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dal lunedì al venerdì 9.00-12.00; il lunedì anche 18.00-20.00

Wir wünschen euch allen einen schönen Sommer und eine erholsame Zeit!

Film Animation 400x213 horizontal

 

15. Januar - 11. März 2016

Goethe-Zentrum Verona

Freitags um 18.00 Uhr

 

Wie viele Arten des Glücklich-Seins gibt es? Und vor allem: Was ist Glück überhaupt?
Seit Jahrhunderten wird man zu diesem Gefühl befragt, jenes schwer fassbare, das wir alle anstreben und es scheint unmöglich eine Antwort zu finden. Die Filmreihe „Die Suche nach dem Glück - Aus der Sicht des deutschen Kinos", erzählt von vielen außergewöhnlichen und unvorhersehbaren Wegen, das Glück in unser Leben zu bringen.

Nicht durch Zufall bedeutet das Wort „fortuna" im deutschen sowohl Glück haben, als auch Glückseligkeit und manchmal sind es insbesondere die waghalsigen Abenteuer, die uns unerwartet Freude schenken: das zeigen die vielen Komödien des Programms, Beispiele, wie das Glück oft aller Widrichkeiten zum Trotz seinen Platz im Herzen der Protagonisten findet.
Aber jeder hat letztendlich seine eigene Vorstellung davon, was ihn glücklich macht: Liebe, Freundschaft, Geld, Macht und manchmal sogar die eigenen Neurosen.

Die Filmreihe durchstreift viele verschiedene Wege, um diesem kostbaren Ziel näher zu kommen, auch in den Ereignissen der dramatischsten Filme, die von Ausgrenzungen oder Krankheiten erzählen, fehlt aber niemals die Hoffnung auf ein besseres Morgen.
Und mit allem Respekt für Tolstoi, auch die glücklichen Familien sind nicht alle gleich, oft ist ihre Harmonie ein gut verborgenes Geheimnis und ein Film kann dies auf überraschendste Art und Weise enthüllen.

Eine Reihe von nicht zu verpassenden Titeln, die Licht auf ein Gefühl werfen, schön und geheimnisvoll zugleich! Das aber vor allem eines möchte: das Vergnügen des großen Kinos seine Zuschauer glücklich zu machen.

 

- Freitag 15. Januar 2016

Ein Geschenk der Götter (Regie: Oliver Haffner, Farbe, 102 Min., 2012 - 2014)

Die Schauspielerin Anna verliert überraschend ihr Engagement an einem kleinen deutschen Stadttheater. Vom örtlichen Jobcenter kann sie wenig Hilfe erwarten – doch da arbeitet eine nicht unbedingt kämpferische, aber vom Theater begeisterte Sachbearbeiterin. Anna übernimmt die Leitung eines Schauspielkurses für acht Langzeitarbeitslose. Anfangs reagiert keiner von ihnen begeistert, auch nicht auf das Drama „Antigone", das Anna mit ihnen einstudieren will – doch dann wachsen die skeptischen und schwierigen Individuen zu einer Gemeinschaft zusammen, die allen Anlass zur Hoffnung gibt. EIN GESCHENK DER GÖTTER ist eine Tragikomödie, in der die Bühne zum Schauplatz einer kollektiven Rückeroberung von individuell verlorener Selbstachtung wird.

Am Anfang war die leicht zu durchschauende Lüge. Der Intendant, der die Schauspielerin Anna feuert, behauptet, sie sei zu gut für das kleine Stadttheater; die Kündigung würde der 36-jährigen Schauspielerin die längst verdiente Chance eröffnen, auf bedeutenderen Bühnen zu spielen. Durch diese Kränkung und den unerwarteten Absturz in die Arbeitslosigkeit ist Anna auf ihre kommende Aufgabe bestens vorbereitet: Ihre „Schüler", acht Langzeitarbeitslose, fühlen sich frustriert, gedemütigt und haben die Hoffnung, irgendwann doch noch vermittelt zu werden, weitgehend aufgegeben. Eigentlich war ihnen ein Computerkurs versprochen worden, doch dafür wurden kurzfristig die Mittel gestrichen. Die Arbeit mit Anna muss ihnen als sinnlose und aufgezwungene Maßnahme vorkommen, die ihnen langfristig nicht helfen kann. Kein Wunder, dass sie desinteressiert und widerwillig reagieren, manchmal auch flegelhaft und aggressiv. Dass sie ausgerechnet „Antigone", das Drama von einem alten Griechen einstudieren sollen, macht sie wohl erst recht skeptisch. Nur Dimitri, der Grieche, scheint Gefallen an seiner Aufgabe zu finden, schließlich soll er den König Kreon spielen, und, so erklärt er stolz: „Durch mich spricht die Geschichte meines Landes!" Leider begründet er damit auch sein schwülstiges Pathos.

Knapp skizziert Autor und Regisseur Oliver Haffner die sozialen Hintergründe seiner Figuren. Max, der sich anfangs aggressiv weigert, an einer Leseprobe teilzunehmen, erweist sich als Legastheniker, der sich eine zusätzliche Demütigung ersparen will. Friederike – für die Titelrolle vorgesehen – leidet unter ihrem mental erkrankten Lebensgefährten, der lieber nach Phantomen am Himmel sucht, als sich um die beiden kleinen Kinder zu kümmern. Franz hat den Konkurs seiner kleinen Schreinerei noch nicht überwunden, zeitweise verlässt ihn seine Frau. Mit seiner physischen Präsenz und Ruhe verhindert er immer wieder handfeste Folgen der Aggression in der Gruppe. Hubert, der als notorischer Nörgler so gar nicht in die Gruppe zu passen scheint, leidet an einem schweren Schuldkomplex. Betty, nicht mehr ganz jung, hat ihr Leben lang gearbeitet und begreift nicht, dass sie jetzt keinen Job mehr hat und sich dieser Beschäftigungs-Therapie unterwerfen soll.

Anna bleibt unerschrocken, zieht tapfer ihr scheinbar aussichtsloses Projekt durch, bis die Beteiligten ihre persönlichen Erfahrungen, Verletzungen und Emotionen in ihr Spiel einbringen. Von den Problemen bleibt auch Annas Privatleben nicht unberührt. Klaus, ein Regisseur, macht sie dreist an – und wird neuer Intendant am Stadttheater. Auch Dimitri wird zudringlich, mit ihm wird sie eine Nacht verbringen, nachdem sie herausgefunden hat, dass der notorische Angeber ein sehr tapferer Verlierer ist. Überraschend stellt das Stadttheater für die Aufführung der „Antigone" seine Bühne zur Verfügung. Statt des von Anna befürchteten Fiaskos werden die Beteiligten mit Standing Ovations belohnt, das Publikum hat ihre authentische Ehrlichkeit begriffen. „In unserem Film erobern sich am Ende die Verdrängten, Ausgeschlossenen und Unbequemen diese Bühne zurück, und die scheinbaren Machthaber sitzen staunend im Publikum, ohne genau zu wissen, wie ihnen geschieht. Das Theater macht aus den gesellschaftlichen Verlierern strahlende Helden." (Oliver Haffner)

Natürlich ist EIN GESCHENK DER GÖTTER ein Märchen – aber ein rebellisches, das die Verhältnisse von Oben und Unten – konkret: Bühne und Parkett – auf den Kopf stellt, optimistisch von schwierigen Heilprozessen erzählt und dabei noch im Happy End glaubwürdig bleibt, ganz im Sinn von Brecht, der gesagt hat: „Die leichteste Weise der Existenz ist in der Kunst."

