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21.05.2018

Blick aus der deutschen Provinz nach Ostasien: Der Künstler Julius Bissier

Bissier entdeckte als einer der ersten Deutschen die Abstrakte Kunst. In Freiburg wird sein Werk nun wiederentdeckt. Museumsdirektor Tilmann von Stockhausen über die Gründe für Bissiers Interesse an der Kunst Ostasiens.

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Deutsche Welle: Julius Bissier, ein deutscher Künstler aus der badischen Provinz, der es mit ostasiatisch anmutender Kunst zur Documenta, zur Biennale in Venedig und in die großen amerikanischen Museen schafft. Wie kam es zu dieser überraschenden Künstler-Vita?

Tilmann von Stockhausen: Ja, das mag überraschend klingen. Bissier stammt aus Freiburg, ist hier geboren und aufgewachsen und hat sich hier auch künstlerisch entfaltet. Er hat als Künstler engen Kontakt gehabt zu Ernst Grosse (deutscher Ethnologe und Kunstsammler, Anm. d. Red.). Grosse hat an der Universität in Freiburg damals erste Vorlesungen zur außereuropäischen Kunst gehalten, vor allem auch zur asiatischen Kunst - obwohl er eigentlich Philosoph und Philologe war. Die beiden haben sich kennengelernt und über Grosse hat Julius Bissier eine ganze Reihe von asiatischen Kunstwerken kennengelernt und ist wahrscheinlich dadurch auch sehr stark beeinflusst worden.

…und das reflektieren Sie auch in der Ausstellung?

Wir können das in der Ausstellung nachweisen: Wir stellen der Sammlung asiatischer Kunst von Grosse die Werke Bissiers gegenüber. Das ist wirklich frappierend. Es gibt verblüffende Beziehungen und Ähnlichkeiten der Kunstwerke aus Asien mit denen des Freiburgers Bissier. Diese Werke asiatischer Künstler muss Bissier also gesehen und rezipiert haben.

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Zarte Farben, abstrakte Formen - Anlehnung an ostasiatische Kunst: ein Werk von Julius Bissier

Aber Julius Bissier war nie in Asien!

Das stimmt, er ist selbst nie nach Japan oder nach China gereist. Er ist überhaupt nicht so gerne gereist und hat lieber immer in seinem Atelier gearbeitet - er hat über Grosse die asiatische Kunst rezipiert. Man muss natürlich auch sagen, dass er diese Rezeptionsphase in einer Zeit durchlebt hat, in der das Reisen ohnehin schwierig war. Er hat sich vor allem in der Zeit des Nationalsozialismus mit der asiatischen Kunst befasst.

Er ist in eine Art der inneren Emigration gegangen, er hat Freiburg verlassen und ist an den Bodensee gegangen mit seiner Frau und Familie. Er hat von der Erwerbstätigkeit seiner Frau, die Weberin war, gelebt. Er selbst hat sich tagsüber auf die Musik konzentriert. Nachts hat er künstlerisch in seinem Studio mit abstrakten Kompositionen experimentiert, die sehr stark von der asiatischen Kunst beeinflusst waren. Er hat deswegen auch sehr kleine Formate benutzt, hat auf Papier gearbeitet, weil er immer Angst vor Hausdurchsuchungen hatte, vor der Überprüfung durch die Gestapo. Er war deswegen quasi "in der Dachstube", als er diesen neuen Weg gegangen ist, in einer gefährlichen Situation.

War man ihm direkt auf der Spur?

Wir wissen aus Tagebucheinträgen Bissiers, dass er Angst hatte. Das war schon berechtigt. Während der Willkürherrschaft des Nationalsozialismus musste man immer damit rechnen, dass es zu Verfolgungen und Verhaftungen kommen kann. Das ist ja auch der Grund, warum sich so viele Künstler damals an den Bodensee zurückgezogen haben. Da war die schweizerische Grenze nicht weit, da war immer noch die Hoffnung, dass man in letzter Minute in die Schweiz fliehen kann.

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1962, drei Jahre vor seinem Tod: Bissier bei der Arbeit

Er hat also in der Isolation auch die abstrakte Kunst für sich entdeckt, eigentlich auch ein Ding der Unmöglichkeit während dieser Zeit, dass offiziell zu pflegen! Das kam ja in Deutschland erst später auf. War er da ein Vorreiter?

Bissier hat im Grunde eine Entwicklung vorweggenommen, die in der Zeit nach 1945 einsetzte. Die Entdeckung von Abstraktion wurde von der Kunstrichtung des französischen Informel beeinflusst, aber auch aus der amerikanischen Kunst kam das nach Deutschland. Das wurde damals natürlich auch sehr von der amerikanischen und der französischen Kulturpolitik unterstützt. Bissier hat das vorweggenommen und ist dann später entdeckt worden.

Eine Schlüsselrolle hat dabei der Kunsthistoriker Werner Schmalenbach gespielt, damals Direktor des Kunstvereins Hannover. Schmalenbach hat ihn entdeckt und ihn in einer großen Ausstellung in Hannover präsentiert. Es folgten dann zahlreiche Ausstellungen, vor allem auch in Amerika, in Boston, Detroit, Chicago und Los Angeles. Er ist in den USA enthusiastisch rezipiert worden, so dass er am Ende seiner Karriere, gewissermaßen auch am Ende seines Lebens, große Erfolge genießen konnte und seine abstrakte Welt entdeckt worden ist.

Das heißt, Bissiers Arbeiten sind in Deutschland entdeckt - und dann in den USA mit offenen Armen empfangen worden...

Da haben natürlich die Ausstellungen von Schmalenbach eine große Rolle gespielt. Schmalenbach hatte Kontakte nach Amerika. Durch ihn ist er nach Amerika gekommen. Bissiers Kunst und seine künstlerische Sprache haben den amerikanischen Zeitgeist sehr stark getroffen. Dort war die Abstraktion in der Kunst ja schon sehr viel weiter gediehen. Er war sicherlich derjenige deutsche Künstler, der die Abstraktion am konsequentesten ausgeführt und weiterentwickelt hat.

Hingegen ist er in Ostasien, also in dem Kulturraum, an den er sich mit vielen seiner Werke angelehnt hat, weniger bekannt…

Ja, in China und Japan ist er noch gar nicht rezipiert worden. Deshalb sind wir auch gespannt, ob unsere Ausstellung dort möglicherweise auch Wirkung entfaltet. Das Thema Bissier in Ostasien ist bisher noch niemals so konsequent dargestellt worden in Deutschland.

Aber auch Bissiers erste künstlerische Phase, in der Ölbilder entstanden, die man der Kunstrichtung "Neue Sachlichkeit" zurechnet, verwies ja schon auf asiatische Vorbilder. Wie hat sich das ausgedrückt?

Julius Bissier hat in den 1920er Jahren im Stile der Neuen Sachlichkeit mit einem starken Realismus gemalt. Aber er hat in seinen Werken schon immer erstaunlicherweise Farben verwendet, die irritiert haben. Es gibt zum Beispiel das berühmte Bild "Die Rheinfähre bei Basel", wo grüne und blaue Töne drin sind, die man eigentlich in Europa nicht kannte. Wir haben jetzt in der Ausstellung einige japanische Holzschnitte neben Bissiers Werke gehängt und da kann man erstaunlicherweise schon sehr starke Parallelen erkennen. Da kommen plötzlich die Farben aus dem japanischen Holzschnitt vor, die Bissier in seinen Werken der Neuen Sachlichkeit genutzt hat. Diese ungewöhnliche Farbkombinationen haben damals die Menschen natürlich auch irritiert.

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Ein Beispiel für die erste Werkphase: großes Ölgemälde von Bissier, daneben japanische Holzschnitte

Im Spätwerk hat sich Bissier dann auf einfache Formen konzentriert…

Er hat sich inspirieren lassen von einfachen Gebrauchsgegenständen, man erkennt zum Beispiel auch einige asiatische Kunstgegenstände. Man kann sehr schön sehen, wie er sich manchmal nur von einer Teeschale oder einem anderen einfachen Gegenstand leiten ließ und das dann weiterverarbeitet hat in seinen Formen auf Papier.

Der Weg in die Abstraktion, auch durch die politischen Zeitumstände hervorgerufen, hatte aber auch persönliche Gründe?

Bissier war ein eher introvertierter Mensch und hat allzuviel Geselligkeit gemieden. Ein persönlicher Schicksalsschlag (1935 stirbt sein Sohn Uli im Alter von sechs Jahren, Anm. d. Red.) hat sicherlich eine Rolle gespielt. Bissier ist vor allem in der Intensität seiner Arbeit und der Beschäftigung mit Formen aufgegangen. Das war sein Leben. Die Außenwirksamkeit war etwas, was sich zufällig ergeben hat, das er aber nicht angestrebt hat.

Das Gespräch führte Jochen Kürten.

Die Ausstellung "Im Raum meiner Imagination" ist eine Schau des Freiburger Museums für Neue Kunst in der Halle des Augustinermuseums und ist vom 19.5. bis zum 23.9.2018 geöffnet.

Quelle

 

18.05.2018

Meditieren vor Max Ernst: Was Museen tun, um neue Besucher anzulocken

Asanas und Art Dating: Heutzutage scheint ein Museumsbesuch auch der Selbstoptimierung der Besucher zu dienen. Oder warum kann man neuerdings dort auch Yoga machen und kochen lernen?

Freitagnachmittag im Max Ernst Museum in Brühl. Fünfzehn Besucherinnen sitzen andächtig vor einem Kunstwerk und meditieren. Als ein sanfter Gong ertönt, schleichen sie auf Socken und in Sporthosen durch die Ausstellungsräume. Jede von ihnen trägt ein Kissen unter dem Arm. Nach der Meditation folgt eine Yoga-Einheit in einem Saal im Untergeschoss des Museums. "Kinn parallel zum Boden, Halswirbelsäule entspannen". Caro Mast ist Yoga-Lehrerin. Sie ist an diesem Nachmittag für die Asanas, also für die unterschiedlichen Stellungen des Yogas, zuständig.

Yoga und Max Ernst, das ist eine Verbindung, die manch einen Kunsthistoriker erstaunen mag. Für Caro Mast passen die Kunst des Surrealisten und die indische Körperphilosophie perfekt zusammen.

"Ich habe viele Werke im Museum gesehen, bei denen ich sofort an Asanas denken musste, und deshalb versuchen wir Yoga im Museum als Pilotprojekt zu etablieren."

Teilnehmer des Yoga-Kurses im Max Ernst Museum in Brühl (DW/S. Oelze)

"Krieger I" im Max Ernst Museum üben

Immer mehr Ausstellungshallen verwandeln sich zu Tempeln der Körperertüchtigung. Manche Museen zelebrieren die neue Verbindung allerdings als Event mit viel Tamtam. Wie das Van Gogh Museum in Amsterdam. Dort kamen die Mitarbeiterinnen des Max Ernst Museums erstmals in Verbindung mit dem neuen Trend und hatten die Idee, Yoga auch in Brühl auszuprobieren. "Das war ein großes Happening, es wurde Massage angeboten, es wurde Yoga angeboten, es gab einen DJ." Genau das wollten die Brühler nicht. "Wir suchen die Stille und das Hineinhorchen, und nicht den Rummel, den wir in Amsterdam erlebt haben", sagt Caro Mast. Jede Besucherin soll sich während der Meditation an diesem Nachmittag nur ein Werk von Max Ernst ansehen, eine Zeichnung, ein Gemälde oder eine Skulptur, die einen neuen Blick auch auf den eigenen Körper ermöglicht. 

