fischfang und Ernteerträgen.

1,5 Grad nur mit erheblichen Veränderungen erreichbar

Laut Bericht ist die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad machbar. "Nach den Gesetzen der Chemie und Physik ist dies möglich", sagt Mitautorin Jim Skea. Dies würde aber beispiellose Änderungen erfordern, "schnelle und weitreichende" Veränderungen in allen Lebensbereichen, lautet ein Fazit im IPCC-Bericht.

"Die gute Nachricht ist, dass einige notwendige Maßnahmen bereits auf der ganzen Welt im Gange sind. Diese müssten aber beschleunigt werden", betont Mitautorin Valerie Masson-Delmotte, Expertin für Klimaphysik.

Die vom Menschen verursachten CO2-Emissionen müssten für dieses Ziel bis 2030 um etwa 45 Prozent gegenüber dem Stand von 2010 gesenkt werden und bis zum Jahr 2050 in der Summe auf Null. Das bedeutet zugleich, dass alle Emissionen darüber durch Techniken der CO2-Entfernung kompensiert werden müssten.

Quelle

08.10.2018
Frankfurter Buchmesse: Georgien, ein Land im Umbruch
Gastland der großen Frankfurter Buchmesse ist in diesem Jahr die kleine Kaukasus-Republik Georgien. Offen und ehrlich will sie auf sich, ihre wechselvolle Geschichte und natürlich auf ihre Literatur aufmerksam machen.

Die geographische Nähe zum Orient - in Tiflis ist sie kaum wahrnehmbar. Tatsächlich ist Georgiens Hauptstadt eine europäische Metropole, vital und von eigentümlicher Schönheit. An beiden Seiten des Flusses Mtkvari hat sie sich im Laufe der Jahrhunderte ausgebreitet, über Terrassen die Hügel und Hänge hinauf. Darüber thront die wuchtige Festung Nariqala. Kaufleute, Banker und weitgereiste Handwerker haben das Stadtzentrum im 19. Jahrhundert in eine Bürgerstadt umgebaut, mit breiten Straßenzügen und üppigen Stadtresidenzen. Die Altstadt aber durchziehen bis heute kopfsteingepflasterte Gassen. Baugerüste überall. Die typischen, kunstvoll verzierten Balkonhäuser werden nachhaltig restauriert. Tiflis entsorgt den bröckelnden Schmutz der Sowjetzeit.

Unruhige Vergangenheit

Davit Gabunia, vielfach ausgezeichneter georgischer Dramatiker und Kritiker, verfolgt die Veränderungen der Stadt, des Landes und seiner Bewohner aufmerksam. Wohin steuert die junge Republik - nach Jahrzehnten sowjetischer Okkupation? Und wie geht sie mit ihrer Vergangenheit um?

"Ich denke", sagt Gabunia, "dass wir noch über mehrere Jahre Stabilität und Frieden und wirtschaftlichen Aufschwung erleben müssen, bevor wir anfangen, uns mit unserer Vergangenheit zu beschäftigen."

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Viele Georgier halten eine militärische Ausbildung für wichtig - sie erinnern sich noch gut an die russischen Panzer, die 2008 wegen des Krieges mit der abtrünnigen Provinz Süd-Ossetien bis nach Tiflis vorgedrungen waren.

Die Vergangenheit Georgiens, das sind Jahrhunderte der Fremdherrschaft, der Ausbeutung und Unterdrückung. Die Vergangenheit, das sind Stalins Unrechtssystem, sowjetische Propaganda und schließlich die schwere Zeit nach der Unabhängigkeit 1991: instabile Machtverhältnisse, eine am Boden liegende Wirtschaft, Korruption und Gewalt sowie der Kampf um die abtrünnigen Teilrepubliken Abchasien und Südossetien.

Diese überhitzte und dauerhaft angespannte politische Situation, sagt Davit Gabunia, habe die Menschen so sehr beschäftigt, dass sich niemand in Ruhe mit der Vergangenheit auseinandersetze. "Obwohl dort doch die Wurzeln aller Probleme zu finden sind."

Davit Gabunia: "Farben der Nacht" - Kammerspiel vor brisanter Kulisse

Eben deshalb ist die Literatur Georgiens so aufschlussreich. Denn sie schweift durch das kleine Land und seine Geschichte, erzählt von den Menschen und blickt unerschrocken in Abgründe und auf Umbrüche.

"Farben der Nacht" lautet der Titel von Davit Gabunias erstem Roman, der kürzlich auf Deutsch erschienen ist: ein geschickt gebautes Kammerspiel, ein Krimi - und eine Momentaufnahme der georgischen Gesellschaft, in der Homosexualität tabuisiert wird, der Machismo weit verbreitet ist und jeder sich selbst am nächsten zu sein scheint.

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Typischer Hof eines Hauses in Tiflis

Im Haus gegenüber ist ein Mann umgebracht worden. Surab hat das gesehen, aus seiner Wohnung. Denn jede Nacht hat er auf dem Balkon gestanden und geguckt, auf den neuen Nachbarn und dessen älteren Liebhaber. Nun ist der hübsche Junge tot. Und Surab handelt. Er will endlich wieder einen Job und weiß auch schon, wie er den bekommen kann.