 

- Freitag 22. Januar 2016

Finsterworld (Regie: Frauke Finsterwalder, Farbe, 95 Min., 2012/13)

FINSTERWORLD spielt in einem scheinbar aus der Zeit gefallenen Deutschland. Ein Land, in dem immer die Sonne scheint, Kinder Schuluniformen tragen, Polizisten sich als Bären verkleiden und Fußpfleger alten Damen Kekse schenken. Hinter der Schönheit dieser Parallelwelt lauert jedoch der Abgrund – und dorthin geht die Reise.

Ein gleichermaßen verzauberter wie entzaubernder Heimatfilm und eines der aufregenden deutschen Spielfilmdebüts des Jahrs 2013, entstanden nach einem Drehbuch von Christian Kracht, dessen erster Roman Faserland (1995) immer schon dazu herausforderte, seinen Titel mit gelispeltem „s" (also als „th") auszusprechen, womit er sich unter der Hand zu „Fatherland" verwandelte. FINSTERWORLD schließt zwar auf raffinierte Weise an Faserland an, aber während die Protagonisten in Krachts Roman ausgiebig über die ästhetische Totalkatastrophe Deutschland sinnierten, ist FINSTERWORLD eine eher zarte und behutsame Hasserklärung an Deutschland.

In fünf Handlungssträngen, verpackt im drollig kuscheligen Kostüm einer leichten Charakterkomödie werden erstaunlich souverän die Leerstellen zwischen Unschuld und Perversion, Liebenswürdigkeit und Barbarei, Beiläufigkeit und Pathos ausgelotet: die Fahrt eines Oberstufenkurses unter der Leitung des engagierten Lehrers Nickel (Christoph Bach) in ein ehemaliges Konzentrationslager, die Paar-Probleme eines Polizisten (Ronald Zehrfeld) und einer frustrierten Dokumentarfilmemacherin (Sandra Hüller), die Romanze eines Fußpflegers (Michael Maertens) mit einer Frau im Altenheim (Margit Carstensen), die Geschichte eines im Wald lebenden Einsiedlers (Johannes Krisch), der einen Raben großzieht, und die Autofahrt eines wohlhabenden und darüber etwas versnobt gewordenen Best-Agers-Paares (Corinna Harfourch und Bernhard Schütz), deren Sohn an der erwähnten Klassenfahrt teilnimmt und dessen Oma wiederum die Frau im Altenheim ist. Allein das Licht für jede dieser Episoden ist passgenau gesetzt - mal liegt es leicht mattiert und flächig auf den Lederpolstern der Limousine, mal gleißt es über dem blühenden Rapsfeld, dann wieder fällt es retro-staubig durch die zerschlissenen Vorhänge im Altenheim, wenn der Fußpfleger der Klientin seine Liebe gesteht.

Die einzelnen Segmente sind verstörend miteinander verwoben, und die Dialoge treffen wie Messerstiche in die Befindlichkeiten unserer Gesellschaft und Zeit. Wie in einer Spirale drehen sich die Charaktere umeinander und sich selbst, bis hin zum dramatischen Schluss, den keiner wollte, den auch keiner kommen sah, der im Rückblick aber eine berückende Zwangsläufigkeit hat.

Christoph Bach, der Darsteller des Lehrers Nickel bekannte in einem Interview: „Schon bei der ersten Lektüre des Drehbuches war mir ein bisschen so, als würde ich einem Ufo begegnen: ganz plötzlich steht so etwas auf der Sommerwiese vor mir – völlig unbemerkt von den üblichen Radarsystemen. Es ist wunderschön, höchstwahrscheinlich gefährlich und irgendwie auch lustig. Vielleicht lag es daran, dass mir auch die Figuren in FINSTERWORLD wie Aliens vorkamen. Auch beim genaueren Lesen blieben die Charaktere in Bewegung: morgens erschienen sie mir sehnsüchtig und liebenswert, abends waren sie potentiell zu jeder Grausamkeit fähig."

Den Moment, in dem alles kippt, kann man indes nicht beschreiben, vielleicht weil er gar nicht recht auffindbar ist. Der große Umschwung, er passiert schleichend, viele kleine Abgründe tun sich auf und das mit großer Wirkung.

Empfehlungen:

„Eine böse Satire, die sich in episodischem Wahnsinn durch deutsche Komplexe bohrt." (Süddeutsche Zeitung)

„FINSTERWORLD ist aufgeladen mit grandiosen, provokanten Sätzen, die man so im Kino selten hört." (BR KinoKino)

„In gleißendem Sonnenlicht schlendern ein Mädchen und ein Junge, Natalie (Carla Juri) und Dominik (Leonard Scheicher), in Schulblazer und Krawatte einen menschenleeren Gehsteig entlang, vorbei an einem weißen Zaun. Der steht, samt der akkurat geschnittenen Hecke dahinter, für die Vorstadtidylle, unter der sich auch bei David Lynch stets die schlimmsten Abgründe verbergen." (Die Zeit)

„Finster ist es selten in diesem sanft überdrehten und hochkarätig besetzten Ensemblefilm. [...] Finsterwalders finstere Welt funktioniert mehr wie ein modernes Märchen, bei dem jemand die Parameter von Gut und Böse verschoben hat. Uniform und Zottelpelz, das Wilde und das Ordentliche: So kreist FINSTERWORLD in mehr oder weniger skurrilen Episoden um sehr deutsche Obsessionen – und träumt letztlich von der unmöglichen Rückkehr in die Unschuld." (Tagesanzeiger)

 

- Freitag 29. Januar 2016

Zeit der Kannibalen (Regie: Johannes Naber, Farbe, 93 Min., 2014)

Drei erfolgreiche Unternehmensberater, die als Frontsoldaten des globalen Kapitalismus durch die Industriemetropolen der Welt touren, um zu vollstrecken, was anderswo als effizient beschlossen wurde. Ebenso unterkühlte wie schrille Groteske.

Öllers und Niederländer sind Unternehmensberater. Seit Jahren touren sie um den Globus als hochdotierte Frontschweine des internationalen Kapitalismus, die doch immer auch gründlich Abstand zur Wirklichkeit ‚da draußen' halten, die sie nur als staubige Silhouette hinter den Fenstern ihrer klimatisierten Luxus-Hotels wahrnehmen. Bisher glaubten die beiden Manager immer, alles im Griff zu haben. Plötzlich müssen sie sich aber mit einer neuen Kollegin auseinandersetzen, die ihren alten Kumpel Hellinger ersetzen soll, der unerwartet einen ‚krassen Karrieresprung' hingelegt hat indem er zum Teilhaber der Company aufgestiegen ist. Aber das ist erst der Anfang der Schrecken, die da noch kommen sollen: warum stürzt sich dieser Hellinger gerade jetzt, so kurz nach seiner Ankunft im Olymp aus dem Fenster? Und was hat es mit den Gerüchten von einer feindlichen Übernahme der Firma auf sich? Die Nerven sind zunehmend zerrüttet. DIE ZEIT DER KANNIBALEN ist eine ebenso unterkühlte wie schrille Groteske über den Fall aus den Tempeln der Hybris hinab in den Hades der Kümmerlichkeit – und unterdessen haben muslimische Freischärler auch noch das Hotel gestürmt. (Ralph Eue)

Director's Statement:

ZEIT DER KANNIBALEN erzählt über die Innenwelten dreier Unternehmensberater, die für einen ungenannten, internationalen Konzern Produktionsstandorte in der ganzen Welt erschließen und abwickeln. Globale Strippenzieher jenseits der Politik, die sich gegenüber keiner Öffentlichkeit verantworten müssen und deren einzige Ziele ihre Karriere und der Profit ihrer Firma sind.
Ihr Leben ist auf Effizienz getrimmt, deshalb verbringen sie ihre Zeit in Suiten, Lounges und Konferenzräumen von Hotels, die auf der ganzen Welt gleich aussehen. Dort arbeiten, schlafen und essen sie. Dort empfangen sie ihre Kunden, dort halten sie ihre Meetings ab.
Der Film zeigt die groteske Seite dieses Luxusgefängnisses. Die Koordinatensysteme der Helden orientieren sich nicht an der Realität, sondern an der Kunstwelt, die sie selbst geschaffen haben. Die einzige Wirklichkeit, die für sie zählt, sind der Room Service und die Optimierungstools ihrer Company.
Der Zustand des entfesselten Kapitalismus wurde in den letzten Jahren hinlänglich beschrieben, der Wille zur Regulierung ist gesellschaftlicher Konsens. Und doch herrscht Starre. Die Politik kann sich trotz besseren Wissens aus der Umklammerung der Wirtschaft nicht mehr befreien.
Diesem absurden Zustand kann man nur mit einem absurden Film begegnen. Deshalb ignoriert ZEIT DER KANNIBALEN die aktuellen Strömungen des deutschen Kinos vollständig, er verweigert sich dem Realismus. Er ist komplett im Studio gedreht. Die Kulissen vor den Fenstern der Hotelzimmer bestehen aus Pappkartons und Bühnennebel. Die Charaktere sind überzeichnet, die Handlung gleitet ins Surreale.

Johannes Naber (im Januar 2014)

Empfehlungen:

„Warum Nabers rabenschwarzes Meisterwerk nicht im Wettbewerb der Berlinale läuft sondern in der nachgeordneten Reihe ‚Perspektive Deutsches Kino' muss man nicht verstehen. Anschauen muss man den Film aber unbedingt. So viel Treffliches ist in dieser Reduktion selten über die abgehobene globalisierte Finanzwelt gesagt und gezeigt worden. Und selten hat das solch abgründigen Spaß gemacht." (Berliner Morgenpost)

„In seiner schwarzhumorigen, kompromisslos bösartigen Haltung ist ZEIT DER KANNIBALEN entlarvend, erhellend und außerordentlich unterhaltsam zugleich." (Tip Berlin)

„Sarkasmus vom Feinsten" (Blickpunkt: Film)

Biographie des Regisseurs:

Geboren 1971 in Baden-Baden. Johannes Naber studierte von 1991 bis 1993 Philosophie und Indische Philologie an der Freien Universität Berlin und anschließend Film und Medien an der Filmakademie Baden-Württemberg. Nach Absolvierung seines Diploms lebt er wieder in Berlin und arbeitet als Regisseur und Drehbuchautor.

Filmographie:

2013 ZEIT DER KANNIBALEN
2010 Der Albaner
2007 Der Zweifel (Kurzfilm)
2005 Anfassen Erlaubt (Dokumentarfilm)
1999 Popstar (Diplomfilm)

Ralph Eue

 

- Freitag 05. Februar 2016

Kurzfilme:

1) Der Ausreißer (Regie: Ulrike Grote, Farbe, 23 Min., 2005)

Ausreisser1 Copyright Ulrike Grote

Copyright Ulrike Grote

Als Walter morgens eilig seine Wohnung verlässt, steht ein Junge vor der Tür und will von ihm zur Schule gebracht werden – seine Mutter hätte ihn geschickt. Als der kleine Yuri ihm hinterherläuft, gibt Walter klein bei. Am Schultor ruft das Kind: „Tschüss, Papa!" Von einem Sohn weiß der Mann nichts, aber auf seinem Fahrrad findet er die Schultasche des Jungen mit einer Adresse. Sie erinnert Walter an eine Jahre zurückliegende Affäre mit Kathrin. Die Frau aber ist weder in ihrer Wohnung noch am Telefon zu erreichen.

Technische Angaben

Walter Dahlmanns Tag beginnt wenig verheißungsvoll: Er brennt sich am Bügeleisen, eine Glühbirne knallt durch, das Radio meldet eine Straßensperre wegen eines schweren Unfalls – unausgesprochen könnte es jener sein, der Walters Leben verändern wird. Und dann steht auch noch dieser hartnäckige fremde Junge vor der Tür, der darauf besteht, dass ihn Walter in die Schule bringt und erstaunt fragt: „Hast du kein Auto?" Walter kümmert sich nicht um Yuri und radelt einfach los, bis ihn ein Rettungswagen im Einsatz irritiert innehalten lässt. Ist dem Kind was zugestoßen? Doch der Junge war ihm gefolgt, Walter bringt ihn zur Schule und begibt sich für ein verabredetes Bewerbungsgespräch in eine Bank. Er blitzt schnell ab, auch weil er verspätet zu dem Termin erschienen ist. Walter findet auf seinem Rad die Schultasche des Jungen, der offensichtlich den Unterricht geschwänzt hat. Er entdeckt ihn auf einem Eisplatz und nimmt ihn mit nach Hause. Alle Versuche, Yuris Mutter zu finden, bleiben erfolglos. Das Kind sagt schon wieder „Papa" zu Walter; der will das nicht. Beim Gerangel mit dem Kind knallt Walters kleines Aquarium zu Boden, der Fisch ist tot – noch ein böses Omen für den Ausgang des Tages. Die Nacht wird nicht einfacher. Walter muss Yuris kleine Puppe aus der Wohnung der Mutter holen; auch der Junge taucht dort auf. In der Wohnung wird Walter immer klarer, dass er der Vater des Jungen ist, doch er „wollte nie Papa sein", nur Kathrin wollte ein Kind. Wieder haut der Knabe ab, Walter findet ihn schwer verletzt im Krankenhaus auf der Intensivstation. Seine Mutter kam bei einem Unfall ums Leben. Yuri fragt Walter: „Wer bist du?", er bekommt keine Antwort. Am Ende aber wird der Mann endlich die Rolle des Vaters akzeptieren.

AUSREISSER entstand als Teil eines Kompilationsfilms über die Nöte und Träume von Kindern. Über das Stichwort „Träume" wird auch die vorletzte, irritierende Sequenz im Krankenhaus, mit der Ulrike Grote den bis dahin prägenden Realismus ihrer Inszenierung durchbricht, verständlicher. Der Unfall, bei dem Yuri schwer verletzt und seine Mutter getötet wurde, muss sich bereits am Morgen des Tages ereignet haben, an dem der Junge bei seinem ihm unbekannten Vater auftauchte. Also ließe sich die Geschichte auch als Traum des Kindes auf der Intensivstation verstehen.

 

2) Die rote Jacke (Regie: Florian Baxmeyer, Farbe, 20 Min., 2002)

Walters Sohn ist tödlich verunglückt. Verzweifelt wirft der Vater die rote Lieblingsjacke des Sohns mit dem Logo des Fußballclubs „Bayern München" in einen Müllkorb. Über die Abfallverwertung gelangt die Jacke nach Sarajewo – es ist die Zeit des Bosnienkriegs. Der kleine Nikola klaut die rote Jacke aus einem Kleider-Container und läuft nach Hause. Sein Elternhaus steht in Flammen, Vater und Mutter kamen ums Leben. Der Junge wird angeschossen und von einer Hilfstruppe der UN nach Deutschland gebracht. Die rote Jacke führt ihn zu Walter.

Technische Angaben

Zwei tragische Geschichten aus Europa, die am Ende Anlass zu neuen Hoffnungen geben. Auf den ersten Blick haben die beiden Handlungsstränge nichts miteinander zu tun: Walter, der in Hamburg seinen Sohn verloren hat, verbindet zunächst nichts mit dem Schicksal des armen Jungen in Sarajewo, dessen Eltern im Bürgerkrieg (1992 - 1995) ums Leben gekommen sind. Und doch führen die beiden Tragödien am Ende zu einem gemeinsamen Ziel: zu einer Adoption, die (noch) nicht offiziell stattfindet, sondern „nur" emotional. Dabei ist nicht einmal klar, wer wen wirklich adoptiert: Walter den fremden Jungen – oder Nikola den fremden Deutschen. Sehr bewusst geht es hier um Gefühle und nicht um Autorität oder Macht. Das lässt sich auch politisch verstehen: Europa rückt näher zusammen. Und die politische Mission der Blauhelm-Soldaten erhält vor diesem Hintergrund als humane Aktion ihre zusätzliche Bedeutung.