Konzentration auf das Wesentliche

Museen suchen ständig nach neuen Zauberformeln, um ihre Institutionen für eine breitere Kundschaft zu öffnen. Wie so oft bei neuen Trends: die USA haben die museale Yoga-Bewegung in Gang gesetzt. Vom Museum of Modern Art in New York schwappte die Welle nach Europa und so neben dem Max Ernst Museum auch in zahlreiche andere deutsche Museen.

Klangschale und gemütliche Beleuchtung im Max Ernst Museum (DW/S. Oelze)

Klangschale und gemütliche Beleuchtung zur Einstimmung

Der Galerist Johann König hat neuerdings nicht nur Kunst im Programm. In seiner Berliner Galerie befindet sich auch ein "Souvenir-Shop", in dem er etwa Schlafanzüge im Design der gerade stattfindenden Ausstellung der Malerin Corinne Wasmuth verkauft. Yoga kann der Besucher auch regelmäßig in seiner Galerie trainieren. Andere Museen setzten auf andere Lockangebote: Lange Nächte mit DJs, Führungen für stillende Mütter mit Baby oder auch Kochkurse. Die Münchner Pinakothek der Moderne lädt in ihrer aktuellen Ausstellung "In Klees Zauberküche". Geboten wird ein Kochkurs mit einem bekannten Fernsehkoch, inspiriert von Werken Paul Klees.

Kunst-Vermittlung oder Ausverkauf?

Braucht das Museum eine Frischzellenkur? Kunstvermittlerin Irmgard Schifferdecker im Max Ernst Museum in Brühl meint, ja: "Die tradierten Museumrituale, also schweigend durch das Museum zu laufen, zwei Sekunden vor dem Bild zu stehen und dann weiterzugehen, das ist nicht mehr angesagt", sagt sie.

Das Museum erfindet sich neu. Das sieht nicht jeder positiv. Der Kunsthistoriker Wolfgang Ullrich macht sich Sorgen über den Wandel der Institution. Er hat zu dem Thema, gemeinsam mit der Leiterin der Mannheimer Kunsthalle, Ulrike Lorenz, gerade erst ein Buch veröffentlicht, das fragt: "Was kann, was muss ein Museum?" Der ehemalige Hochschulprofessor fürchtet, dass der Quotendruck den Museen schadet. Ein Massenpublikum anzuziehen, halte es von den eigentlichen Aufgaben ab: sammeln, forschen, bewahren. Es geht nicht so sehr darum zu sagen, ob sich das Museum darüber definiert, ob es Schätze aus der Vergangenheit gut bewahrt, gut erforscht und auch zugänglich macht für die, die sich primär damit beschäftigen wollen. Die primäre Funktion des Museums besteht heutzutage darin, alle Formen von Publikum zu generieren."

Publikum kommt nicht wegen der Kunst

Was ist daran falsch? Statt die Inhalte der Kunst zu vermitteln, kratzten Yoga, Kochkurse oder Modenschauen zwischen Werken von Paul Klee oder Pablo Picasso nur an der Oberfläche, meint Ullrich. "Ich würde sagen, das hilft nicht, weil da wird die Kunst eher als Kulisse genommen, da hat man einen aufregenden Hintergrund, vor dem man Yoga macht oder vor dem man kocht, da kann ich nicht erkennen, wie ein direkter Bezug zwischen Kunstwerken und den Besuchern hergestellt wird, das sind nur Maßnahmen, um die Räume zu füllen."

Wolfgang Ullrich weiß natürlich auch, dass sich das Rad nicht zurückdrehen lässt. Kunst sei aber nicht dazu da, Sozialpolitik zu betreiben. Jedes Haus hätte eine große Verantwortung und sollte gut überlegen, wie es mit dem Druck umgeht. Vermittlung, ja, aber nicht um jeden Preis.

Zwei Teilnehmer des Art Dating vor einer Zeichnung im Lehmbruck Museum (DW/S. Oelze)

Zwei Teilnehmer des "Art Dating" vor einer Zeichnung im Lehmbruck Museum

Warum - so fragt man sich - muss das Museum überhaupt seinem Publikum neue Angebote machen? Reichen die Exponate alleine nicht aus? "Die Smartphone-Generation durchlebt schnelle Bilderfolgen, und man findet immer weniger Ruhepole. Es ist wichtig, dass man das auch aufgreift und sich nicht verschließt." Dennoch dürfe man das Analoge nicht vergessen. Beide Aspekte müssten vertreten sein.

Parship im Museum

Das Lehmbruck Museum in Duisburg lädt einmal im Monat zur "Plastik-Bar", so heißt hier der Abend mit verlängerten Öffnungszeiten und einem besonderen Vermittlungsangebot. Zum vierten Mal lautet das Motto des Abends: "Art Dating". Kunstvermittlerin Sabine Tümmler steht neben einer improvisierten Lostrommel und würfelt die Plastik Bar-Besucher zu Paaren zusammen. Vielleicht klingt das Angebot auf den ersten Blick zu abwegig, zu sehr nach Partnervermittlung. Jedenfalls haben sich nur wenige Gäste an dem regnerischen Abend im Museum eingefunden. Die Spielregel ist einfach: Zwei Menschen, die sich noch nicht kennen, sollen sich gemeinsam ein Kunstwerk ansehen und darüber sprechen.

Wie beim Speed Dating haben die Paare nur zehn Minuten Zeit, sich und das Werk kennenzulernen. Die "Plastik Bar" im Museum ist nicht mehr und nicht weniger als eine improvisierte Theke. Drum herum gibt es ein paar Stehtische, außerdem im Angebot: Bier, Wein, Wasser, Chips.

"Ob man sich hinterher kennenlernt, weiß ich nicht", sagt Sabine Tümmler. "Aber mit jemandem über Kunst zu sprechen, den man nicht kennt, finde ich schon mutig." Das Museum hat sich vom Raum der intellektuellen Auseinandersetzung auch zu einem Raum der Begegnung und der Erholung entwickelt. In Deutschlands Museen wird man noch häufiger Besucher in Sportkleidung antreffen. Alle Teilnehmer des Yoga-Kurses im Max Ernst Museum in Brühl haben sich jedenfalls schon für den nächsten Termin angemeldet.

17.05.2018

Sofa, Kaffee, Zucker - deutsche Worte aus dem Arabischen

Manchen Worten sieht man ihre arabische Herkunft direkt an, anderen dagegen gar nicht. Was es mit Zucker, Sofa und Matratze auf sich hat.

VON ALKOHOL BIS ZUCKER - DEUTSCHE ALLTAGSBEGRIFFE, DIE AUS DEM ARABISCHEN STAMMEN

Manchen Worten sieht man ihre arabische Herkunft direkt an, anderen dagegen gar nicht. Andreas Unger, Buchautor und Altphilologe, erklärt, wie Gegenstände der feineren Lebensart, Wissenschaft und Technik und natürlich die dazugehörigen Begriffe im Mittelalter ihren Weg aus der arabischen Kultur nach Europa fanden - und über Umwege in die deutsche Sprache.

DW: Wie kamen arabische Worte ins Deutsche?

Andreas Unger: Das ist überwiegend im Mittelalter geschehen. Die arabisch-islamische Kultur war der mittelalterlich-europäischen deutlich überlegen.

Über die Kaufleute und die Araber in Spanien und Sizilien haben die Europäer viele Sachen aus Wissenschaft, Technik und vor allem Luxusartikel übernommen - und damit den arabischen Namen, den sie dann europäisiert haben.

Also haben die Europäer zum Beispiel die Matratze übernommen und das Wort dazu?

Es war etwas komplizierter, denn es gab auch Bedeutungsveränderungen. Matrah heißt auf arabisch einfach 'Ort, wohin etwas geworfen wird'. Das waren die arabischen Sitten, Kissen, Teppiche oder Decken wurden auf den Boden oder auf Sitze geworfen. Die arabischen Luxusgegenstände haben die Europäer interessiert, und mittelhochdeutsch "matratz" war ursprünglich auch eine Luxusdecke. Allmählich hat sich im Lauf der Zeit das Unterbett daraus entwickelt und das ist zur heutigen Matratze geworden.

Kamen Worte wie Sofa und Co. direkt aus dem arabischen ins Deutsche?

Die Deutschen haben nicht an arabischsprachige Länder gegrenzt, und haben auf dem Mittelmeer praktische keinen Handel getrieben. Das meiste ist über die Italiener gekommen, aber auch über Spanien mit der arabischen Bevölkerung, über den Handel und die Kaufleute die in Palästina waren und Sachen eingekauft haben, die in Europa interessant waren.

Sind bestimmte Wortgruppen besonders vertreten?

Eine der zwei großen Gruppen ist Wissenschaft. Die Araber hatten die griechische Wissenschaft übernommen, die in Europa um das Jahr 1000 nahezu unbekannt war. Dann wurden die entsprechenden arabischen Bücher ins Lateinische übersetzt, und so sind die entsprechenden Begriffe aus Astronomie, Mathematik, Pharmazie in die europäischen Sprachen gekommen.

Die andere Gruppe sind die Luxusgegenstände: das Sofa war ursprünglich eine Art Ehrensitz, Zucker war ganz wichtig sowie alles, was daraus gemacht wurde: Marzipan und Kandis zum Beispiel, dann Duftstoffe - Jasmin, Orangenblüte -, südfrüchte wie Orangen und Limonen und Musikinstrumente wie Laute, Gitarre und Tamburin.

Gibt es ein Wort, dessen arabische Herkunft Sie besonders überrascht hat?

Benzin!

Manchmal sind die Bedeutungsentwicklungen merkwürdig. Benzin ist abgeleitet von Benzoesäure, diese wird gewonnen aus dem Benzoeharz, das war ursprünglich, wie Weihrauch, ein Duftstoff, der aus Java importiert wurde.

Lange Zeit war es kaum bekannt, dass die europäische Kultur einen gewissen Anteil aus de arabisch-islamischen Kulturwelt übernommen hat und manche Worte einen arabischen Ursprung haben. Im Rahmen der Auseinandersetzung der europäischen mit der arabisch-islamischen Kultur ist es interessant zu wissen, dass die europäische Kultur gewisse Wurzeln in der arabisch-islamischen Kultur hat. Deshalb habe ich das Buch auch geschrieben!

Andreas Unger ist Sprachwissenschaftler und lebt in Berlin. "Von Algebra bis Zucker. Arabische Wörter im Deutschen" ist in erweiterter Zweitauflage 2013 im Reclam Verlag, Leipzig, erschienen.