Davit Gabunia hat dieses Drama im Spätsommer des Jahres 2012 verortet; die damaligen politischen Ereignisse dienen ihm dabei als Kulisse: Im Oktober 2012 sollen Parlamentswahlen stattfinden. Viele Georgier sind unzufrieden mit dem zunehmend autoritären Regierungsstil des amtierenden Präsidenten Michail Saakaschwili, dennoch sehen ihn Umfragen noch im Sommer als klaren Wahlsieger.

Aufbegehren und Aufbruch

Dann kursieren in den Medien Videos, die belegen, dass in Georgiens Gefängnissen gefoltert wird. Zehntausende gehen auf die Straße. Das Land droht zu explodieren.

Am 1. Oktober der Machtwechsel. Der Oligarch und Milliardär Bidsina Iwanischwili wird Premierminister, er bekräftigt einen pro-westlichen Kurs. Ein Jahr später tritt er freiwillig zurück, einflussreich ist er bis heute. Seine Residenz: ein Glaspalast hoch über Tiflis, entworfen von dem japanischen Stararchitekten Shin Takamatsu.

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Zentrum der Macht - Georgiens Präsidentenpalast

Die georgische Kultur, sagt Davit Dabunia, sei eine Kultur der Extreme. Er aber mag keine Extreme. Deshalb sind seine Protagonisten ganz normale Menschen. Die aber katapultiert er in Ausnahmesituationen und beobachtet, was dann mit ihnen geschieht. Unbedingt lesenswert!

Kaum etwas deutet im Stadtbild von Tiflis auf die Eruptionen der jüngsten Vergangenheit hin. Das Gesamtkunstwerk ist höchst lebendig und ständig in Bewegung. Monotonie herrscht eher in den Außenbezirken.

Nana Ekvtimishvili: "Das Birnenfeld" - Gewalt sät Gewalt

Nana Ekvtimishvili ist jenseits der Stadtgrenze aufgewachsen, in einem Dorf bei Tiflis, in direkter Nachbarschaft zu einem Kinderheim - einem Relikt aus Sowjetzeiten. Kinder, die keiner wollte, sind hier aufgewachsen, in bitterer Armut - verdreckt, missbraucht,verroht. "Debile" hat man sie abschätzig genannt und mit Gewalt wiederum Gewalt in ihnen gesät.

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Georgiens Frauen - seit der Unabhängigkeit tragen sie zum Lebensunterhalt bei.

Nana Ekvtimishvili hat als Kind mit diesen Heimkindern gespielt, hat auch gehört, wie sie lachend von dem Ritual im Birnenfeld erzählt haben. Dass Mädchen, die neu ins Heim gekommen waren, dort von anderen Kindern vergewaltigt wurden. Ihre Kindheitserinnerungen hat sie gut 20 Jahre später in einem verstörenden Roman verarbeitet, nachdem sie einstige Spielkameraden zufällig wieder gesehen hat - bettelnd an der Straße.

Starke Frauen

Den Ungeliebten, den Beschädigten hat sie damit eine Stimme gegeben und mit der jungen Leila eine starke Protagonistin geschaffen, die sich zornig gegen all die Erniedrigungen wehrt.

In Westeuropa hat sich Nana Ekvtimishvili bislang vor allem als Filmemacherin einen Namen gemacht. Studiert hat sie in Potsdam, aber die Geschichten, die sie erzählt, spielen in Georgien. Und immer stehen Frauen im Mittelpunkt. Frauen, die zupacken, die Veränderungen wollen. Das Schlimmste und Tückischste, was die Sowjetunion hinterlassen habe, sagt Nana Ekvtimishvili, sei, dass die Leute nicht analysierten: "Dass die Menschen nicht gelernt haben, sich mit der Realität auseinanderzusetzen, und nicht glauben, sie könnten was ändern. Weil die Leute nicht gelernt haben, mit eigenen Händen etwas zu ändern."

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Tiflis - eine muntere Mischung aus alter und moderner Architektur

Archil Kikodze: "Der Südelefant" - Geschichte einer Identitätskrise

Was bringt die Zukunft? Und haben alle in ihr Platz? Der Schriftsteller, Fotograf, Schauspieler und Reiseführer Archil Kikodze ist viel im Land und immer wieder in Tiflis unterwegs. Ein Wanderer zwischen den Welten, ein nachdenklicher Beobachter. Sein Roman "Der Südelefant", in Georgien bereits mehrfach ausgezeichnet und nun ins Deutsche übertragen, führt den Ich-Erzähler einen Tag lang durch Tiflis und in zahlreichen Rückblenden bis in die 1920er Jahre zurück. Die Geschichte einer Identitätskrise erzählt Archil Kikodze, voller ethischer Konflikte und Fragen nach dem richtigen oder falschen Leben, nach Wahrheit und Wahrhaftigkeit.