Wie bei vielen Kurzfilmen, in denen es um Kinder geht, hat auch DIE ROTE JACKE die Grundtendenz zum Exemplarischen. Dass die rote Jacke – dramaturgisch erfüllt sie genau die Aufgabe des „MacGuffin" im Werk Alfred Hitchcocks als Objekt, das dem Fortlauf der Handlung dient, ohne selbst von Interesse zu sein – aus Sarajewo nach Hamburg zurückkommt, dass die Verluste von Walter und Nikola am Ende zu einer gemeinsamen Heilung führen könnten, mag man durchaus als realitätsfern bezeichnen. Doch die realistische Inszenierung wirkt von Anfang an dem Märchencharakter der Konstruktion entgegen. Während der Unfall von Walters Sohn im Bild noch weitgehend ausgespart bleibt und eher indirekt gezeigt wird, inszenierte Florian Baxmeyer die Kriegsbilder aus Bosnien und die Rettung des verwundeten Jungen überraschend realistisch und mit einem Aufwand, der für deutsche Kurzfilme ziemlich ungewöhnlich ist. Dabei soll die Bundeswehr mit Mann und Material geholfen haben; sogar eine Transall-Maschine fliegt durch eine Szene, obwohl allein „einmal anlassen ein paar tausend Euro kostet". Selbst den Sprachbarrieren trägt der Film durch seinen weitgehenden Verzicht auf Dialoge glaubhaft Rechnung. Das Finale bedeutet noch längst kein Happy End, aber den Anfang davon, und eine optimistische Metapher für eine mögliche Zukunft Europas.

 

3) Gregors größte Erfindung (Regie: Johannes Kiefer, Farbe, 11 Min., 2001)

Herta, eine alte Frau, lebt zusammen mit ihrem Enkel Gregor in einem Haus auf dem Land. Sie kann kaum noch gehen, wird immer gebrechlicher und ist zunehmend auf den Rollstuhl angewiesen. Von ihren drei energischen Freundinnen wird sie bedrängt, zu ihnen ins Altersheim zu ziehen. Gregor, ein leidenschaftlicher Tüftler, liebt seine Großmutter und fragt sich, wie er verhindern kann, dass sie im Altersheim untergebracht wird. Nach einigen vergeblichen Versuchen kommt ihm ein genialer Gedanke, der es seiner Oma ermöglicht, wieder laufen zu können.

Hinter der eher idyllischen Oberfläche versteckt sich ein brandaktueller Film über eines der ganz großen, ungelösten und in Zukunft noch schwieriger zu bewältigenden sozialen Probleme des Landes: Es geht um die Rolle der alten Menschen in einer überalternden Gesellschaft, in der die traditionellen Familienverbände längst in Auflösung begriffen sind; Senioren und Seniorinnen werden sogar in Heime im Ausland abgeschoben, während im Inland gestritten wird über die adäquate Pflege der Alten, die sich allein mit einheimischen Arbeitskräften weder realisieren noch finanzieren lässt. Gewöhnlich ist das ein in der Regel deprimierendes Thema für kritische Magazinsendungen im Fernsehen. Vor diesem Hintergrund bekommt diese kleine komödiantische Träumerei des Autors und Regisseurs Johannes Kiefer, mag sie auf den ersten Blick noch so naiv und harmlos erscheinen, eine durchaus anarchische Dimension – sobald man den Film als konstruktives Märchen akzeptiert und nicht als realistische Gebrauchsanweisung für den Umgang der Gesellschaft mit alten Menschen.

Sogar das selbstherrliche, leicht tyrannische Damentrio aus dem Altenheim kann nicht als Normalfall gelten: Sie leben luxuriöser als die Mehrheit der deutschen Senioren, ihre mobile Unabhängigkeit – sogar ein eigener Fahrer mit Kleinbus steht ihnen regelmäßig zur Verfügung – ist die rare Ausnahme. Und doch findet der Film ein bitteres Bild für sie: Einmal, wenn sie ihr versorgtes Leben im Heim preisen, zeigt Johannes Kiefer ein Aquarium mit Zierfischen. Diese haben ausgesorgt, aber bewegen sich nur noch in einem engen künstlichen Raum, genau wie die Bewohner des Heims. Da ist die Freiheit von Gregors Oma ein ganz anderes, wertvolleres Gut. Das Ganze ist auch ein Märchen, also kann es auch auf die Frage verzichten, weshalb der Enkel keine Freundin haben will, sondern lieber einen alten Küchenmixer zum Massagegerät umbaut, um die kranken Beine seiner Oma zu behandeln. Folgerichtig wenden sogar die vermeintlichen Katastrophen die Geschichte zum Guten: Als Gregor seine Oma durch eine idyllische Landschaft schiebt und nur kurz den Rollstuhl abstellt, macht sich dieser selbständig und landet mitsamt der alten Dame in einem Teich. Statt zu ertrinken beginnt sie, das von der Tragkraft des Wassers scheinbar reduzierte Körpergewicht zu genießen, eine Erfahrung, die Gregor zu seiner Erfindung führt. Dabei geht es ganz einfach um die Überwindung der Schwerkraft.

 

- Freitag 12. Februar 2016

Die Farbe des Ozeans (Regie: Maggie Peren, Farbe, 91 Min., 2010/11)

Ridotta FARBE DES OZEANS 03 Copyright Pere Pueyo

Copyright Pere Pueyo

Unheil im Urlaubsparadies: Auf den Kanarischen Inseln wird die deutsche Touristin Nathalie Zeugin einer Flüchtlingstragödie. Ein Boot mit Afrikanern ist gestrandet; unter den Überlebenden sieht sie einen Mann mit seinem kleinen Sohn. Nathalie will helfen, ein Polizist schickt sie weg; sein Alltag hat ihn unbarmherzig gemacht. Doch der Flüchtling Zola und der kleine Mamadou nehmen Kontakt mit der Deutschen auf, sie entscheidet sich für die Hilfsbedürftigen – gegen den Willen ihres Mannes. Doch das Geld, mit dem sie dem Afrikaner zur Flucht aufs Festland verhelfen will, führt zu einer Katastrophe, die Nathalie nicht absehen konnte. DIE FARBE DES OZEANS ist ein brandaktueller Film über die humanitären und politischen Probleme Europas im Umgang mit dem afrikanischen Zuwanderungsstrom.