 

 

 

16.05.2018

Deutsche Kultur - Mythen und Fakten!

Wir sind Kulturnation! Tatsache oder Behauptung? DW Kultur prüft zehn populäre deutsche Kulturmythen im Licht von Zahlen und Daten. Keine ganz leichte Aufgabe. Denn Kultur ist heilig in Deutschland.

VON 1,5 BIS 6.000.000: DEUTSCHLANDS KULTUR IN ZAHLEN

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Großes Kino?
1,5 mal im Jahr geht der Durchschnittsdeutsche ins Kino. In den Glanzzeiten der fünfziger Jahre strömten 800 Millionen Besucher in die Filmtheater. Heute sind es gerade mal 121 Millionen.

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Hotspot Berlin
Elf Künstler auf 1000 Einwohner: Berlin hat die höchste Künstlerdichte – und natürlich auch die meisten Ausstellungen im Jahr (370). Die Hauptstadt hat auch die meisten Kreativunternehmen in Deutschland: 18,3 Prozent aller Unternehmen sind in Kulturwirtschaft tätig.

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Hier spielt die Musik
131 öffentliche Orchester mit 10.000 angestellten Musikern: Deutschland hat die dichteste Musiklandschaft der Welt - vom Kammerorchester mit zwölf Musikern in Prenzlau bis zum Gewandhausorchester Leipzig mit 185. Das älteste Orchester spielt seit 1503 in Kassel.

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Heimliche Theatermeister
142 Theaterhäuser finanziert der Staat. Das kleinste in Naumburg mit 80 Plätzen und elf Mitarbeitern. Das größte mit rund 1200 Plätzen in Hamburg. Stuttgart hat - mit Schauspiel, Oper und Ballett - das größte Dreispartenhaus der Welt. Über 1.350 Mitarbeiter sorgen für 900 Vorstellungen im Jahr mit 450.000 Zuschauern. Allein das Große Haus hat 1400 Plätze. Kein Land macht mehr Theater.

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Oper mit Tradition
527 Opernvorstellungen im Jahr - damit ist Berlin in Deutschland Nummer eins. Weltweit aber liegen Moskau (582) und Wien (535) in Führung. Wenn es um die Opernsitzplatzdichte geht, hält das kleine Bayreuth den Weltrekord: 2500 Plätze in gleich zwei historischen Opernhäusern. Genauso viele Plätze hat das Festspielhaus Baden-Baden als größtes deutsches Opernhaus.

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Kunst-Zwerg?
9804 Galerien und Kunsthändler- mehr gibt es nur in den USA. Bei Umsätzen im weltweiten Auktionsmarkt sind wir aber mit zwei Prozent nur ein Zwerg. Das Geschäft mit der Kunst teilen die USA, Großbritannien und China weitgehend unter sich auf.

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Bücher ohne Ende
90.000 Buchtitel kommen jedes Jahr in Deutschland neu auf den Markt. Würde man sie alle nebeneinander stellen, bräuchte man ein 2,5 km langes Regal.

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Musik für die Masse
800.000 Besucher zieht das Rock & Pop-Festival "Bochum Total" jeden Sommer an - das größte Festival des Landes. Größtes kommerzielles Musikfestival bleibt aber "Rock am Ring" mit 87.000 Besuchern.

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Hingehört
Drei Millionen Laien machen in Deutschland, dem viertgrößten Musikmarkt der Welt, selbst Musik - in einem Chor oder Orchester. Nur aus Spaß! Die Zahl der Berufsmusiker liegt bei 64.000. Das entspricht der Einwohnerschaft einer mittleren Stadt wie Weimar.

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Ausgezeichnete Architektur
Sechs Millionen besuchen jährlich den Kölner Dom, Deutschlands populärstes Weltkulturerbe. Das erste Gebäude auf der UNESCO-Liste war 1978 der Aachener Dom. Der vorerst jüngste ein Bauhaus-Ensemble in Bernau bei Berlin.

Autorin/Autor: Rainer Traube

 

"Wir sind Kulturnation!" beschwor Innenminister Thomas de Maizière (CDU) vor wenigen Monaten das Land in seinen ansonsten heftig umstrittenen Thesen zur Leitkultur. Und Berlins linker Kultursenator Klaus Lederer verstieg sich bei der Eröffnung eines Klassikfestivals gar dazu, Kunst und Kultur zu den "schärfsten Waffen gegen den Terrorismus" zu erklären.

Wenn es etwas gibt, das deutsche Politiker auch in Wahlkampfzeiten noch verbindet, dann ist es der Glaube an die Macht von Musik und Literatur. Ein stiller Konsens, der sich quer durch alle Parteien im Bundestag zieht und der dafür sorgt, dass die Subventionen fließen: so beschloss die große Koalition aus CDU und SPD noch vor der Sommerpause, die seit Jahren wachsende Kulturförderung des Bundes im kommenden Jahr gleich noch einmal um satte 23 Prozent auf 1,67 Milliarden Euro zu erhöhen.

Land der Dichter und Denker

Deutschland ist stolz auf seine Kulturlandschaft. Die beste der Welt, meinen viele. Zu Recht? Wer sich 2017 auf einen fiktiven Flug über das Land der Dichter und Denker, der Musiker und Künstler begibt, der sieht von oben vor allem: viel! 2.117 Verlage und 3.803 Buchhandlungen, 42 UNESCO-Welterbestätten, 1.654 Kinos mit 4.739 Kinosälen, 142 Staats- und Stadttheater mit rund 40.000 Mitarbeitern in 825 Spielstätten, 12.000 öffentliche Bibliotheken, 931 Musikschulen mit 1,4 Millionen Schülern, 29 Kunsthochschulen, 9.804 Galerien und Kunsthandlungen, 6.372 Museen - die Liste ließe sich endlos weiterführen.

Wo ältere Jahrgänge gerne noch bildungsbürgerlich von der "Kulturnation" sprechen - Bayreuth, Weimar, Elbphilharmonie im Sinn - ziehen Ökonomen und Kulturmanager längst den zeitgemäßeren Begriff der Kreativwirtschaft vor. Die passt besser zu digitalem Denken, liefert messbare Daten statt elitärer Kunstkritik und gilt als dynamisch und wachstumsstark. Das hat auch die Bundesregierung erkannt und schwärmt, dass Kultur- und Kreativwirtschaft "wie kaum eine andere Branche für ein modernes Deutschland" stünden.

Wenig Mut, wenig Kreativität?

Kultur ist ein Haupttriebwerk im Maschinenraum deutscher Soft Power. Weit über zehn Milliarden Euro investieren Bund und vor allem Länder jährlich in die Kulturmaschinerie - in Jugendtheater, Musikschulen, Kammerorchester, Denkmalsanierung oder Museumsneubauten. Umgerechnet 123 Euro pro Bürger - der Preis eines mittleren Buchregals aus Schweden.

Viel Geld, viele Arbeitsplätze, viel Kreativität? Nein, befindet das Nachrichtenmagazin "Spiegel" in einem Deutschland-Sonderheft zur Bundestagswahl: "Zu wenig für ein so reiches, großes Land. Zu wenig Mut, zu wenig Liebe, zu wenig kreatives Risiko". Solides Mittelmaß herrschten in Kunst und Kultur: einfallslose Architektur, austauschbare Krimi-Bestseller statt großen Romanen, kraftlose Intellektuelle. Aber wer den "Fetisch Kulturstaat" in Frage stellt, hat es schwer in Deutschland.

Fetisch Kulturstaat?

Eine Streitschrift von vier Kulturwissenschaftlern ("Der Kulturinfarkt") nahm 2012 das Wagenburg-Denken einer hochsubventionierten Branche ins Visier, die vor allem an ihrem Selbsterhalt arbeite. Debattiert wurde das nicht. Kultur einem kreativen Wettbewerb aussetzen und öfter am Erfolg messen? Das klang nach neoliberalem Ausverkauf der schlimmsten Sorte. Nicht im Kulturland Deutschland, bitte!

Mehr zu den Fakten gibt es jetzt bei DW Kultur / DW Culture auf Facebook. Kultur.21 macht in einer Spezialausgabe den Kulturcheck. Wir vermessen die Kulturlandschaft und erzählen die Geschichten hinter den landläufigen Mythen.

Verfolgen Sie das Programm von DW-TV am Thementag Demokratie im Livestream auf www.dw.com.

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15.05.2018

Perfekte Kommunikation beim Jazzfest Bonn 2018

"Senden und Empfangen" - so lautete das Motto des Jazzfest Bonn. Vom 26. April bis zum 12. Mai wurden 24 Konzerte mit vielen Stars und Newcomern der Jazz-Szene präsentiert. Einige Höhepunkte zum Nachlesen.

Martin

Martin Albrecht - Scriabin Code

Michael Wollny kam bereits zum vierten Mal zum Jazzfest Bonn. Der Auftritt des Ausnahmepianisten zum Finale am Samstag wurde erneut ein besonderes Erlebnis für Jazzfans. Gemeinsam mit dem Bassisten Christian Weber und dem Schlagzeuger Eric Schaefer führte er in die hohe Kunst des Trio-Spiels ein. Zuvor präsentierte der Klarinettist Martin Albrecht seine Interpretationen und Weiterentwicklungen der Musik des russischen Komponisten und Pianisten Alexander Skrijabin.

Das Leitmotiv

Nachdem es im vergangenen Jahr um das Thema Improvisation ging, drehte sich diesmal alles um die Kommunikation. Dabei ging es um das Zusammenspiel der Musiker. Im Jazzfest-Magazin "zettbe:"gab es dazu eine Reihe von Artikeln. Beim Blättern erfuhr man, dass selbst Fische miteinander kommunizieren. Und dass junge Getreidepflanzen Klickgeräusche von sich geben, um sich vor Pflanzenfressern zu warnen. Einigen Musikern wurde die Frage gestellt: "Wann gelingt Kommunikation?"

Sänger Andreas Schaerer beantwortete beispielsweise die Frage so: "…wenn das Feuer des Dialogs gemeinsam angefacht wird. (…) Intensive Kommunikation ist authentisch und entsteht aus dem Moment." Man könne ihr keine Fließrichtung aufzwingen. SASKYA-Pianistin Clara Haberkamp hat sogar einen ganzen Songtext zum Thema nonverbale Kommunikation verfasst.