Die Zeit, in der Georgien Teil der Sowjetunion war, sagt er, habe die Gesellschaft beschädigt. Spuren hat sie in wohl jeder Familiengeschichte hinterlassen. Deshalb ist sein Protagonist so, wie er ist, Sohn eines korrupten Bosses der sowjetischen Schattenwirtschaft und einer bildungsbürgerlichen Georgierin. "Ich habe ihm dieses schwere Erbe gegeben, das er sein ganzes Leben lang tragen und mit dem er kämpfen muss," erklärt Archil Kikodze.

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Drei von zahlreichen lesenswerten Romanen aus Georgien

Mit Macht nach Westen

"Der Südelefant", sagt er, das sei die Geschichte seiner Generation. Einmal, nach einer Lesung, sei ein junges Mädchen zu ihm gekommen und habe sich bedankt. Nun verstehe sie, warum ihr Onkel so viel trinke. Und warum ihr Nachbar so ist, wie er ist. Wenn es friedlich bleibe in Georgien, sagt Archil Kikodze, dann werde sich die Gesellschaft Schritt für Schritt entwickeln. Die jungen Menschen seien schon anders, offener, bunter, freier. "Aber meine Generation hat viele Komplexe, die wir unser ganzes Leben lang mit uns rumtragen."

Heute strebt Georgien mit Macht nach Westen. Englisch hat Russisch als erste Fremdsprache abgelöst, in die EU kann man ohne Visum reisen. Georgien, ein Land im Umbruch. Seine Literatur - eine Entdeckung!

Lichtung und Wahrheit

Eine Skulptur aus Licht und Schatten: Der japanische Stararchitekt Kengo Kuma setzt einen bayrischen Fichtenhain auf die Weltkarte der Gegenwartsarchitektur.

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Etwas von einem Knistern liegt schon Stunden vorher in der Luft. Der Himmel über dem „Kranzbach“ war eben noch weiß und blau und strahlend, aber plötzlich schiebt sich ein grauer Wolkenteppich vor die Sonne und wirft ein paar pathetische Tropfen ab. Sollte es ausgerechnet dann regnen, wenn Kengo Kuma aus dem Vielfliegerhimmel der Superarchitekten herabsteigt und zum ersten Mal den fertigen Pavillon, sein erstes permanentes Gebäude in Deutschland, sehen wird? Noch steckt er im Verkehr, zwei Stunden sind es vom Münchner Flughafen ins Wettersteingebirge, in dem vor drei Jahren unter Ausschluss einer Gegenöffentlichkeit der G-7-Gipfel stattfand, von dem nur sonnige Bilder eines tiefenentspannten Obamas und einer heiter gestikulierenden Merkel auf der Gartenbank geblieben sind.

Der Japaner Kengo Kuma ist seit Eröffnung des von ihm entworfenen Victoria & Albert Museums in Dundee vor wenigen Wochen auch architekturfernen Menschen ein Begriff. Der fast hundert Millionen Euro teure Betonlamellenbau hat die schottische Hafenstadt über Nacht auf die Must-see-Listen des Easyjetsets gespült, ein Bilbao-Effekt wäre den Schotten in diesen düsteren Zeiten sehr willkommen.

Ein Platz absoluter Ruhe

Ein Ziel für die Massen wird der kleine Pavillon nicht werden, obwohl es nur drei Gehminuten von der Rezeption des Hotel „Kranzbach“ bis hinauf in den Wald sind. Sein Zweck ist ein ganz anderer. Bauherr Jakob Edinger wollte einen Rückzugsort schaffen, einen „Platz absoluter Ruhe“, wie er sagt. Ruheplätze hat das Hotel zwar schon ziemlich viele: Behandlungsräume im Spa, Ruheliegen vor dem Badehaus, Liegestühle auf den Balkonen, aber ganz allein ist man im Hotel nie. Die Auslastung ist nicht zu beklagen. Die Gäste schätzen die hervorragende Lage im Tal – im Gegensatz zu Schloss Elmau (ein Stern mehr, gefühlt doppelt so teuer), das nur ein paar Kurven weiter liegt, stehen die Berge hier entfernter, weshalb es auch nachmittags sonnig ist, wenn man über die Sumpfwiesen streift, Knabenkraut sucht und Ochsenaugen findet. Man kann stundenlang wandern, zum Ferchensee oder zum Schachenschloss, zu dem sich Ludwig II. tragen ließ, um im Türkischen Saal Sultan zu spielen, oder bis tief in die beeindruckende Partnachklamm, in de man sich dann durch achtzig Meter hohe Felswände schlängelt.

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Man muss das Hotel aber auch gar nicht verlassen. „Kranzbach“-Gäste lieben die Küche, das Yoga, die Morgenwanderung mit der Frau Doktor, das Saftzimmer, in dem jeder seinen eigenen Frühstücks-Smoothie fabrizieren kann, und die Tatsache, dass hier garantiert kein Kind herumschreit; sie kommen wegen der vielen Saunen und wegen der Zimmer für Hundebesitzer. Jetzt herrscht, bei aller Ruhe, ordentlich Betrieb. Aber es gibt ja noch diesen Platz in dem kleinen Wald aus Fichten und Buchen, dort, wo schon das Baumhaus steht. Links von der Auffahrt zum historischen Mary-Portman-Haus. Edingers Sohn, selbst Architekt, der den modernen, eleganten Anbau zum alten Schloss entworfen hat, schlug vor, hier Kengo Kuma etwas bauen zu lassen. Eine japanische Mitarbeiterin seines Architekturbüros schrieb daraufhin einen höflichen kurzen Brief in Kumas Muttersprache. Und Kuma kam und sah sich den abgelegenen Ort an.