Dem spanischen Polizisten José sind die Probleme über den Kopf gewachsen, privat wie beruflich. Er verweigert seiner Schwester Marielle die Hilfe, weil er einfach nicht mehr weiß, wie er mit ihrer Drogenabhängigkeit umgehen soll. José würde am liebsten auch die vielen afrikanischen Flüchtlinge abweisen, deren Boote an der Küste der kanarischen Insel stranden. Er ist ein einsamer, zynisch gewordener und allein gelassener Mann. Rigoros schickt er die deutsche Urlauberin Nathalie weg, die am Schauplatz eines Flüchtlingsdramas spontan zu helfen versucht, bevor er und seine Untergebenen die Toten einsammeln und die Davongekommenen zur Vernehmung in ein Lager bringen. Der Afrikaner Zola, der mit seinem kleinen Sohn Mamadou überlebt hat, behauptet strikt, er stamme aus dem Kongo, dem Land des Bürgerkriegs, das würde ihm bei den Behörden die Anerkennung als politischer Flüchtling erleichtern; José hingegen ist fest davon überzeugt, dass die beiden aus dem Senegal stammen. Er läßt sich auch von seiner Mitarbeiterin Carla nicht dazu bewegen, wenigstens einige der Flüchtlinge als Kongolesen anzuerkennen, was einer Art Gnadenerlaß gleichkäme. Er hält ihr entgegen: Wer soll die Auswahl treffen, nach welchen Kriterien?
Zola hat panische Angst vor der Abschiebung und flieht mit Mamadou aus dem Lager. Mit Hilfe eines scheinbar gutwilligen Afrikaners findet er ein Versteck und schafft es, mit der hilfsbereiten Touristin aus Deutschland Kontakt aufzunehmen. Nathalies inzwischen nachgekommener Ehemann Paul ist strikt dagegen, dass sich seine Frau einmischt oder engagiert; wichtiger ist ihm ein schöneres Hotelzimmer. Dennoch bringt Nathalie dem Flüchtling neue Kleidung, mit denen er nicht mehr sofort als Flüchtling aus dem Lager zu identifizieren ist. Zola bittet Nathalie um Geld, mit dem er seine Flucht aufs Festland finanzieren könnte. Hinter Pauls Rücken erfüllt die Frau auch diesen Wunsch.
José steht vor einer Katastrophe: Seine verzweifelte Schwester hat sich das Leben genommen – ein Freitod, den er vielleicht hätte verhindern können. Dass er sich an Marielles Dealer abreagiert, mag ihn erleichtern, helfen wird es ihm nicht. Wenig später geschieht das nächste tödliche Drama: In seinem Versteck wird Zola von seinem vermeintlichen Helfer brutal zusammengeschlagen und ausgeraubt. Als man ihn findet und ins Krankenhaus bringt, ist der Mann vom Hals ab gelähmt und fragt: „Wenn ich tot wäre – dürfte Mamadou dann bleiben?" Nach einem heftigen Streit mit Paul fährt Nathalie ins Krankenhaus. Sie kommt zu spät, Zola ist gestorben. José weiß das bereits und erklärt: „Alles ist gut!" Und er hat Nathalies Hilfsbereitschaft und Engagement endlich verstanden. José fährt mit Mamadou, der in ein spanisches Heim kommen wird und glaubt, sein Vater sei in Paris und werde ihm Geld schicken, an den Strand. Die nächsten Flüchtlinge sind gelandet. Ein Kreis schließt sich.

DIE FARBE DES OZEANS ist ein Film, der viele notwendige und dringende Fragen stellt, sich aber nicht anmaßt, diese auch lösen zu können. Selbst innerhalb der Geschichte bleiben offene Stellen: Woher kommt Zola wirklich? Es spielt keine Rolle. Entscheidender die Frage, wie groß seine Verzweiflung war, als er sich für die lebensgefährliche Flucht entschied. Woran ist Zola gestorben? An den Folgen seiner Verletzungen? Wollte er aktiv mit seinem Tod Amadou retten? Hat jemand beim Sterben mitgeholfen? Der gelähmte Mann war zu einem Selbstmord nicht mehr in der Lage. Der Polizist José? Er ist kein Rassist, er ist gegen die Fluchten und ihre Umstände, die zum Tod von vielen Menschen, vor allem von Kindern, führen. In einem zentralen Moment des Films fragt Paul seine Frau nach der Logik ihres Verhaltens. Nathalie anwortet: „Es gibt keine Logik!" Genau dies bedeuten auch die vielen Parallelmontagen, die nahezu alle Motive des Films miteinander in Verbindung bringen, nonverbal – und gerade deshalb überzeugend.

Maggie Peren

Geboren 1974 in Heidelberg, studierte Literaturwissenschaften in München und schrieb zu dieser Zeit ihre ersten Drehbücher (VERGISS AMERIKA, DAS PHANTOM). Es folgten zahlreiche weitere Drehbücher, u.a. GANZ UND GAR und KISS AND RUN, sowie, gemeinsam mit Stefan Schaller, HÄNDE WEG VON MISSISSIPPI.

Filmografie (nur Regie)

2005 HYPOCHONDER (Kurzfilm)
2007 STELLUNGSWECHSEL
2010/11 DIE FARBE DES OZEANS

Hans-Günter Pflaum

 

- Freitag 19. Februar 2016

So glücklich war ich noch nie (Regie: Alexander Adolph, Farbe, 92 Min., 2008/2009)

Ridotta So gluecklich war ich noch nie 07 Copyright Goethe-Institut

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Sein Flirt mit der Kundin einer Boutique wird dem Betrüger Frank (Devid Striesow) zum Verhängnis: Er fliegt auf und kommt ins Gefängnis. Nach seiner Entlassung trifft er Tanja (Nadja Uhl) wieder, die Frau aus der Boutique. Er setzt sich in den Kopf, sie aus dem Bordell zu befreien, in dem sie arbeitet. Dabei verfällt er wieder seiner Sucht, mit wechselnden Identitäten zu spielen.

Das Leben ist eine Autosuggestion, besonders in Krisenzeiten. Anders wäre es gar nicht auszuhalten, ohne Schönreden, Schöngucken, schöne Augen machen. Frank Knöpfel macht dem Leben ständig wunderschöne strahleblaue Augen. Er kauft einer wildfremden Kundin in der Edelboutique einen sehr teuren Mantel, einfach so, weil er Lust darauf hat. Er gibt sich mal als Geschäftsmann aus Oslo, mal als Mafia-Boss, mal als Börsenspezialist, mal als Immobilienmakler aus, je nachdem, was sich auszahlt.

Frank Knöpfel ist jedenfalls ein Mensch, der gerne in den Spiegel sieht. Was er dort sieht, findet sein Wohlgefallen. Zu Beginn dieses Films ist er ein cooler Typ mit umgehängtem Kaschmirpulli, der in einer Edelboutique groß einkauft. Den passenden Gürtel bekommt er natürlich gratis. Es weiß ja auch niemand, dass seine Kreditkarte geklaut ist. Frank ist freundlich wie kein Zweiter. Einer gutaussehenden Kundin in der Boutique will er gleich noch einen Mantel spendieren. Wie ein Verkäufer umspült er sie mit schönen Worten: „Sie brauchen diesen Mantel nicht, der Mantel braucht Sie!" Sie bemerkt wohl als Erste, dass Franks Freundlichkeit etwas Zwanghaftes hat. Sie lehnt ab. Inzwischen hat aber auch das Kassenpersonal realisiert, dass die Kreditkarte nicht sauber ist. Pech für Frank.

Die darauf folgende Gefängnisstrafe bringt keine Heilung: kaum zurück in der grauen Realität eines gerichtlich auf Bewährung verordneten Ein-Euro-Jobs, entdeckt er die vermeintlich gut situierte Blondine ausgerechnet in einem Bordell. Um sie dort auszulösen, kehrt er zu seinen bewährten Methoden zurück, gibt den gebräunten Makler, den Anlageberater mit millionenschweren Aktiendeals, der seine Opfer mit Gewinnen aus verbotenem Insiderhandel ködert, oder den Geschäftsmann auf Achse zwischen London, Oslo und Moskau. Wie immer ist er dank ausgeprägter Menschenkenntnis rasch am Ziel. Nur dass ihn diesmal die Frau an seiner Seite schneller durchschaut als ihm lieb sein kann.

Für die sich aufdrängende Frage nach dem Weltbild und den Wahrnehmungsmodi einer solchen Figur findet Regisseur Alexander Adolph feingefügte Bilder und Szenen, hat der Filmemacher doch aus vier realen Betrügern, die er in seinem Dokumentarfilm „Die Hochstapler" porträtiert hat, erst das Profil seines fiktiven Betrügers entwickelt.