Die Gegenüberstellungen

Am 26. April startete das Jazzfest Bonn im Post Tower mit Musik der Formation SASKYA. Die Band ist eigentlich ein Trio mit Klavier, Kontrabass und Saxophon. Saxophonistin Anna-Lena Schnabel war leider erkrankt und konnte nicht auftreten. Dazu gesellte sich am Ende des Konzertes der Drummer der Band des schwedischen Posaunenstars Nils Landgren. Dieser spielte in gewohnter Lässigkeit und Perfektion das zweite Konzert des Abends. Die Besonderheit: SASKYA-Musikerin Lisa Wulff trat mit ihrem Bass auch mit dem Landgren-Quartett auf.

saskya

SASKYA - Duo statt Trio

Am 5. Mai hatte das Publikum im Haus der Geschichte das Vergnügen, die britische Sängerin Julia Biel kennenzulernen. Ihre Stimme erinnert an die isländische Sängerin Björk oder die britische Sängerin Amy Winehouse. Zu den bluesigen Songs begleitete sie sich mal am Klavier, mal mit der Gitarre. Für manche Konzertbesucher dürfte ihr Auftritt eine kleine interessante Entdeckung gewesen sein. Doch irgendwie war zu spüren, dass die meisten Gäste auf das zweite Konzert mit dem Wolfgang Haffner Quartett warteten. Der Star-Drummer gilt als bester Jazz-Schlagzeuger Europas. Zusammen mit dem Keyboarder Roberto di Gioia, dem Vibraphonisten Christopher Dell und dem Bassisten Christian Diener lieferte Haffner eine wahre Show an Virtuosität und perfektem Zusammenspiel. Das Publikum feierte ausgelassen das Quartett mit seinem spanisch angehauchten Programm.
Der norwegische Pianist Eyolf Dale war bis zu seinem Konzert am 10. Mai im LVR-LandesMuseum in Deutschland relativ unbekannt. Sein Trio wurde erweitert um ein Saxophon und eine Violine, deren Aufgabe es war, die elegischen Motive der Stücke unisono zu zelebrieren. Die Kompositionen Dales und die Strukturen der Nummern wirkten sehr komplex und zugleich kompliziert. Für den einen oder anderen im Publikum mag das Konzert des Norwegers eine sehr große Herausforderung gewesen sein. Aber das Warten lohnte sich. Denn das zweite Konzert spielte der japanische Starpianist Makoto Ozone mit seinem Trio.

Die großen Stars

Makoto Ozone gilt in der Jazzszene als einziger legitimer Nachfolger Oscar Petersons. Ein Vergleich, der mehr als ein dickes Kompliment ist. Sein virtuoses Spiel war voller musikalischer Zitate. "Ich liebe Mozart und Beethoven", erzählte er dem Publikum. Und für Peter Materna, dem Chef des Festivals, war es sicherlich ein ganz großes Glück den mehrfach Grammy-nominierten Japaner nach Bonn auf die Bühne zu holen. Kammermuskalischer Jazz vom Feinsten.

Ähnliches gilt für das Konzert mit John Scofield im Opernhaus. "Country For Old Men" nennt er sein Tour-Programm. Und Kenner des legendären Gitarristen wissen, dass der Grammy-Gewinner nie verheimlicht hat, dass er seine Wurzeln im Folk und Country hat. Das Publikum bejubelte ihn und sein Quartett und feierte den großen Mann der Jazz-Gitarre mit Standing Ovations.

Gitarren

Gitarren-Legende John Scofield in Bonn

Sicherlich war es auch großes Glück "Incognito" zu bekommen. Die Acid- und Soulband um den Gitarristen Jean-Paul Maunick brachte das Publikum mit ihrem Groove zum Tanzen. Sie stellten das Programm ihres neuen 17. Album vor. Als kleine Überraschung sang beim ersten Titel Ed Motta, der mit seiner Band an diesem Abend das erste der traditionellen Doppelkonzerte beim Jazzfest bestritt. Der brasilianische Sänger und Multi-Instrumentalist war früher festes Mitglied der Formation. Mit ihr wurde er weltweit bekannt.

Peter Maternas Konzept der Gegenüberstellungen in Doppelkonzerten ging auch beim Jazzfest Bonn 2018 voll auf. Eine gelungene Mischung, die vom aufgeschlossenen Bonner Publikum wieder sehr gerne angenommen wurde.

Die DW ist Medienpartner des Festivals und zeichnet jedes Jahr sechs Konzerte für die Podcast-Reihe "Jazz Live" auf. Beim Jazzfest Bonn 2018 zeichneten wir die Konzerte mit Julia Biel, Wolfgang Haffner, Richie Beirach & Gregor Huebner, John Scofield, Makoto Ozone und Martin Albrecht und seinem Scriabin Code. An den ersten beiden Wochenenden im kommenden August gibt es diese Konzertmitschnitte als Podcasts.

Quelle

 

14.05.2018

Berliner Ausstellung: Das Wandern ist des Künstlers Lust

Sie haben das Wandern nicht erfunden. Doch schon zur Zeit der Romantik eroberten Künstler sich die Natur gern zu Fuß. "Wanderlust" heißt eine Schau der Alten Nationalgalerie in Berlin zum Motiv des Wanderns in der Kunst.

Wanderlust

Zu sehen sind rund 120 Leihgaben aus europäischen und amerikanischen Museen. Werke aus dem eigenen Bestand gesellen sich hinzu. Ausgangs- und Höhepunkt der Schau ist zweifellos Caspar David Friedrichs Gemälde "Wanderer über dem Nebelmeer" (um 1817) aus der Hamburger Kunsthalle.

Neben zahlreichen weiteren Werken des romantischen Landschaftsmalers sind etwa auch Karl Friedrich Schinkel, Auguste Renoir, Carl Spitzweg, Gustave Courbet, Paul Gauguin und Emil Nolde vertreten. Warum aber packte so viele Künstler der Romantik die Wanderlust? Wohin wanderten sie? Und welche Eindrücke hielten sie in ihren Gemälden fest? Um diese Fragen kreist die Schau, die am 10. Mai ihre Pforten öffnet – für Mitglieder des Deutschen Alpenvereins übrigens zum ermäßigten Eintrittspreis.

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Caspar David Friedrichs "Wanderer über dem Nebelmeer"

In die wilde unberührte Natur

Die Romantiker zog es, wie die Ausstellung zeigen soll, hinaus ins Grüne. Ihre Suche galt der Landschaft als Spiegel des eigenen Inneren. Die Einsamkeit als Schlüssel zum eigenen Kosmos. Harz, Rügen und die Sächsische Schweiz waren die Lieblingsziele der Romantiker. Deren wilde, unberührte Natur in Verbindung mit Wasser inspirierten viele Künstler zu Skizzen, Gemälden und Kupferstichen.

"Wir verstehen das Wandern auf zwei Arten", sagt Kuratorin Birgit Verwiebe, "einmal das wirkliche Gehen durch die Natur, den Mut, loszugehen und sich auf neue Erfahrungen einzulassen. Aber auch das Wandern als Gleichnis für die Suche nach dem Sinn des Lebens." Beim Wandern finde der Mensch Besinnung, einen anderen Rhythmus für sich selbst. Wandern funktioniere als Mittel der Entschleunigung, das eine neue Selbst- und Welterkenntnis ermöglichte.

August

August Renoirs "Ansteigender Weg durch hohes Gras" von 1876/77

Bei vielen Künstlern steht das Wandern erkennbar als Sinnbild für die Lebensreise des Menschen. Das spiegelt sich in Motiven wie dem Weg, der Weite, den Schluchten, dem Abgrund und dem Gipfel, der Überfahrt oder der Rast. Gustave Courbets (1819-1877) Gemälde "Bonjour Monsieur Courbet" von 1854 (Titelbild) ist dafür ein Beispiel. Zusammen mit seinem Mäzen verewigte er sich darauf als stolzer Wanderbursche. Bei Ferdinand Hodlers "Der Lebensmüde" von 1887 hingegen gelangt der Reisende an sein Ende – in Gestalt eines erschöpft am Boden kauernden Alten.

Um 1800 wird das Wandern modern

1800

Karl Friedrich Schinkels "Felsentor", um 1818

Mit der einsamen Männerfigur hoch oben auf dem Felsgipfel gilt Caspar David Friedrichs Ölgemälde "Wanderer über dem Nebelmeer" bis heute weltweit als Symbol deutscher Romantik. Gegenpol dazu ist Jens Ferdinand Willumsens "Bergsteigerin" (1912) aus dem Staatlichen Kunstmuseum Kopenhagen, das auch für die Emanzipation der Frau steht.

Ferdinand

Jens Ferdinand Willumsen "Bergsteigerin", um 1912

Weder Völkerwanderung oder die traditionelle Grand Tour des jungen Adels noch Pilger- und Wallfahrten oder die Handwerker-Walz oder gar Flüchtlingsbewegungen sind Begriffe der Schau. Das Museum schärft den Blick stattdessen für das freie Wandern durch die Natur. Mit der Parole "Zurück zur Natur!" des französischsprachigen Schriftstellers und Philosophen Jean-Jacques Rousseau (1712-1778) und Goethes Sturm-und-Drang-Dichtung wurden das Wandern Ende des 18. Jahrhunderts populär. Und ist es bis heute. Noch bis Mitte September lädt die Alte Nationalgalerie ein, auf die Museumsinsel zu pilgern.

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10.05.2018

Sonne, Hits und Hafenflair beim 829. Hamburger Hafengeburtstag

Es wird ein Hafengeburtstag XXL: Die 829. Ausgabe des legendären Hafenfests in Hamburg wird erstmals vier Tage gefeiert und von einer großen Schiffstaufe begleitet. 

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Wegen des Feiertags zu Christi Himmelfahrt dauert das Volksfest zum Hamburger Hafengeburtstag diesmal vom 10. bis 13. Mai – und damit einen Tag länger als in der Vergangenheit. Gestartet wird traditionell: am Donnerstag mit der Einlaufparade, zu der sich die Großsegler Kruzenshtern, Sedov, Mir und Alexander von Humboldt II angekündigt haben.

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Lehrlinge auf dem russischen Großsegler Kruzenshtern

Auch die Cap San Diego, eines der größten, fahrtüchtigen Museums-Frachtschiffe der Welt, macht nach einer Ausfahrt wieder an seinem angestammten Platz an der Überseebrücke fest.

Insgesamt haben sich über 300 Schiffe zum Hafengeburtstag angemeldet - vom Fischkutter bis zum Zollboot. Höhepunkte sind am Samstag das einzigartige Schlepperballett und das große Feuerwerk an den Landungsbrücken, das den Abend krönt.

Das ist neu 2018

Erstmals wird ein Konzert in der Elbphilharmonie Teil des Spektakels sein. Es wird auf einer großen Leinwand direkt vor dem Konzerthaus live übertragen.

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Hamburgs neuestes Wahrzeichen am Wasser: die Elbphilharmonie

Darüber hinaus begleitet eine große Schiffstaufe das Fest: Das neue TUI-Kreuzfahrtschiff "Mein Schiff 1" wird am Freitag von den Beachvolleyball-Olympiasiegerinnen Kira Walkenhorst und Laura Ludwig am HHLA Container Terminal Burchardkai getauft. Im Anschluss fährt der neue Kreuzfahrtliner dann eine Ehrenrunde durch den Hamburger Hafen und zeigt sich den Besuchern des Hafengeburtstages.