Lob an die lokalen Handwerker

Jakob Edingers einzige Bitte an den Architekten, der gerade das Olympiastadion für die Spiele 2020 in Tokio baut, sei gewesen, „kein normales Gebäude zu schaffen, sondern eher über eine Kapelle, einen Tempel nachzudenken – ohne die Natur zu dominieren“. Herausgekommen ist eine Art geometrischer Pfifferling, eine Skulptur aus Licht und Schatten, die sich hinter Stämmen verbirgt – je nachdem wie das Licht gerade fällt, sieht man sie oder auch nicht. Im Inneren des Pavillons könnte man diesen für einen Holzstapel halten, der gerade zum Himmel auffährt, von oben sieht das filigrane Haus wirklich wie eine Kapelle aus, was vermutlich am Zinnblechdach liegt.

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Edinger lobt am Abend der Eröffnung ausführlich das Geschick der Handwerker, alles Familienbetriebe aus der Gegend, die sich auf dieses komplexe Kunstwerk eingelassen haben. Wie Puzzleteile mussten weit über 1500 Weißtannen-Schindeln zusammengesteckt werden, aber es hat sich gelohnt: Man sieht kein Astloch, das helle, weiche Holz der Weißtanne hat derzeit noch die Farbe von Pfifferlingen, die man bei trockenem Wetter im Laub findet, da, wo kaum Licht hinkommt. Das Gebäude ist nach drei Seiten bodentief verglast und verschmilzt tatsächlich mit der Umgebung, mit den Farnen, die ihre Schatten ins Innere auf die warmen Eichendielen werfen, mit dem Laub, das heranweht. Kein Gefälle, keine Kante, keine Stufe trennt es vom Terrain außen. Die Scheiben sind blitzsauber und also unsichtbar – das Moos auf dem abgestorbenen Ast und die Stämme da draußen direkt vor unseren Nasen wirken wie in einer Vitrine, einzelne Spätsommersonnenstrahlen beleuchten sie wie wertvolles Geschmeide. Eine mit Tatami-Matten ausgelegte Teelounge ist ebenfalls in dem 160 Quadratmeter großen Gebäude untergebracht.

Weißtanne ist nicht laut

Das Verschmelzen mit der Umgebung ist gut gelungen, die Spuren der Bauarbeiten verschwunden – wenn man bedenkt, dass sich ein Meeresriff in Jahrzehnten nicht erholt, wenn Bungalows über ihm errichtet werden, ist es erstaunlich, dass keine Kollateralschäden zu sehen sind. Die wenigen Bäume, die gefällt werden mussten, wurden im Winter über eine dicke Schneedecke vom Pferd abtransportiert, so dass möglichst wenig Natur in Mitleidenschaft gezogen wurde, sagt die Architektin Barbara Poberschnigg aus Innsbruck, die Kumas Entwurf umgesetzt hat. Später wird die Weißtanne grau, silbrig, erzählt sie. Es sei ein wunderbares Holz, sagt Edinger, „es ist nicht laut – das passt gut zu unserer Vision von Rückzug“.

Kuma-san kam bei Regen an, der aber sofort nachließ. „Ich mag Regen“, sagt der 64-Jährige. Die traditionelle japanische Architektur sperrt sein Geräusch und seinen Geruch nicht aus, sondern macht ihn zu einem Spektakel. Wenn man im Engawa sitzt, dem Raum zwischen dem Innen und Außen, der mit Schiebetüren dem Haus oder dem Außen zugeschlagen werden kann, wirkt das Haus wie ein Erlebnisverstärker der Natur. Das ist es auch hier. „Der Pavillon ist selbst eine Art Engawa“, Menschen könnten darin die Natur spüren, but in an intimate way,

Kollektive Waldeslust

Damit ist der Pavillon auch Teil einer neuen kollektiven Waldeslust: Am Wald entzünden sich nicht erst seit der Räumung des Hambacher Forsts große Diskussionen: Welchen Wald wollen wir? Gemischt und wenn ja, wie viel Buche? Sind Douglasien die Lösung? Wem gehört der Wald überhaupt? Gleichzeitig eröffnen überall Baumhotels und Baumwipfelpfade, Förster werden zu Kuratoren von Waldwelten, Bildbände schwer wie Buchenscheite beschwören die neue „Waldsehnsucht“. In diesen Waldweltenbüchern wird viel gespürt und entdeckt und so lange belichtet, bis die kahlen Stämme so geföhnt und düster aussehen, als stünden sie in den Harry-Potter-Filmstudios.