Adolph konzentriert sich darauf, das Handwerk und die Kunst des Hochstapelns nachzuempfinden, um über diesen Umweg zu einem Verständnis des systemischen Miteinanders zwischen Hochstaplern und ihren Opfern zu gelangen. Frank Knöpfel gleicht dem Protagonisten in Thomas Manns Roman „Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" (1954) nicht nur in den Initialen, sondern versteht sich wie dieser auch als Dienstleister gegenüber den Begierden seiner Zeitgenossen. Diesen begegnet Frank an unspektakulären Orten, die seine Höhenflüge konterkarieren. Aufnahmen von kargen, dunklen Korridoren und Büros bestimmen den Film. Es sind Orte, an denen die Stützen der Gesellschaft in Intimität erzeugenden Nahaufnahmen zutage treten. Hier trifft man auf Franks geltungsbedürftigen Bewährungshelfer, die bestechliche Vorgesetzte seiner Putzkolonne und den Politiker der Freien Liberalen, der seine parteipolitische Parole der „Hilfe zur Selbsthilfe" als „Korruption" übersetzt, als ihm Frank die Möglichkeit zum Insiderhandel anbietet.

Die Ästhetik des Films ist ganz an der Realität des Berlins im Jahre 2008 orientiert. Keine symbolische Überhöhung liegt in den abhebenden Flugzeugen, denen Frank freudestrahlend nachschaut. Sie fliegen nicht in einen rosaroten Sonnenuntergang, sondern stoßen bei maximalem Geräuschpegel schwarze Wolken in den grauen Berliner Himmel aus.

Hochstapler in Literatur und Kino:

Der Begriff Hochstapeln ist eine Kombination des aus dem Rotwelsch stammenden Stapeln – einem Synonym für Betteln und Tippeln – und der Vorsilbe hoch. Ein Hochstapler ist also, salopp formuliert ein Tippelbruder, der vornehm tut. Oder, seriöser: eine Person, die mehr scheinen will als sie ist.

Hochstapler glänzen darin, bestimmte Fähigkeiten, Berufszugehörigkeiten, Wohlstand oder Adelstitel vorzutäuschen – meistens mit dem Ziel, sich auf die eine oder andere Art zu bereichern, Zugang zu besseren Kreisen zu erlangen oder sich eine Vertrauensposition zu erschleichen.

Solange keine Schädigung anderer, keine Urkundenfälschung, keine Amtsanmaßung oder die „unrechtmäßige Führung akademischer Grade" vorliegt, gilt Hochstapelei indes nicht als Straftatbestand.

Die literarisch hochrangigste Geschichte um einen Hochstapler, welche den Beruf auch bereits im Titel nennt, ist wohl Thomas Manns „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull". Thomas Mann schrieb das Buch zwischen 1909 und 1911, stellte es aber erst zwischen dem 26. Dezember 1950 und dem 16. April 1954 fertig, bzw. veröffentlichte seine Arbeit als „der Memoiren erster Teil". Eine Fortsetzung ist indes nie erschienen. „Es ist ein etwas leichtsinniges Buch, dessen Scherze man mir zugutehalten mag" erklärte Thomas Mann später einmal. Geplant war der Hochstaplerroman als eine Parodie auf Johann Wolfgang von Goethes Autobiographie „Dichtung und Wahrheit". Die Zusammenfassung der Kapitel in Bücher analog zu Goethes Werk trägt dieser Anspielung Rechnung. Vordergründig hat Thomas Mann eine travestierende Übertragung des Künstlertums ins Betrügerisch-Kriminelle angestrebt. Der Künstler wird humoristisch in die Nähe des Hochstaplers gerückt. Damit parodiert das Werk sowohl den klassischen Bildungs- respektive Entwicklungsroman, führt aber auch die Tradition des Abenteuer- und Schelmenromans fort.

Im Englischen wird der Hochstapler als Confidence Man, als einer, der mit dem Vertrauen anderer spielt, oder auch als Con Artist bezeichnet – als Künstler des Betrugs – und darin schwingt sehr viel deutlicher noch als bei uns auch eine gewisse Hochachtung für manchen Betrüger und seine manchmal unglaublichen Schwindeleien mit.

Da wurde das Weiße Haus vermietet und der Eiffelturm verkauft, da wurden nicht geführte Star-Interviews veröffentlicht, eine NATO-Konferenz organisiert oder gefälschte Hitlertagebücher an seriöse Magazine verscherbelt, da gab sich der eine als Pilot, der andere als Arzt aus, da wurden Wohnungen zigmal vermietet, nicht existierende Wertanlagen vermarktet oder fiktive Ländereien in den Tropen verkauft. Von Tickets ins All über Adelstitel bis zu Briefmarken-Coupons reichten die „Geschäftsmodelle", aber auch sensationelle Forschungsergebnisse, selbstzugefügte Wundmale, gefälschte Reportagen oder eine erfundene Holocaust-Vergangenheit sorgten für Aufmerksamkeit. Dabei gilt: umso charmanter ein Betrüger, umso frecher seine Taten, umso größer sind seine Chancen in die Annalen des Hochstapelns einzugehen.

Zu den Berühmtheiten des Fachs gehören natürlich auch der Lügenbaron Karl Friedrich Hieronymus von Münchhausen, der Hauptmann von Köpenick Wilhelm Voigt, der fantasievolle Schummler Karl May, der angebliche Mount McKinley-Besteiger und Nordpol-Pionier Frederick Albert Cook, der selbsternannte Fürst von Poyais Gregor MacGregor, der unfassbare Trickgauner Joseph Weil oder aber der berühmte Scheckbetrüger und Identitätsdieb Frank Abagnale.

Schwindler, Trickbetrüger, Hochstapler gehören naturgemäß zu den charmantesten Gesetzesbrechern, und so sind sie entweder als erfundene Figuren oder basierend auf echten Hochstaplern auch feste Größen in der Kinogeschichte und die bekanntesten Beispiele reichen von Ernst Lubitschs „Ärger im Paradies" (1932) über Kurt Hoffmanns Thomas Mann-Verfilmung „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" (1957) bis Steven Spielbergs „Catch me if you can" (2003).

Kritiken und Empfehlungen:

„Virtuos balanciert ‚So glücklich war ich noch nie' auf dem schmalen Grat zwischen Moral und Unmoral. Denn selbstverständlich besitzt dieser Meister des impression management, für den die ganze Welt zur Bühne wird, alle Tugenden, die in der flexibilisierten Mittelstandsgesellschaft gefordert werden und die der amerikanische Soziologe Richard Sennett als corrosion of character beschrieben hat. Und so ist dieser begnadete Betrüger nur eine gesteigerte und mit mehr sozialem Genie ausgestattete Variante der Börsenmagier, deren Aura gerade analog zum Kursgefälle an den Finanzmärkten schwindet."
(Frankfurter Allgemeine Zeitung)

„Devid Striesow spielt diesen Mann, der sich im Dickicht selbst gebauter Lebenslügen verheddert und dabei zugleich unheimlich charmant und gerissen ist, mit Gänsehaut-Faktor."
(Hamburger Abendblatt)

„Herzerwärmend"
(Märkische Allgemeine)

„Alexander Adolph gelingt eine von Lebensklugheit und feiner Beobachtungsgabe getragene Komödie mit treffsicheren Dialogen."
(Film Dienst)

Biographie des Regisseurs:

Alexander Adolph wurde 1965 in München geboren studierte Rechtswissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität und legte das erste und zweite bayerische juristische Staatsexamen ab. Schon während des Studiums entstanden Hörspiele und Features für Radio Bremen und den Südwestfunk. Seit Mitte der 1990er Jahre arbeitet Alexander Adolph als freier Autor, Journalist und Regisseur in München und machte sich zunächst als Autor einen Namen. Zu den vielfachen Auszeichnungen für seine Drehbücher gehören zwei Adolf-Grimme-Preise und der Deutsche Fernsehpreis. Insbesondere für die von ihm für das ZDF entwickelte Krimiserie „Unter Verdacht" bekam er große Aufmerksamkeit. Vor einigen Jahren gab er sein Regiedebüt mit der gefeierten Dokumentation „Die Hochstapler" (2006), in der vier Hochstapler von ihren kuriosen Betrügereien, von ihren Opfern und ihrem Leben berichten. „So glücklich war ich noch nie" ist Alexander Adolphs Debüt als Spielfilmregisseur.