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Schiff ahoi: Einlaufparade der Großsegler

Auf dem Hafengeburtstag werden rund eine Million Besucher erwartet. Seit 1977 wird das Fest jedes Jahr gefeiert. Der 7. Mai 1189 gilt als Gründungsdatum des Hamburger Hafens. Er prägt bis heute die Identität der Stadt.

fm/ch (mit mopo.de, schiffsjournal.de)

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09.05.2018

Wo Heimat ist: Köln singt und feiert sich selbst

Keine Stadt feiert sich so wie Köln, nirgendwo entstehen so viele Lieder, die die Heimat besingen. Nicht nur an Karneval wird hier gesungen, über die Stadtviertel, den Rhein und den Dom. Am liebsten über alles zusammen.

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Die "kölschen" Lieder verbinden die Menschen miteinander - und so ist es kein Wunder, dass auch junge Musiker das Gefühl "Heimat" in ihren Liedern ausdrücken. In unserer Mini-Serie "Wo Heimat ist..." hat DW-Reporterin Silke Wünsch die junge Kölner Band FIASKO getroffen und sich von einem Historiker und einem türkischen Journalisten das "kölsche Jeföhl" (Gefühl) erklären lassen.

Wir stehen auf dem Dach der Zentrale einer großen Versicherung, direkt am Rhein, mit einem sagenhaften Rundblick über ganz Köln. Neben uns liegt eine riesige Weltkugel aus Stahl und Lichtschläuchen - ein Kunstwerk von HA Schult - auf ihrem Sockel. Nachts leuchtet sie in bunten Farben und ist zu einem Kölner Wahrzeichen geworden. Jetzt ist das Licht noch nicht eingeschaltet - die Sonne geht gerade unter und taucht die Silhouette der Stadt in ein golden-diffuses Licht.

Ich bin mit Henning, Daniel, Dirk und René hier oben. Sie sind die Kölschrock-Band FIASKO, vier junge Typen, die 2014 angefangen haben, kölschsprachige Musik zu machen. Mit ihrem Song "Nur do" (Nur du) sind sie 2017 in Köln richtig durchgestartet. Die Erklärung für den Erfolg des fröhlichen Folkrocksongs ist einfach: Das Lied handelt von Heimat, Freunden und Zusammengehörigkeit. Begriffe, die in Köln ganz groß geschrieben werden.

Ansteckender Lokalpatriotimus

Fiasko-Sänger Daniel erzählt, wie die Band auf die Idee zu "Nur do" gekommen ist - auf der Suche nach starken Wörtern, die das Gefühl der Musiker transportieren sollten: "Als wir dieses Lied geschrieben haben, haben wir uns gefragt, was eigentlich Heimat für uns bedeutet. Und sind schnell drauf gekommen, dass Heimat ein Ort ist, an dem man frei leben kann und sich wohlfühlt, egal wo man ist." Sowas in einem Lied auszudrücken, sei schwerer als viele es sich vorstellen. Man müsse ja auch die richtigen Worte finden um dieses Gefühl auszudrücken. Gitarrist Henning erklärt, warum so viele Kölner Bands sich dennoch an das Thema wagen: "In dieser Stadt verbindet die Musik die Leute. Egal woher sie kommen. Ob sie zu Besuch sind, ob sie aus ihrem Land fliehen mussten, oder ob sie hier wohnen. Dieser Lokalpatriotismus, der hier allgegenwärtig ist, der steckt jeden an. Und deswegen schreiben so viele Bands Lieder über diese Stadt und das Gefühl, das hier herrscht."

Heimweh nach Köln, obwohl man dort ist

Dass Köln so stark besungen wird, gibt es nicht erst seit Kurzem. Einer der berühmtesten Kölner Musiker ist Willi Ostermann. Schon in den 1920-er und 30-er Jahren sang er von Köln, von der Sehnsucht nach der Domstadt und der Heimat: "Wenn ich so an meine Heimat denke, und sehe den Dom so vor mir stehen, möchte ich direkt in Richtung Heimat schwenken, ich möchte zu Fuß nach Köln gehen". Und alle Kölner singen mit - noch heute, selbst wenn sie mitten in der Stadt sind, nach der sie sich so sehnen. Und das am liebsten alle zusammen.

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Der Dom darf nicht fehlen, wenn die Jungs von FIASKO über Heimat sinnieren

Das Zusammengehörigkeitsgefühl kann in Köln sehr schnell aufkommen: Pappnase an, Fanschal des 1. FC Köln umhängen, gemeinsam das Lied vom "Veedel" (Stadtviertel) singen - schon hat man sich das "kölsche Jeföhl" übergestülpt. Ist dies denn wirklich echte Heimat?

Der Historiker Carl Dietmar beschäftigt sich seit langem mit der Kölner Stadtgeschichte. Seit 1969 lebt er hier und schafft es auch nach gut 50 Jahren noch, die kölsche Lebensart mit einem gewissen Abstand zu betrachten. Und stellt fest, dass das "Zusammenrotten" - das Gemeinsame mit Gleichgesinnten, und das am liebsten nur in Köln - ein Hauptbestandteil des kölschen Heimatgefühls ist. Daher würde Dietmar auch eher mit verschiedenen Heimatbegriffen arbeiten. Denn das Heimatgefühl in Köln sei ein ganz anderes als das in Bayern etwa. Das könne man dem neuen Minister für Heimat, Herrn Seehofer, "ruhig auch mal sagen, dass das Heimatbewusstsein regional ganz unterschiedlich ist", schlägt der Historiker vor.

Während man die Bayern durchaus verstehen kann, wenn sie ihre Heimat mit ihren eindrucksvollen Landschaften verehren, kann man sich in Köln durchaus fragen: Was lieben diese Menschen eigentlich an dieser hässlichen Stadt? Die Antwort ist kölsch-pragmatisch und inzwischen ein geflügeltes Wort geworden: "Köln ist keine Schönheit. Köln ist ein Gefühl!"

Uralte Festungsstadt

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Carl Dietmar lebt seit 50 Jahren in Köln

Zu diesem Fixiertsein auf die eigene Stadt hat Carl Dietmar eine interessante These, die er aus der Geschichte Kölns herleitet: "Bis 1907 war Köln die größte Festungsstadt Deutschlands. Sie war umgeben von einem Wall - die Straßennamen zeugen heute noch davon: Eifelwall, Zülpicher Wall und so weiter. Das war ein Festungsring. Es gab nur etwa 20 Tore, durch die man die Stadt verlassen konnte. Und dann musste man noch 70 Meter durch Militärgelände gehen, wo überall Soldaten rumstanden. Und dann sagte man sich als Kölner schon damals: Da bleibe ich doch lieber zu Hause." Wie gesagt, das sei nur eine These, betont Dietmar augenzwinkernd und fügt hinzu, dass dies zumindest das Desinteresse der Kölner am Geschehen im Umland erkläre. Und ihre Selbstherrlichkeit. "Keiner kann sich selbst so gut auf die Schulter klopfen wie der Kölner."

Perfekt integriert

In der Weidengasse, einer türkischen Einkaufsstraße am Eigelstein - einem der ältesten Stadtviertel Kölns - treffe ich den Journalisten und Autor Baha Güngör. Er ist im Rheinland aufgewachsen und hat in Köln seine journalistische Ausbildung gemacht, als erster Türke bei einer deutschen Zeitung. 1976, als die Türken noch "Gastarbeiter" genannt wurden, zog Güngör nach Köln, und entdeckte die Weidengasse. Ein junger türkischer Mann, der hervorragend Deutsch konnte und sich sowohl mit Deutschen als auch mit Türken super verstand, war damals eine Seltenheit. Er fand - und das schätzt er bis heute an den Kölnern - sehr schnell Anschluss.

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Baha Güngör ist glühender Fan des 1. FC Köln

Aus beruflichen Gründen hat es ihn auch in andere rheinische Städte verschlagen, auch nach Bonn - doch nun zieht er zurück nach Köln und freut sich darauf. Ich möchte wissen, was er empfindet, wenn er nach einer langen Reise den Dom sieht. "Oh. Den Dom vermisse ich oft. Ich gehe häufig in den Dom, auch um eine Kerze für den FC anzuzünden." Zum ersten Mal habe er den Dom als Kind gesehen und hatte Angst vor diesem großen schwarzen Gebäude. Bis seine Großmutter ihm erklärte, dass dies eine "Moschee für Christen" sei. "Und das bedeutet der Dom bis heute für mich."

Zwischen Heimat und Zuhause

Das "kölsche Gefühl" ist für Güngör definitiv der 1. FC Köln. Güngör jubelt und leidet mit dem FC wie andere Kölner auch. Der Verein wird höchstwahrscheinlich in dieser Saison zum sechsten Mal in seiner Vereinsgeschichte in die zweite Liga absteigen. "Aber", so Güngör, "der kommt immer wieder hoch. So ist es den Kölnern schon immer ergangen, mit den ganzen Besatzungsmächten, den Franzosen, den Preußen und so weiter, die hier ständig durchmarschiert sind. Die Kölner aber haben immer gesagt: Es ist ja immer gutgegangen."

Güngör arbeitet gerade an seinem neuen Buch, in dem er über sein Leben zwischen Heimat und Zuhause schreibt: "Köln und das Rheinland sind mein Zuhause, ich fühle mich hier wahnsinnig wohl. Aber wenn ich an Heimat denke, denke ich an Istanbul. Die multikulturelle Stadt. Was Köln ja auch ist."

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Sprung mit Symbolkraft: FIASKO hüpfen von HA Schults Weltkugel auf Kölner Boden

Eine Stehaufmännchen-Mentalität also, die ihresgleichen sucht, eine Unverbindlichkeit, die eine höhere Toleranzgrenze als woanders zulässt und ein schier unzerstörbares Zusammengehörigkeitsgefühl - mit rückwärtsgewandtem Denken hat das nichts zu tun. Die jungen Kölner Bands, die Zeilen wie "Es gibt kein Wort, das sagen könnte, was ich fühle, wenn ich an Köln denke", oder "Mein Kompass zeigt immer nach Köln" singen, haben überhaupt keine Berührungsangst mit dem Wort "Heimat".

Auch FIASKO nicht. Mit "verstaubt" habe das nichts zu tun, meint Gitarrist Henning: "Der Begriff weckt ja etwas im Kopf der Leute. Wie man das Wort letztendlich definiert, ist jedem selber überlassen."

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08.05.2018

Überraschung: Der "Räuber Hotzenplotz" kehrt zurück.

Seit 56 Jahren treibt der "Räuber Hotzenplotz" in den Geschichten von Otfried Preußler sein Unwesen. Jetzt, fünf Jahre nach dem Tod des Schriftstellers, gibt es ein neues Abenteuer des schrulligen Halunken.

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Bis jetzt gab es drei "Räuber Hotzenplotz"-Erzählungen, die Fans rund um die Welt kennen. Jetzt, 45 Jahre nach Veröffentlichung des letzten Bandes, gibt es Nachschub: Preußlers Tochter Susanne Preußler-Bitsch fand im November 2017 im Nachlass ihres 2013 verstorbenen Vaters eine bisher unbekannte Geschichte über den kauzigen Schurken und wird diese im Juli 2018 veröffentlichen.