Christine Müller, die Allgemeinmedizinerin, die sich im „Kranzbach“ um das rekreative Wohl der Gäste kümmert, hat eine zurückhaltende Sicht auf das neue Wald-Tamtam. Es scheine ihr, dass es langsam etwas viel wird, was dem Wald alles ein- und zugeschrieben werde. „Zu viel Event“, sagt sie und führt eine Gruppe Journalisten ins Meditationshaus, das jetzt wie eine Höhle wirkt, um ihnen den Unterschied zwischen Waldbaden und Meditieren zu erklären. Als alle nach etwa zwanzig Minuten eine schmerzfreie Sitzposition gefunden haben, versucht man, sich zehn Minuten lang auf das Nichtsdenken zu konzentrieren.

Müller schlägt den schützenscheibengroßen Gong, das einzige Mobiliar im Raum. Danach wissen auch die Innereien der Teilnehmer, dass jetzt meditiert wird. Eine Teilnehmerin ertappt sich dabei, wie sie einem fallenden Blatt hinterhersieht – es sah zu schön aus, und zuerst war gar nicht klar, ob es sich nicht doch um einen Schmetterling handelte.

Das, erklärt Müller später, sei „Waldbaden“. Jenes „Shinrinyoku“, das im Japan der Achtziger Jahre als Therapie für Großstadtmenschen entdeckt wurde und seither vom Gesundheitswesen gefördert wird. Moos beschnuppern, auf die Stämme starren und auf keinen Fall das Mobiltelefon benutzen. Das Einatmen der ätherischen Öle der Waldesluft stärkt das Immunsystem, hilft gegen Angstzustände, Depression und allerlei Leiden mehr. Beim Meditieren hingegen soll der Blick nach innen gehen. Harte Aufgabe in dieser Umgebung. Mit einem Pling, diesmal von einer nur faustgroßen Klangschale, holt die Frau Doktor alle wieder zurück in den Raum.

Himmelfahrt des Holzstapel

Kein zweidimensionales Bild vermag die Räumlichkeit dieser mit Holzbrettern hingehauchte Höhle zu beschreiben, in der außen innen und innen außen ist. Kann schon sein, dass es auch andere Orte gibt, an denen man allein sein kann mit dem Wald – aber hier gibt es eine Fußbodenheizung, und nirgendwo kommen das Alpine und das Fernöstliche so gut zusammen wie hier. Kuma erinnert sich mit jungenhaftem Schaudern an traditionelle Zen-Meditationen, „da bekam man einen Schlag, wenn man unkonzentriert war“. Mittlerweile habe in Japan keiner mehr Zeit für Meditation – er selbst komme auch nur im Flugzeug dazu.

In seinem kleinen Waldzauberwerk muss man aber nicht meditieren. Man darf, wenn das Sonnenlicht mit milder Spätsommerenergie durch die Stämme der Fichten dringt und die Flechten feucht glitzern und ein Wind aufkommt und ein Schatten durchs Unterholz wandert, das nach dem Regen intensiver nach Wald riecht, auch nur dasitzen und den Wald bewundern und sich so fühlen, als sei man im Inneren eines Baumes, als sei man selber einer.

Quelle

05.10.2018
Teleskope Kepler und Hubble entdecken ersten Exomond

Astronomen haben erstmals einen Mond außerhalb unseres Sonnensystems entdeckt. Exomonde sind eigentlich zu klein, um von der Erde aus erkannt zu werden. Doch der jetzt gefundene Mond ist riesig – so groß wie Neptun.

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Astronomen war es bislang noch nie gelungen, einen Mond außerhalb unseres Sonnensystems ausfindig zu machen – bis jetzt. Die Astronomen Alex Teachey und David Kipping von der Columbia-Universität in New York entdeckten mit Hilfe des Hubble-Teleskops Hinweise auf einen Mond rund 8000 Lichtjahre von uns entfernt. Sie stellen ihre Messungen im Fachblatt "Science Advances" vor. 

Rund 200 Monde sind in unserem Sonnensystem bisher katalogisiert - außerhalb davon kein einziger. Sollte sich die Beobachtung bestätigen, wäre es der erste nachgewiesene Mond außerhalb unseres Sonnensystems.

Mehr zur Suche nach Exoplaneten: NASA-Weltraumteleskop TESS soll Exoplaneten finden

Die Abschattung verrät Planet und Mond

Die beiden Forscher hatten mit dem Hubble-Weltraumteleskop den Stern Kepler-1625 im Sternbild des Schwan ins Visier genommen. Dort hatte die US-Weltraumbehörde NASA bereits zuvor mit Hilfe des Weltraumteleskops Kepler den Planeten Kepler-1625b entdeckt.

Dieser Planet zieht auf seiner Bahn, von der Erde aus gesehen, regelmäßig vor seinem Heimatstern vorbei. Dabei schattet er den Stern etwas ab. Diese Abschattung misst Kepler als Lichtkurve.

Aus den Beobachtungen wussten die Forscher, dass der Planet ungefähr in derselben Entfernung um seinen Stern kreist wie unsere Erde um die Sonne. Allerdings ist er ein Gasplanet, der vermutlich mehrere Male so viel Masse hat wie der Jupiter, der größte Planet unseres Sonnensystems.

In den Daten zeigten sich verdächtige Anomalien. "Wir haben kleine Abweichungen und Schwankungen in der Lichtkurve gesehen, die uns aufmerksam machten", sagte Kipping. Diese Anomalien untersuchten die beiden Forscher mit dem älteren Weltraumteleskop Hubble daraufhin etwas genauer. Und die Forscher erhielten so eine viermal genauere Lichtkurve als zuvor. 