Filmographie (Auswahl):

2010 Der letzte Angestellte

2009 So glücklich war ich noch nie

2008 Endspiel (TV) (Drehbuch; Regie: Andreas Kleinert)

2008 Der oide Depp (TV) (Drehbuch; Regie: Michael Gutmann)

2006 Die Hochstapler

1996/97 Der König von St. Pauli (TV) (Drehbuch; Regie: Dieter Wedel)

 

- Freitag 26. Februar 2016

Emmas Glück (Regie: Sven Taddicken, Farbe, 103 Min., 2006)

Ridotta EMMAS GLUECK 03 Copyright Goethe-Institut

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Max hat nicht mehr lange zu leben. Seine letzten paar Tage will er ganz weit weg verbringen. Als er nach einem Unfall auf dem Hof der eigenwilligen Schweinezüchterin Emma landet, erkennt er, dass wahres Glück viel näher liegt.

Emma lebt völlig allein als Schweinzüchterin auf dem heruntergekommenen und völlig überschuldeten Hof ihrer Familie. Ihr einziger Verehrer, ein Polizist aus dem Dorf, ist für sie kein akzeptabler Heiratskandidat, da er permanent am Rockzipfel seiner dominanten Mutter hängt.

Max ist Autoverkäufer und Ordnungsfanatiker. Er ist ebenfalls allein. Immer häufiger plagen ihn Magenschmerzen, und bei einer ärztlichen Untersuchung erfährt er, dass er nicht mehr lange zu leben hat. Am gleichen Tag bucht Max einen Fernflug, und des Nachts plündert er die Schwarzkasse des Autohauses, in dem er gearbeitet hat. Sein Chef und einziger Freund Hans bekommt Wind von Max' Diebstahl und will ihn zur Rede stellen. Der jedoch rast mit einem Jaguar davon.

Die Landstraßen sind kurviger als die schnelle Limousine erlaubt. Sehr weit kommt Max nicht...

Das laute Krachen eines zerschellenden Wagens reißt Emma jäh aus dem Schlaf: Bewusstlos liegt Max auf der Wiese. Er wurde aus dem Wagen geschleudert. Sie trägt ihn ins Haus und verarztet ihn. Der gut gebaute Kerl scheint verdammtes Glück gehabt zu haben.

Als Emma das Auto untersucht, findet sie eine Plastikdose voller Banknoten. Kurz entschlossen versteckt sie das Geld und zündet das Wrack an. Als die Polizei am nächsten Tag ermittelt, mimt Emma die Ahnungslose. Sie denkt gar nicht daran, den Mann und das Geld wieder rauszurücken. Doch leider wirkt der Fremde nicht so, als würde er sich mit den Gegebenheiten auf Emmas Hof und schon gar nicht mit Emmas Eigensinn anfreunden können. Einer aus der Stadt eben ...

Ob Emma allein auf dem Hof wohnt, will Max von ihr wissen. Keineswegs, antwortet sie, er soll sich doch nur mal die prächtigen Schweine anschauen. Emma behandelt sie liebevoll bis zum letzten Tag. Wenn die Zeit gekommen ist, geht sie mit dem auserkorenen Tier in den Schatten der alten Ulme, kuschelt mit ihm, bis es ganz entspannt grunzt, dann führt sie mit einem scharfen Messer einen sauberen und schnellen Schnitt. Dabei streichelt Emma das Schwein weiter und zählt, während dickes Schweineblut in die Erde rinnt: zwei-drei-vier. Dann, fünf-sechs-sieben, wispert sie: „Siehst Du, tut nicht weh, hab ich Dir doch versprochen...". Bei zehn liegt das Tier reglos in ihren Armen.

Max ist höchst verstört von dieser kuriosen Bäuerin. Ohne Aussicht, je noch einmal weg zu kommen von hier, fühlt er sich wie ein Schiffbrüchiger. Erst langsam erkennt er, dass seine Lage besser nicht sein könnte, und schließlich tragen sogar ihre gelegentlichen Wutausbrüche über seine allzu große Pingeligkeit dazu bei, ihn von der Krankheit abzulenken. Als Max schließlich entdeckt, dass Emma es war, die sein Geld genommen hat, ist sein Ärger so heftig wie kurz. Hat sich nicht binnen weniger Tage sowieso sein ganzes Leben auf den Kopf und wieder zurück auf die Füße gestellt? Sicher, er hat davon geträumt an einem Traumstrand seine letzten Tage zu verbringen und den Pelikanen nachzuschauen. Aber entdeckt er nicht gerade hier, mit Emma und kurz vor dem Sterben zum ersten Mal das Leben? Und würden nicht die 67.635 Euro aus der Schwarzkasse des Autohauses auch dicke ausreichen, um die Zwangsversteigerung des Hofes abzuwenden?

Das Zusammen-Sein der Beiden lässt alle Traurigkeit verfliegen, und alles könnte gut sein, wäre da nicht Hans ...

Seit Max' Verschwinden ist Hans seinem diebischen Freund auf der Spur. Eines Nachts schleicht sich Hans auf den Hof, wird aber kurzerhand von Emma außer Gefecht gesetzt und in einen Keller gesperrt. Nachdem es ihm endlich gelingt, frei zu kommen, findet er schließlich Max, der von Krämpfen geschüttelt auf dem Boden liegt. Hans hatte ja keine Ahnung. In heller Panik fährt er Max ins Krankenhaus.

Emma ahnt, wohin Hans ihren Geliebten gebracht hat, schwingt sich auf ihren Traktor und fährt ebenfalls zum Krankenhaus in die Stadt. Mitten in der Nacht holt sie Max zurück nach Hause.

Als sie auf dem Hof ankommen, geht es Max nicht besonders gut. Die Tage, die ihm bleiben, kann man schon an zwei Händen abzählen. Dennoch verbringt das Paar noch die glücklichsten Momente ihres bisherigen Lebens.

Eines Tages spazieren sie gemeinsam zu der alten Ulme.

Im Zusammenhang mit „Emmas Glück" erklärte Sven Taddicken: „Ich glaube fest an ein Nebeneinander von Tragik und Komik, von Ehrlichkeit und Phantasie, auch von Biss und Poesie. Nachdem ich Claudia Schreibers Roman gelesen hatte, war ich am meisten davon berührt, wie es ihr gelungen ist, eine Geschichte über den Tod derart lebendig zu schreiben .Das wurde auch mein Ansatz für den Film „Emmas Glück": Ein Film über das Sterben, der von der Lust auf Leben erzählt."