Welch wunderbarer Schatz

Als sie auf das bereits 50 Jahre alte Bühnenstück stieß, das den Namen "Die Fahrt zum Mond" trägt, wusste sie sofort, "welch wunderbaren Schatz", sie da in den Händen hielt. Viele Fans des Kinderbuchklassikers mögen mittlerweile erwachsen sein, ab dem 17. Juli 2018 können sie womöglich ihren eigenen Kindern von den neuen Abenteuern des Räuber Hotzenplotz vorlesen.

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Buchcover "Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete".

Aus dem gefundenen Bühnenstück ein "erzähltes Kasperltheater zwischen zwei Buchdeckeln nach bester Preußler-Manier zu entwickeln", sei ihr nicht schwergefallen, erzählte Susanne Preußler-Bitsch, denn "alle Zutaten waren bereits vorhanden". "Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete" heißt die neue "wahre Geschichte" über das Leben des berühmten Räubers. Alle Figuren sind die gleichen geblieben: Kasperl und Seppel, die Großmutter, Wachtmeister Dimpfelmoser - und natürlich der Räuber Hotzenplotz. Wachtmeister Dimpfelmoser steht immer noch - oder schon wieder - der Schweiß auf der Stirn, denn Hotzenplotz ist erneut aus dem Gefängnis ausgebrochen. Seppel und Kasperl sind auch dieses Mal fest entschlossen, ihn einzufangen. Ein für alle Mal wollen sie den Schurken zur Strecke bringen und ihn dafür mit einer Rakete bis auf den Mond schießen.

Ein Geburtstagsgeschenk für den Autor

Dieses Jahr wäre Otfried Preußler 95 Jahre alt geworden. Seine Tochter ist sich sicher: "Über dieses Geburtstagsgeschenk hätte mein Vater sich sehr gefreut". Am 20. Oktober, seinem Geburtstag, wird ihm zu Ehren in Stuttgart eine "Räuber Hotzenplotz"-Ausstellung eröffnet und das neue Abenteuer vom WDR erstmals als Hörspiel ausgestrahlt. Das Theater Düsseldorf hat sich zudem das Stück gesichert - die Uraufführung ist am 11. November und bis zum Jahresende sollen mehr als 40 Vorstellungen gespielt werden.

Räuber Hotzenplotz als Alter Ego

Hotzenplotz gilt neben der "Kleinen Hexe" als Preußlers beliebteste und bekannteste Kinderbuchfigur und als Klassiker der Kinderliteratur. Der Schriftsteller nutzte seine Figur als Alter Ego, beantwortete unter dem Namen Hotzenplotz Kinderbriefe und kontaktierte sogar verschiedene Behörden, wie der Thienemann-Esslinger Verlag mitteilte, von dem auch das neue Buch veröffentlicht wird.

Welche deutschen Kinderbücher ebenfalls zu den Klassikern gehören, sehen Sie hier:

10 DEUTSCHE KINDERBUCH-KLASSIKER

Die kleine Hexe

Hexe

"Es war einmal eine kleine Hexe…" Die Protagonistin bei Otfried Preußler ist 127 Jahre alt - und möchte gute Taten vollbringen. Der beliebte deutsche Kinderbuchautor (1923-2013) verzaubert seit Jahrzehnten Kinderherzen, jetzt gibt es den Bestseller von 1957 auch als Film - mit Karoline Herfurth in der Titelrolle.

Geliebte Fantasiewesen

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Millionenfach verkauft und preisgekrönt: Die Bücher von Michael Ende sind in Dutzende von Sprachen übersetzt worden, und stehen wohl in jedem deutschen Kinderbuch-Regal. In "Die unendliche Geschichte" erlebt der Junge Bastian Abenteuer im Land Phantásien. "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer" erleben hingegen Spannendes mit ihrer Lokomotive, Scheinriesen und vielen anderen Wesen.

Auf nach Panama

Panama

Ein Bär und ein Tiger leben glücklich und zufrieden zusammen in einem Haus, bis sie eines Tages eine Kiste finden, auf der "Panama" steht. Sie riecht nach Bananen. Die beiden machen sich auf, dieses Land zu finden, das Land ihrer Träume. Ist das eine Story? Nicht wirklich. Aber Kinder lieben diese Logik. Und das macht den Charme der Bücher des Autors Janosch aus.

Wundersames Urmel

Urmel

In Max Kruses Büchern wimmelt es nur so von merkwürdigen Wesen: Die Sau Wutz, der See-Elefant Seele-Fant, Wawa, der Waran, Ping Pinguin und Professor Habakuk Tibatong finden ein riesiges Ei - und aus dem schlüpft: das Urmel. Auch das Puppenspiel ist ein Riesenvergnügen für Kinder. Die Wesen haben fast alle einen Sprachfehler - das Urmel zum Beispiel lispelt kräftig. 

Migrantenschicksal 1933

1933

Judith Kerr erzählt in ihrem Buch "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl" über die Flucht eines jüdischen Mädchens von den Nazis. Die neunjährige Anna und ihre Familie müssen sich ein neues Leben in Großbritannien aufbauen. Das einfühlsame Buch der britischen Schriftstellerin, die 1923 in Berlin geboren wurde, erhielt 1974 den deutschen Jugendliteraturpreis.

Das Gute im Menschen

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"Emil und die Detektive", "Das doppelte Lottchen" und "Das fliegende Klassenzimmer"- keine Liste der deutschen Kinderbuch-Klassiker wäre komplett ohne Erich Kästner. Seine humorvollen, scharfsinnigen Bücher wurden in über 100 Sprachen übersetzt und teilweise verfilmt. Auch der Spruch "Es gibt nichts Gutes, außer man tut es" stammt von Erich Kästner.

Böse Buben finden ein schlimmes Ende

Buben

Die Lausbubengeschichte "Max und Moritz" ist ebenfalls ein Klassiker im Kinderbuch-Regal. 1865 wurde er erstveröffentlicht. Der Schöpfer der frechen Buben, der humoristische Dichter und Zeichner Wilhelm Busch, ist eine Art Urvater der heutigen Comics. Etliche Zeilen aus seinen vielen Werken sind zu geflügelten Worten geworden - zum Beispiel "Gott sei Dank! Nun ist’s vorbei / Mit der Übeltäterei!"

Wenn Kinder nicht artig sind

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Der "Struwwelpeter" von Heinrich Hoffmann ist noch älter, nämlich von 1845. Das Buch wurde in viele Sprachen und Mundarten übersetzt. Es gibt sogar ein antiautoritäres Gegenstück, den "Anti-Struwwelpeter". Die Lehre aller zehn Geschichten: Wenn Kinder nicht brav sind, sind die Konsequenzen mitunter grausam. Auch hier wurden Verse zum geflügelten Wort: "Nein, meine Suppe ess' ich nicht".

Meggie mit der magischen Gabe

Gabe

"Tintenherz", der mehrfach ausgezeichnete erste Band von Cornelia Funkes Tintenwelt-Trilogie, erschien während der "Harry Potter"-Manie - und wurde ein Hit. Das Buch um die Abenteuer der zwölfjährigen Meggie, die mit der Gabe gesegnet ist, beim Vorlesen fiktive Figuren und Gegenstände aus einer Geschichte heraus- oder Reales hineinzulesen, wurde auch erfolgreich verfilmt.

Freundliches Wesen mit Wunschpunkten im Gesicht

Gesicht

Rote Haare, Rüsselnase, praller Bauch und Punkte im Gesicht: Das ist das freche kleine Sams, die Hauptfigur einer beliebten Kinderbuchreihe von Paul Maar. Wegen der vielen Wortspiele sind die "Sams"-Bände schwer in andere Sprachen zu übersetzen, aber etliche Teile wurden verfilmt. Das Sams lebt bei Herrn Taschenbier, isst so ziemlich alles - und versteht Kinder gut.

Autorin/Autor: Conor Dillon (DB)

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Migrantenschicksal 1933

07.05.2018

100 Jahre Freistaat Bayern: Ein Land und sein Mythos

Berge, Dirndl, Weißwurst und Bier: In Bezug auf Bayern gibt es viele Klischees. Doch was macht den "Freistaat", der 1918 ausgerufen wurde, noch aus? Antworten gibt die Ausstellung "Mythos Bayern" im Kloster Ettal.

Die Märchenschlösser

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Als flächenmäßig größtes und in Bevölkerungszahlen gemessen zweitgrößtes Bundesland hat Bayern die Wahrnehmung Deutschlands im Ausland wesentlich geprägt. Unter anderem durch die romantischen Schlösser von König Ludwig II. - Neuschwanstein (Foto) beispielsweise zieht jedes Jahr Massen von Touristen aus aller Welt an und soll auch Walt Disney inspiriert haben.

Nach wie vor präsent: König Ludwig II.

Ludwig

Über Jahrhunderte wurde Bayern von der Wittelsbacher-Dynastie beherrscht. Trotz der Lossagung 1918 spielt ein Familienmitglied nach wie vor eine große Rolle in Deutschlands südlichstem Bundesland: König Ludwig II. Sein Privatleben und sein vorzeitiger Tod waren stets Gegenstand von Spekulationen. 1973 wurde sein Leben verfilmt - mit prominenter Besetzung (Foto: Romy Schneider und Helmut Berger).

Wagner und die Festspiele

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Ludwig der II. war ein großer Fan des Komponisten Richard Wagner und daher auch sein Mäzen. Wagner selbst stammt nicht aus Bayern, er wurde in Leipzig geboren. Später aber machte er Bayreuth zum Zentrum seines Opernuniversums. Die Bayreuther Festspiele locken jedes Jahr Klassikfans aus aller Welt nach Bayern.

"Mia san mia"

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Ebenfalls berühmt: Der FC Bayern München. Seit Jahren deutscher Meister ist er zudem Deutschlands größter Sportverein. Im Zentrum des Mannschaftlogos: die blau-weiße Flagge Bayerns. "Mia san Mia" - wir sind wir - sagen die Bayern und meinen damit: Wir sind die Besten. Und im Fußball scheint das derzeit auch zu stimmen...

Bayerische Mode

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"Tragt ihr in Deutschland alle Lederhosen?" Diese Frage hat schon manch ein Deutscher im Ausland zu hören bekommen. Nein, tun wir nicht! Aber den Bayern sind ihre Trachten trotzdem wichtig: Dirndl und "Krachlederne" werden zu speziellen Anlässen getragen, und tatsächlich gibt es auch eine Gesellschaft, die sich der Erhaltung des traditionellen Aussehens verschrieben hat.

Blue Jeans - aus Bayern

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Nicht nur die Lederhosen kommen aus Bayern. Auch die Jeans hat hier ihren Ursprung: Ihr Erfinder war Levi Strauss. In Bamberg geboren, wanderte er im Alter von 18 Jahren mit seiner Familie in die USA aus, wo er die amerikanische Staatsbürgerschaft annahm und seinen ursprünglichen Namen "Löb" in "Levi" umwandelte. Anders als die Lederhosen werden Jeans tatsächlich in ganz Deutschland getragen.