Merkwürdige Sonnensysteme: Drei Sonnen für einen Planeten

Zwei Teleskope sehen mehr als eins

Die Weltraumteleskope Kepler und Hubble arbeiten nach unterschiedlichen Prinzipien. Kepler nutzt ein Fotometer um die Helligkeit von bis zu 100.000 Sternen gleichzeitig zu verfolgen und so Exoplaneten zu identifizieren. Hubble ist dagegen ein klassisches Spiegelteleskop, welches das elektromagnetische Spektrum von infrarotem bis ultraviolettem Licht abdeckt und sich besser auf einen beobachteten Bereich fokussieren lässt.

Bei den Beobachtungen mit Hubble begann der Transit des Planeten rund 78 Minuten

früher als erwartet. Die Abweichung lässt sich durch einen Mond oder auch durch einen anderen Planeten erklären. Einen weiteren Planeten konnten die Astronomen bislang jedoch nicht entdecken.

Außerdem bemerkten die Forscher etwa 3,5 Stunden nach dem Transit des Planeten eine weitere Abschattung des Sterns. Sie passt zum Transit eines Monds, "der dem Planeten hinterherläuft wie ein Hund an der Leine seinem Besitzer," wie Kipping es beschreibt.

Der Exomond hätte demnach etwa 1,5 Prozent der Masse seines Planeten, was dem Verhältnis von unserer Erde zu ihrem Mond ähnelt. Da der Planet aber größer ist als Jupiter, hätte sein Mond in etwa die Masse des Planeten Neptun - und wäre ebenfalls aus Gas.

Quelle

04.10.2018
Beim Teutates! 50 Jahre Asterix in Deutschland
1968 erschien der erste Asterix-Band "Asterix der Gallier" in Deutschland. Schnell hatte der kleine gallische Krieger ganz Germanien erobert. Zum Jubiläum kommt der erste Band nochmals heraus.
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                                                      Der Druide Miraculix bei der Zubereitung des Zaubertrank
Dabei hilft den Dorfbewohnern ein geheimnisvoller Zaubertrank, der ihnen übermenschliche Kräfte verleiht. Die Römer wollen das Rezept herausfinden, entführen den Druiden Miraculix und wollen ihm mittels Kitzel-Folter das Geheimnis entlocken. Asterix schleicht sich in das Lager, wird erwischt und ebenfalls gefoltert. Daraufhin gibt Miraculix sein Geheimnis preis. Glauben die Römer. Doch der Zaubertrank, den sie da trinken, verleiht keine Riesenkräfte, sondern löst ein Chaos im Lager aus…
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                                                             In späteren Heften wird Obelix das Wildschwein am Stück verzehren

in Prototyp

Vergleicht man den Originalband mit den Nachfolgeheften, fällt sofort auf, dass Zeichner Albert Uderzo damals offenbar noch in der Findungsphase seiner Figuren steckte. Das Heft wirkt wie ein Prototyp: Die Figuren sind noch etwas hölzern gezeichnet, Obelix trägt einen krumm und schief geformten Hinkelstein, der Druide wohnt in einer Waldhöhle und nicht im Dorf. Der Barde Troubadix, der traditionell am Ende geknebelt in einem Baum hängt, sitzt mit am Tisch - und Obelix ist nach einem Wildschwein satt.

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                                                                                              René Goscinny und Albert Uderzo beim Signieren

Großer Output bis Goscinnys Tod
In Frankreich waren die Asterixhefte schon seit 1961 auf dem Markt, jährlich erschienen ein bis drei Exemplare. Ab 1968 zog Deutschland nach. Weniger wurde es erst in den 1980er-Jahren: René Goscinny, der schreibende Partner von Uderzo war 1977 verstorben. Uderzo machte alleine weiter. Doch die Asterix-Fans vermissten Goscinnys Humor und Wortwitz. Dennoch war jede Veröffentlichung eines neuen Bandes eine große Sache, verbunden mit ordentlichem Marketingaufwand und Spannung: Der Inhalt eines neuen Asterixheftes wird bis zur Veröffentlichung geheim gehalten.
Neue Autoren - neuer Erfolg
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                                                                                Szene aus Asterix in Italien

Anfang der 2000er zog sich auch Uderzo zurück; sein letzter Band war "Asterix und Latraviata" (2001) - und eigentlich sollte kein weiteres Asterix-Heft erscheinen. So kamen bis 2013 drei "Spin-Offs" heraus, die nicht wirklich in die Reihe der Asterix-Abenteuer hineinpassten.

Bis sich 2012 zwei neue Autoren an die Geschichten setzten - mit dem ausdrücklichen Segen von Albert Uderzo: Der erste Band von Jean-Yves Ferri und Didier Conrad hieß "Asterix bei den Pikten"und erschien im Oktober 2013. Ein voller Erfolg. Texter Ferri hat den alten Sprachwitz eines Goscinny wieder aufleben lassen, Conrads Zeichnungen tragen bis ins Detail die Handschrift von Uderzo. 2017 ist mit "Asterix in Italien" der 37. Band erschienen, weitere sind bereits angekündigt.