Sneaker-Freaks

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Und noch mehr Mode kommt aus Bayern: Zwei Schuhmacher aus Herzogenaurach gründen 1924 die "Gebrüder Dassler Schuhfabrik". 1936 überzeugen sie den US-Athleten Jesse Owens, von ihnen gefertigte Schuhe bei den Olympischen Spielen in Berlin zu tragen. Ein voller Erfolg. Später trennen sich die Brüder im Streit: Der eine gründet Adidas, der andere Puma.

Der "Mythos Bayern" im Heimatfilm

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In den 1950er Jahren hatte der Heimatfilm in Deutschland seine Hochzeit. Die bayrische Berglandschaft mit ihren Dörfern und Traditionen eignete sich hervorragend als Kulisse für Filme, die sich mit schönen Naturbildern und Herzschmerz-Geschichten über die noch frischen Erinnerungen an die Schrecken des Krieges legten.

Passionsspiele

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Alle zehn Jahre - 2020 ist es wieder soweit - zieht die 5000-Einwohner-Gemeinde Oberammergau Menschenmassen aus aller Welt an, um Jesus' letzte fünf Tage vor seiner Kreuzigung nachzustellen - und das seit fast 400 Jahren. Das Passionsspiel ist der Dank der Dorfbewohner dafür, dass sie 1634 von der Pest verschont blieben.

Bayerische Auto-Kultur

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In Bayern legt man aber nicht nur Wert auf Beschaulichkeit und Tradition. Auch die Industrie spielt eine Rolle. Unter anderem haben in München die Bayrischen Motorenwerke (BMW) ihren Hauptsitz. Der weltweit agierende Konzern legt Wert auf seinen bayrischen Sitz, nicht zuletzt wohl aufgrund der Technischen Hochschule, an der gefragte Fachkräfte nachwachsen.

Die Geschichte Bayerns geht weit zurück. Einst herrschten hier die Römer, und die Spuren, die sie hinterließen, sind gut dokumentiert - in Museen und Archäologieparks. Im 12. Jahrhundert übernahm die Dynastie der Wittelsbacher für mehrere Jahrhunderte die Macht. Doch auch damit war irgendwann Schluss. 1918 riefen die Bayern den "Freistaat" aus und machten sich unabhängig. In diesem Jahr jährt sich dieses Ereignis zum 100. Mal und ist Anlass für die Ausstellung "Wald, Gebirg und Königstraum - Mythos Bayern", die das Haus der Bayerischen Geschichte konzipiert hat. Als Kulisse dient die Abtei Ettal, ein Benediktinerkloster in einem kleinen Dorf bei Garmisch-Partenkirchen im Voralpenland.

Legenden und Mythen

Die Ausstellung erzählt die Geschichte Bayerns, die seiner Landschaften und die der Menschen. Einer der prominentesten Bayern ist König Ludwig II. - unter anderem bekannt für seine weltberühmten Schlösser, darunter Deutschlands meistbesuchte Touristenattraktion, Schloss Neuschwanstein, und Schloss Linderhof, eine Hommage an Versailles.

Aber der "Märchenkönig plante noch mehr Prachtbauten, wie die Ausstellung in einer Multimedia-Show zeigt. Dafür wurde im Klostergarten extra ein 13 Meter hoher Holzpavillon errichtet. Drinnen sollen die Träume des Monarchen lebendig werden und zeigen, welche Bauvorhaben er für die Gegend noch hatte. Denn Ludwig II. wollte einen gewaltigen Schlösserpark schaffen. Aufgrund seines frühen Todes blieben von dem Projekt jedoch nur Pläne - ganz abgesehen davon, dass der verschwenderische Umgang mit Geld dem Haus Wittelsbach eine jahrzehntelange Finanzkrise bescherte. Ludwig II. bezahlte seinen aufwendigen Lebensstil nämlich nicht mit Geldern aus dem Staatshaushalt, sondern aus seiner Privatschatulle.

Die bayrische Landschaft, für manch einen die schönste in Deutschland,- nimmt in der Ausstellung einen großen Raum ein. Seit jeher dient sie Künstlern als Inspiration - von silbernen Tassen in Form eines Bergziegenkopfs bis hin zum Porzellan-Teeservice, das mit pastoralen Szenen bedruckt ist. Auch die Zugspitze und das türkisblaue Wasser des Königssees bei Berchtesgaden sind beliebte Motive.

Unter den 250 Objekten, die die Ausstellung präsentiert, ist auch ein keltischer Einbaum. Das bisher noch nie gezeigte Exponat ist 3000 Jahre alt, 13,5 Meter lang und mehr als zwei Tonnen schwer. Das keltische Gefährt wurde zwischen 1987 und 1990 im Flachwasserareal vor dem Westufer der Roseninsel im Starnberger See gefunden. Welche Zweck es diente ist nicht bekannt - vielleicht königlichen Zeremonien?. König Ludwig II. soll damit jedoch nicht untergegangen sein, wie der Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte, Richard Loibl, augenzwinkernd anmerkte. Um den Tod des Königs, der 1886 im Starnberger See ertrank, ranken sich viele Legenden.

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Gedenkkreuz im Starnberger See für König Ludwig II.

Barocke Kulisse

Die Abtei Ettal selbst geht auf das Jahr 1330 zurück. Sie wurde von Kaiser Ludwig dem IV., genannt "der Bayer", gegründet. Der Legende zufolge war ihm in einer misslichen Lage ein 'grauer Mönch' erschienen, dem er die Gründung des Klosters versprach, im Gegenzug bot besagter Mönch ihm Hilfe an. Dies ist eine von vielen Legenden, die in der Ausstellung aufgegriffen werden, die in einem nie zuvor öffentlich zugänglichen Teil der Abtei untergebracht ist.

Für die Touristen bieten das Kloster Ettal und die es umgebende Bergwelt wohl die perfekte Kulisse, um in den "Mythos Bayern" einzutauchen. Und wer Lust hat, kleidet sich zünftig in Dirndl und Lederhose und schießt ein Foto, um den Daheimgebliebenen einen urig bayrischen Gruß zu senden.

Die Bayerische Landesausstellung 2018 "Wald, Gebirg und Königstraum – Mythos Bayern" ist vom 3. Mai bis zum 4. November 2018 im Kloster Ettal zu sehen.

Quelle

05.05.2018

Zehn Gründe für Rheinland-Pfalz

Von der Natur geschaffen, von Menschen kultiviert - an Rhein und Mosel, Nahe und Ahr ist das Landschaftserlebnis vielfältig und der Kulturgenuss garantiert. Rheinland-Pfalz ist Weinland, Waldland und Wanderland.

Grüße aus dem Mittelalter

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Über dem Tal der Mosel wird die Zeit des Mittelalters wieder lebendig. Von imposanten Burgen wie der Reichsburg bei Cochem behielten früher die Ritter den Fluss immer im Blick. Denn von jedem Schiff kassierten sie Wegzoll. Cochem ist heute das touristische Zentrum der Terrassenmosel. So genannt, weil es dort die steilsten Weinberge Europas gibt.

Panoramawandern

panorama

Auf dem Prädikatswanderweg Rheinsteig geht es 320 Kilometer entlang des bekanntesten deutschen Stroms. Empfehlenswert sind die angegliederten Rundwege, die bergauf, bergab auf schmalen Pfaden durch steile Weinberge, entlang des Rheinufers und über Hochplateaus führen, auch zu dem von Sagen umwobenen berühmten Loreley-Felsen bei St. Goarshausen.

Bahn frei für Radfahrer

Bahn

Im Weltkulturerbe Oberes Mittelrheintal säumen zahlreiche Burgen, Ruinen und Schlösser auf Schieferfelsen die Ufer. Unter dem Motto “Tal toTal“ können Radfahrer und Skater auf 120 Kilometern die Region ungestört genießen. Jedes Jahr am letzten Sonntag im Juni bleibt die Strecke zwischen Bingen und Koblenz autofrei. Dann feiern rund 150.000 Besucher links und rechts des Rheins eine Riesenparty.

Gondelfahren

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Dem Lockruf der Rheinromantik folgen Reisende seit 200 Jahren. Von Koblenz aus starten Ausflugschiffe in Richtung Loreley-Felsen und zu Touren durch das Moseltal. Denn am Deutschen Eck fließen Rhein und Mosel zusammen. Besucher können auch in Gondeln zur Festung Ehrenbreitstein schweben. 118 Meter über dem Rhein gibt es eine tolle Aussicht. Und wer möchte, bleibt über Nacht in der Jugendherberge.

Im Schutz des Doms

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Der Wormser Kaiserdom ist die spektakuläre Kulisse für die Bühne der Nibelungen-Festspiele, einer der Höhepunkte des Kultursommers in Rheinland-Pfalz. Die Nibelungen sind eine der bekanntesten deutschen Sagen und Teil des UNESCO Weltdokumentenerbes. Dank prominenter Besetzung von Regie und Ensemble ist das Theaterfestival ein Publikumsrenner.

Sensation aus der Steinzeit

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Ein Wanderer entdeckte 2014 im Wald bei Gondershausen im Hunsrück Kratzspuren auf einem Schieferfelsen. Archäologen waren begeistert. Derartige Felsgravuren waren bislang nur aus Portugal, Spanien, Frankreich bekannt, wurden aber noch nie so weit im Norden Europas entdeckt. Die über 20.000 Jahre alten Skizzen zeigen vermutlich vier Pferde.

Ein Wald voller Felsen

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Der Naturpark Pfälzerwald bildet zusammen mit den zu Frankreich gehörenden Nordvogesen ein grenzüberschreitendes Biosphärenreservat. Luchs, Wildkatze, Wanderfalke und Eisvogel haben hier ein geschütztes Zuhause. Das südlich gelegene Dahner Felsenland ist eine der beliebtesten Kletterregionen in Deutschland. Über 80 freistehende Buntsandsteintürme laden Sportkletterer zum Tanz in der Vertikalen.

Wie die alten Römer

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In den sonnenverwöhnten Steillagen an der Mosel gedeihen heute vor allem Rieslingtrauben. Die römischen Eroberer Germaniens hatten die Weinreben vor 2000 Jahren mitgebracht. Der Handel mit Moselwein florierte schon damals. Den Nachbau eines antiken Weinhändlerschiffes können Gäste für eine Weinprobe chartern. Die Stella Noviomagi lichtet den Anker in Neumagen-Drohn.

Antikes Wahrzeichen

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Mit diesem Bau zeigt das Römische Imperium seine Größe und zugleich seine Macht. Fast 30 Meter hoch wurden bis zu sechs Tonnen schwere Steine ohne Mörtel verbaut. Die Porta Nigra, das schwarze Tor, gehört zum Weltkulturerbe und ist das Wahrzeichen von Trier, eine der ältesten Städte Deutschlands. Schwarz wurden die ursprünglich hellgrauen Sandsteine aber erst im Laufe der Jahrtausende.