03.10.2018
28 Jahre Deutsche Einheit - Großes Fest in Berlin
"Nur mit Euch " lautet das Motto der Feiern zum 28. Jahrestag der Wiedervereinigung. Doch es wird nicht nur gefeiert - Politiker und Kirchen warnen vor Populismus und fordern einen stärkeren gesellschaftlichen Dialog.
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Die Deutsche Einheit wird immer auch in Berlin begangen, doch dieses Jahr richtet Berlin als Bundesland die zentrale Feier aus, die stets in dem Land stattfindet, das gerade den Bundesratspräsidenten stellt. Zum Auftakt trugen sich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Kanzlerin Angela Merkel, Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble und der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Andreas Voßkuhle im Roten Rathaus ins Goldene Buch Berlins ein.

Im Anschluss fand ein ökumenischer Gottesdienst im Berliner Dom statt. Dabei beklagte der katholische Berliner Erzbischof Heiner Koch "inhaltliche und kommunikative Verhärtungen in unserer Gesellschaft" und "wuterfüllte Empörungen des Populismus". Koch wie auch der evangelische Berliner Bischof Markus Dröge mahnten einen stärkeren Zusammenhalt in Deutschland an.

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"Die Mauer, die uns trennte, ist Geschichte. Dafür entstehen heute an anderer Stelle Fliehkräfte, die unsere Gesellschaft auseinander treiben wollen", sagte Dröge.

Merkel: Einheit ist noch ein langer Weg

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller, der aktuell als Bundesratspräsident amtiert, nannte das Einheitsjubiläum einen fröhlichen Tag, "der uns aber auch gerade in diesen Zeiten mahnt, für unsere Demokratie einzustehen und zu kämpfen".

"Das Wichtigste ist, dass die Gesellschaft mit sich selbst ins Gespräch kommt", sagte Steinmeier bei den Feierlichkeiten. Es gelte, die Gesellschaft zusammenzuhalten. Nach Ansicht von Bundeskanzlerin Angela Merkel ist die Einheit der Deutschen in Ost und West noch lange nicht vollendet. "28 Jahre später wissen wir, dass das, was wir Deutsche Einheit nennen, ein Prozess ist, ein langer Weg", sagte Merkel. Es sei wichtig, "einander zuzuhören, aufeinander zuzugehen, nicht nachzulassen", betonte die Kanzlerin. Dies gelte nicht nur für Politiker, sondern für alle Bürger.

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Der neue Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus sprach sich für eine kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte der Wiedervereinigung aus. Viele Ostdeutsche seien nach 1990 nicht fair behandelt worden - dies sei lange nicht genügend beachtet worden, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Einheitsfest unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen

Anlässlich der Feiern haben rechtsextreme, rechtspopulistische und linke Gruppen verschiedene Demonstrationen angemeldet. Für alle Veranstaltungen wurden strenge Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Die Polizei ist mit rund 4000 Beamten im Einsatz. Teile der Berliner Innenstadt sind abgesperrt, an den Eingängen zum Bürgerfest gibt es strenge Kontrollen. Trotz regnerischen Wetters war es Besuchern zum Beispiel nicht erlaubt, größere Schirme mitzubringen.

Berlin rechnet bei dem dreitägigen Fest mit rund einer Million Besucher. Auf diesem sind alle 16 Bundesländer mit eigenen Ausstellungen vertreten. Neben einer Geschichtsmeile und sportlichen Angebote wartet auf die Besucher auch eine Open-Air-Ausstellung mit Fotos aus der Zeit nach dem Mauerfall. Und wer mag, kann auf dem "Band der Einheit" seine Heimatstadt finden: Auf einer Länge von etwa zweieinhalb Kilometern sind die Ortsschilder aller 11.040 deutschen Städte und Gemeinden auf den Boden geklebt.

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02.10.2018

"Once in a lifetime": Große Ausstellung über Pieter Bruegel in Wien

Über sein Leben ist nicht viel bekannt, doch aus seinen Bildern lässt sich einiges ablesen. Eine Schau in Wien zeigt die Werke des Renaissance-Malers Pieter Bruegel des Älteren und präsentiert neue Forschungsergebnisse.
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Sechs Jahre Vorbereitungszeit - das hat man als Museum nicht oft. "Es war ein seltener Glücksfall", bestätigt auch Sabine Haag, die Generaldirektorin des Kunsthistorischen Museums Wien. Ausgangspunkt für die aktuelle Pieter Bruegel-Ausstellung sei ein Forschungsprojekt gewesen, das 2012 begonnen habe. Die Holztafeln, auf denen der berühmte Renaissance-Künstler gemalt hat, sollten restauriert werden. In der Sammlung des Wiener Museums befinden sich 12 der insgesamt 40 erhaltenen Gemälde von Pieter Bruegel dem Älteren, der um 1522/1530 geboren wurde und 1569 in Brüssel starb.