Mainz, wie es singt und lacht

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In der Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz spielt der Karneval traditionell eine große Rolle. Schon im 16. Jahrhundert tanzten hier Narren auf den Straßen. Höhepunkt der Mainzer Fastnacht ist der Umzug an Rosenmontag. Ein liebevoll gepflegtes Markenzeichen sind die “Schwellköpp“ genannten Figuren. Es gibt 30 verschiedene Charaktere beiderlei Geschlechts. Ein Kopf wiegt bis zu 25 Kilogramm.

Quelle

04.05.2018

Das Jazzfest Bonn 2018 ist gestartet

Auch diesmal bietet das Jazzfest Weltstars und Neuentdeckungen. Dazu gehören der Pianist Django Bates, der Bonner Trompetenstar Nils Wülker oder Incognito. Ab dem 26. April wird die Bundesstadt zum Mekka der Jazzfans.

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Bonn jazzt auch 2018 wieder. Insgesamt 24 Acts spielen bis zum 12. Mai 2018 beim 9. Bonner Jazzfest - von weltbekannten Künstlern bis zu aufregenden Neuentdeckungen ist für jeden Geschmack etwas dabei.

"Das Programm ist qualitativ hochwertig an künstlerischen Inhalten, aber eben auch publikumstauglich", so Peter Materna bei der Vorstellung des Programms. Der Saxophonist, Komponist und künstlerische Leiter des Festivals ist sich bewusst, dass das lokale Publikum eher klassische Musik hört. "Mein größter Stolz ist es, wenn wir Jahr für Jahr ein paar Jazz-affine Menschen mehr haben in unserer Gesellschaft."

Das Besondere beim Jazzfest Bonn sind die Doppelkonzerte: An jedem Abend tritt ein bekannter neben einem eher unbekannten Act auf. Die Künstlerauswahl spricht auch Menschen an, die sonst kaum zu Jazzveranstaltungen gehen und bietet gleichzeitig selbst für eingefleischte Liebhaber des Genres fast immer Überraschungen.

Große Namen und neue Namen

Die hochgelobte Nachwuchsband Saskya wird das Jazzfest am 26. April mit den drei Musikerinnen Anna-Lena Schnabel, Lisa Wulff und Clara Haberkamp eröffnen. Mit Nils Landgren und seinem Quartett spielt am gleichen Abend dann eine Konstante des europäischen Jazz.

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Nils Landgren und seine Posaunen sind höchstbeliebt in der europäischen Jazzwelt

Neben vielen internationalen Stars ist auch der aus Bonn stammende Jazz-Trompeter Nils Wülker beim Jazzfest 2018 vertreten. Wülker gilt neben Till Brönner als einer der erfolgreichsten Jazz-Trompeter Deutschlands und begeistert mit oft Pop-nahen Improvisationen. Exklusiv für das Jazzfest arbeiten Julia Hülsmann und Christopher Dell erstmals zusammen; beide prägen die deutsche Jazzszene schon seit Jahrzehnten.

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Kommt aus Bonn: Der Trompeter Niels Wülker

Schwerpunkt Klavier

Das Jazzfest 2018 sei besonders klavierlastig, so Materna, aber: "Das war Zufall". Auf den vielfach ausgezeichneten Star Django Bates (29.04.) folgen unter anderem der aufstrebende norwegische Pianist Eyolf Dale (10.05.), der Japaner Makoto Ozone (10.05.) mit seinem Trio und der Amerikaner Aaron Goldberg (11.05.), ebenfalls mit Trio.

Zum Abschluss geht es noch einmal rund: Neben dem Projekt "Martin Albrecht - Scriabin Code" – einer Weiterentwicklung der Musik des visionären russischen Komponisten Alexander Skrjabin (1872-1915) – spielt auch das Trio um den Pianisten Michael Wollny. Letzterer ist schon zum vierten Mal auf dem Jazzfest dabei.

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Der Pianist Michael Wollny spielt schon zum vierten Mal auf dem Jazzfest

Quelle

03.05.2018

Musikalisches Feuerwerk bei der Bonner Operngala für die Deutsche AIDS-Stiftung

Liebesgeschichten, junge Stars und viel Glamour dominierten die Operngala - und ein ernstes Thema, das die Welt immer noch nicht genug beschäftigt. Das will die Gala ändern, und einen neuen Spendenrekord gab's auch.

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Ein verarmter Schauspielautor verliebt sich in eine schwindsüchtige junge Frau. Eine weitere Schwindsüchtige findet kurz vor ihrem Ableben die echte Liebe. Um ihren Liebhaber aus dem Gefängnis zu holen, wird eine junge Frau zum Sex mit einem Geheimpolizisten gezwungen. Eine andere Frau verweigert sich einem Mann und wird mit Folter und Tod bedroht. Ein Liebestrank besteht eigentlich nur aus billigem Wein, wirkt anscheinend dennoch. Ein Mann will im Duell sterben, weil er nicht dabei zusehen will, wie seine Geliebte einen anderen heiratet.

Bei all diesen bewegenden Geschichten tauchen wir in die Handlungen berühmter Opern ein. "Nirgendwo wird so schön gestorben wie in der Oper", brachte Ranga Yogeshwar, Moderator der 7. Bonner Operngala für die Deutsche AIDS-Stiftung, es auf den Punkt. Gleich zu Beginn versprach der bekannte Wissenschaftsmoderator dem Publikum: "Es werden viele Köpfe rollen."

Von Rossini bis Carl Orff

Es ist nicht mehr als eine weit verbreitete Mär, dass die großen Opernstimmen der Vergangenheit angehören. Davon konnten sich die Galabesucher am 28. April in der ausverkauften Bonner Oper beim Defilee junger und doch schon etablierter Stars überzeugen.

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Die Französin Aude Extremo eroberte das Publikum im Sturm

Es war ein langer, aber kurzweiliger und von den Initiatoren Helmut Andreas und Arndt Hartwig bis ins kleinste Detail perfekt inszenierter Abend. Zu Beginn hatte die französische Mezzosopranistin Aude Extremo die Aufgabe, das Publikum in Stimmung zu bringen - und sie löste diesen Auftrag brillant mit der Arie "Cruda sorte" (Grausames Schicksal) aus der Oper "Die Italienerin in Algier" von Gioachino Rossini. 21 Musikeinlagen und knapp vier Stunden später kam dann der Rausschmiss: Bei "O fortuna" aus Carl Orffs "Carmina Burana" standen die Sängerinnen und Sänger des Bonner Theaterchors links und rechts im Saal, um das Publikum im Parkett einer Klangorgie auszusetzen – mit markerschütternder Wirkung.

Auffallend war die große Wärme und der Schmelz in der Stimme des türkischen Baritons Kartal Karagedik. Dafür setzten zwei Sopranistinnen aus Russland unterschiedliche Akzente: Während Elena Bezgodkova mit herzzerreißender Emotion in der Stimme becircte, bot Kristina Mkhitaryan neben großer Strahlkraft auch leise, fein ziselierte Gesangslinien, die die Zeit zum Stehen brachten. Reif und kommunikationsfreudig war dagegen der Gesang der italienischen Mezzosopranistin Anna Bonitatibus: Sie singt nicht laut, muss es aber auch nicht: Durch ihre spannende Melodiegestaltung hielt es die Zuhörer kaum auf den Sitzen.

Viele Dezibels und Schauspielerei

Ihr Landsmann Ivan Magrì hatte gleich drei Auftritte und disponierte seine Kräfte so, dass er seine letzten Dezibels bei seiner Schlussarie "Che gelida manina" (Welch ein gefrorenes Händchen) aus Puccinis "La Bohème" herausholen konnte. Der andere italienische Tenor des Abends, Alessandro Scotto di Luzio, schien das gar nicht nötig zu haben: Neben glasklarer Tonhöhe und schöner Tonfarbe liefert er seine Fortissimi und schien dennoch weitere Reserven zu besitzen.

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Allessandro Scotto di Luzio

Zusammen mit Heather Engebretson gab Scotto di Luzio auch ein entzückendes Duett aus Donizettis "Der Liebestrank". Die amerikanische Sopranistin wirkt zierlich, ist aber nicht zu unterschätzen. Bei "Glitter and be gay" aus Leonard Bernsteins Operette "Candide" flirtete sie gekonnt schauspielernd mit dem Dirigenten und dem ersten Geiger, was ihr die stärksten Ovationen des Abends einbrachte. Zu den teils sehr flotten Tempi des Beethoven Orchesters Bonn lieferte Engebretson auch halsbrecherische Koloraturen.

Das Orchester hat in knapp einem Jahr unter der Leitung des neuen städtischen Generalmusikdirektors Dirk Kaftan deutlich an Präzision zugewonnen. Zum Abend ganz ohne musikalische Durchhänger erklärte Kaftan: "Die Sänger bringen ihre Lieblingsarien mit und zeigen sich damit von ihrer besten Seite. Im Programm fehlt dadurch eine rote Linie, es lebt aber durch Farbe und Vielseitigkeit."

Die immer noch unheilbare Krankheit

Es war nicht nur ein Abend der musikalischen Genüsse, sondern auch einer voller Informationen. Dazu gehörte immer wieder die Aussage: AIDS ist trotz medizinischer Fortschritte immer noch nicht heilbar. Diese Botschaft ins Ausland zu transportieren – und dass man sich schützen sollte – gehöre zu den Aufgaben der Deutschen Welle, sagte Programmdirektorin Gerda Meuer: "Auf unterschiedlichen Medienplattformen vom Fernsehen bis hin zu Online beteiligen wir uns an diesem Tabuthema. Viele Länder wollen nicht, dass wir das thematisieren. Wir machen das aber als Grundinformationsangebot."

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Anna Bonitatibus

39 Millionen Menschen sind weltweit bereits an AIDS und den Nachfolge-Krankheiten gestorben. Obwohl die Neuinfektionsrate in Deutschland relativ gering ist, muss die Deutsche AIDS-Stiftung auch hierzulande immer noch Aufklärungsarbeit leisten, so die Vorstandsvorsitzende Elizabeth Pott. "Die Stiftung versteht sich als Anwalt der Betroffenen und verbreitet auch wissenschaftliche Erkenntnisse", sagte sie der DW. In Bezug auf rechtskonservative Tendenzen etwa in den USA, die Prävention ausschließlich durch sexuelle Treue und Enthaltsamkeit befürworten, fügte sie hinzu: "Es geht nicht an, dass Ideologie verbreitet wird."

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Klein aber oho: Heather Engebretson

Zum Schluss konnte Gala-Initiator Helmut Andreas Hartwig ein stolzes Ergebnis verkünden: In den sieben Jahren der Bonner Operngalas konnten über eine Million Euro an die Deutsche AIDS-Stiftung überweisen werden, der Erlös dieses einzelnen Abends setze mit 230.000 Euro einen neuen Rekord.

Als Medienpartner übertrug die Deutsche Welle das Programm per Audio-Live-Stream und berichtet in den TV-Sendungen "Euromaxx" und "Sarah's Music". Auch eine Hörfunkübertragung ist vorgesehen: in der englischsprachigen DW-Sendung "Concert Hour".

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