Neue Erkenntnisse dank technologischer Hilfsmittel

Man begann zunächst damit, die Bildträger zu untersuchen, erzählt Sabine Haag. Dabei kamen verschiedene Technologien zum Einsatz, beispielsweise nutzte man Infrarotfotografie, um Unterzeichnungen unter den Malschichten sichtbar zu machen, oder Röntgenaufnahmen, um den Bildträger - zum Beispiel das bemalte Holz -, die Grundierung und die verwendeten Farbpigmente zu untersuchen. "Es war äußerst spannend zu sehen, wie Bruegel gearbeitet hat: Hat er die Tafel normal grundiert, hat er Vorzeichnungen gemacht, gibt es Änderungen etc.. Die Untersuchungen ergaben etwa, dass unter den Malschichten, weitgehend verborgen, Zeichnungen liegen, die bisher kaum erforscht sind."

Die Restauratoren konnten so den Entstehungsprozess des jeweiligen Bildes nachvollziehen, was nicht nur zu einem bessern Verständnis des Künstlers beiträgt, sondern auch wichtige Erkenntnisse liefert, um Konservierungs- und Restaurierungsfragen präziser angehen zu können.

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Großer Zuspruch für die Ausstellung

Die Ergebnisse waren so zahlreich, dass die Idee einer großen Pieter Bruegel-Schau entstand. Die Resonanz bei den internationalen Leihgebern war groß. "Wir bekommen rund 30 der insgesamt 40 erhaltenen Gemälde, dazu die Hälfte aller erhaltenen Zeichnungen und Druckgrafiken. Insgesamt kommen wir auf rund 90 Arbeiten von Pieter Bruegel in dieser Ausstellung, das ist schon sehr ungewöhnlich. Das haben wir gar nicht zu hoffen gewagt", so Sabine Haag.

Zumal der Transport der Kunstwerke keine einfache Aufgabe ist. "Holztafeln sind normalerweise sehr heikel, sehr fragil. Sie sind beispielsweise sehr anfällig, was Klimaschwankungen und Feuchtigkeitsveränderungen anbelangt. Das muss man immer abwägen: Will man die Holztafeln einem Transport, einer Ortsveränderung aussetzen?“

Das Ergebnis ist eine Ausstellung, in der so viele Bilder von Pieter Bruegel an einer Stelle versammelt sind wie nie zuvor. "Viele der Bilder waren seit über 200 oder 300 Jahren nicht mehr zusammen, obwohl sie ursprünglich vielleicht eine Serie gebildet haben", erklärt Sabine Haag. "Das ist eine 'Once in a Lifetime'-Möglichkeit."

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Digitale Aufarbeitung

Pieter Bruegels Bilder sind sehr detailreich, manch einen erinnern sie an die heutigen Wimmelbilder, die nicht nur Kinder gerne anschauen. Auf der Webseite www.insidebruegel.net, die parallel zur Ausstellung frei zugänglich online geht, gibt es die Möglichkeit, der Welt Pieter Bruegels digital einen Besuch abzustatten. Dort kann man abtauchen in die Bilderwelt des Künstlers und sich auch in einzelne Gemälde hineinzoomen. Was der große Meister wohl dazu gesagt hätte? Möglichkeiten, die für ihn in jeder Hinsicht unvorstellbar gewesen sein müssen.

Die Ausstellung "Bruegel" anlässlich des 450. Todestages von Pieter Bruegel dem Ältern ist vom 2. Oktober 2018 bis zum 19. Januar 2019 im Kunsthistorischen Museum in Wien zu sehen.

01.10.2018
Brandenburger Tor schmückt sich mit Streetart-Installation
Zum Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober verwandelt der bekannte Streetart-Künstler JR das Berliner Wahrzeichen mit einer 25 Meter hohen Fotocollage. Damit soll an die glückliche Zeit des Mauerfalls erinnert werden.
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Wie überall auf der Welt, wo JR mit seinen Fotomontagen tätig wird, arbeitet er mit den Blicken der anderen. Menschen blicken meistens von Wänden, Mauern und Zäunen. Diesmal schauen sie vom Brandenburger Tor herab. Davor sind mit einem gewissen Abstand riesige Figuren, erkennbar als DDR-Grenzpolizisten, postiert. Das wirkt wie ein 3-D-Effekt.
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Der französische Streetart-Künstler JR gestaltet für das dreitägige Bürgerfest zum Tag der Deutschen Einheit in Berlin diese überdimensionale Installation. Als Grundlage dafür diente dem Künstler eines der legendären Fotos aus der Mauerfall-Nacht im November 1989: Feiernde Berliner sitzen und tanzen auf der Mauer – vor ihnen stehen Grenzsoldaten, die sie beobachten.
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Der 35-Jährige Künstler beklebte schon in Rio de Janeiro in Brasilien die Favela Morro da Providencia mit übergroßen Augenpaaren und die Grenzmauer zwischen Israel und Palästina mit riesigen Portraits von Israelis und Palästinensern. JR nennt sich selbst einen engagierten Künstler. Identität, Erinnerung, Exil und Immigration stehen im Mittelpunkt der Arbeit des Franzosen, der zu den Stars der Streetart-Szene gehört. Seine Fotocollagen zieren Wände und Mauern in Liberia, New York, Deutschland, Türkei, Haiti und auf der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa.
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