Kritiken und Empfehlungen:
Temporeich, anschaulich und unterhaltsam. (Der Spiegel)

Es ist zwar ein modernes Märchen, aber von einer verwunschenen Prinzessin hat ihre Emma doch herzlich wenig. (NDR-Kultur)

„Emmas Glück" – eine höchst skurrile Liebesgeschichte um eine Schweinezüchterin und einen sterbenskranken Verbrecher. Schweinisch gut. (WDR 5)

Sven Taddicken hat den Roman auf einem Niveau adaptiert, wie man es sich für Literaturverfilmungen nur wünschen kann: Nicht buchstabengetreu, sondern den Betrachter ins Bild setzend, nicht im Großen und Ganzen, sondern mit einem Mensch und Umgebung durchdringenden Gespür fürs Detail. (Frankfurter Rundschau)

„Emmas Glück" ist ein Märchen: ein Kinomärchen, traut, verwunschen, gruselig. (...) Und wie endet's, dieses nach Claudia Schreibers Erfolgsroman gedrehte Märchen vom sanften Tod? Mit einem Stich. Und der geht auch dem Zuschauer ins Herz. (Stuttgarter Zeitung)

Taddickens Film schleppt das unabwendbare schwere Ende im Gepäck und strebt trotzdem nach leichtfüßigem Gang, sucht die Balance zwischen Albernheit und Komik, will Weinerliches meiden und wünscht sich doch einen Kloß in des Zuschauers Hals. (Die Welt)

Biographie des Regisseurs:
Der 1974 in Hamburg geborene Sven Taddicken zählt zu den großen Talenten der deutschen Filmbranche. Von 1996 bis 2002 studierte er an der Ludwigsburger Filmakademie im Fachbereich Regie. Wie sehr seine Begabung auch international früh überzeugte, beweist die Flut an Preisen, mit denen seine bisherigen Arbeiten ausgezeichnet wurden. Unter anderem erhielt er für „El Cordobes" den Hauptpreis des Filmfestes im finnischen Lappeenraanta 1999, für „Schäfchen zählen" den Kurzfilmpreis des Filmfestes Dresden 1999 und den ersten Preis beim Short Cuts Cologne Festival 1999 und schließlich 2000 die Nominierung für den Honorary Foreign Student Award, den Studenten-Oscar. Im April 2000 verlieh der Förderverein der Filmakademie Baden-Württemberg den Stipendienpreis, den begehrten Caligari, an Sven Taddicken. Sein erster langer Spielfilm „Mein Bruder der Vampir" wurde von zahlreichen internationalen Festivals eingeladen und gewann mehrere Preise, darunter den Kodak Eastman Award (Internationale Hofer Filmtage 2001), den Preis der FIPRESCI beim Filmfestival von Rotterdam 2002 sowie den Großen Preis für den Besten Film beim Festival von Valenciennes 2007. Und auch sein Abschlussfilm an der Filmschule „Einfach so bleiben" gewann den Deutschen Kurzfilmpreis in Gold.

2004 wurde er für ein Stipendium der Berliner Akademie der Künste ausgewählt.

Filmographie:
2006 Emmas Glück
2002 Einfach so bleiben (Kurzspielfilm)
2001 Mein Bruder der Vampir
1999 Schäfchen Zählen (Kurzspielfilm)
1998 El Cordobes (Kurzspielfilm)

Ralph Eue

 

- Freitag 11. März 2016

Who am I - Kein System ist sicher (Regie: Baran bo Odar, Farbe, 106 Min, 2013/14)

Copyright Jan Rasmus Voss

Benjamin ist unsichtbar, ein Niemand. Dies ändert sich schlagartig, als er plötzlich den charismatischen Max kennenlernt. Auch wenn beide nach außen nicht unterschiedlicher sein könnten, so verbindet sie ein gemeinsames Interesse: Fremde Computer knacken. Ein Spiel mit dem Feuer beginnt. Und es versteht sich von selbst, dass Feuer auch verbrennt.

Die beiden großen Themen des Films verrät schon der Titel: Es geht um die Suche nach der eigenen Identität und die Angreifbarkeit einer elektronisch vernetzten Welt. In der Hacker-Szene ist das Spiel mit der Identität tief verwurzelt: Man trägt digitale Masken, verbündet und bekämpft sich, ohne zu wissen, wer Gegner oder Partner eigentlich ist.

Benjamin etwa. Er ist unsichtbar, ein Niemand – oder in Anlehnung an die Binär-Code-Sprache: eine Null unter Einsen. Dies ändert sich schlagartig, als er plötzlich den charismatischen Max kennenlernt. Auch wenn beide nach außen nicht unterschiedlicher sein könnten, so verstehen sie sich doch über dasselbe Interesse: Fremde Computer knacken, in geschlossene Netze eindringen. Gemeinsam mit Max' Freunden, dem impulsiven Stephan und dem paranoiden Paul gründen sie die subversive Hackergruppe CLAY, Abkürzung für Clowns Laughing @ You.

CLAY versteht sich als unerschrockene Provo-Truppe. Als Spaßguerilla. Mit ihren Aktionen und sozialen Performances trifft CLAY den Nerv einer gesamten Generation. Mit ihren Cyber-Attacken auf einen rechten Parteitag oder einen Pharmakonzern machen sie von sich reden. Zum ersten Mal in seinem Leben fühlt sich Benjamin als Teil von etwas Größerem und sogar die attraktive Marie wird auf ihn aufmerksam. Um in die Königsklasse der Hacker-Szene aufzusteigen, knackt die Gruppe schließlich die Server des BND – und bringt sich damit in höchste Gefahr. Denn mit ihrer Aktion geraten die Hacker ins Fahndungsraster von Europol und bringen außerdem die Friends gegen sich auf, eine mit der organisierten Kriminalität verwobene Hacker-Truppe. Gejagt von der Cybercrime-Ermittlerin Hanne Lindberg ist Benjamin jetzt kein Niemand mehr, sondern einer der meistgesuchten Hacker der Welt.

Kleines Glossar zum Film

Botnet: Computerprogramme (Bots), die auf vernetzten Rechnern laufen, deren Ressourcen nutzen und sie für ihre Zwecke missbrauchen können, z.B. zum Versenden von Spam-Mail.
DDoS-Attacke (Distributed Denial of Service): Lahmlegen eines Netzes oder einer Internetpräsenz, z.B. durch Herbeiführen einer Überlastung.
Evil Twin: Ein Gerät, das einen Zugangspunkt zu einem Netzwerk nachbildet. Wenn dann gleichzeitig der echte Zugangspunkt lahmgelegt wird, kann der Betreiber des Evil Twin den Datenverkehr abfangen.
Exploit: Ein Programm, das Fehler oder Sicherheitslücken ausnutzt, um in ein normalerweise geschlossenes System einzudringen und es zu manipulieren.
Maschinensprache: Programmiersprache, in der die Instruktionen, die vom Prozessor eines Computers direkt ausgeführt werden können, als Sprachelemente festgelegt sind, sozusagen die unverfälschte Programmiersprache eines Computers.
Social Engineering (soziale Technologie/Manipulation): Methoden der Beeinflussung von anderen Menschen mit dem Ziel, bestimmte Verhaltensweisen hervorzurufen. Dabei werden gezielt Schwachpunkte wie Autoritätsgläubigkeit oder Angst vor Bloßstellung ausgenutzt.
(Auszug aus dem gemeinsam von der Bundeszentrale für politische Bildung und Vision Kino erstellten Filmheft zu WHO AM I – KEIN SYSTEM IST SICHER. Abrufbar unter: http://www.visionkino.de/WebObjects/VisionKino.woa/wa/CMSshow/1250435 )

Kritiken und Empfehlungen

So souverän wie der Hacker-Thriller WHO AM I – KEIN SYSTEM IST SICHER kam das deutsche Kino schon lang nicht mehr um die Ecke. (spiegel.de) Die Geschichte zerrt die Internetkriminalität heraus aus der stickigen, filmisch reizlosen Einsamkeit der Hacker-Höhle. Die Zauberformel lautet hier Social Engineering, es meint die soziale Beeinflussung von Menschen, mit dem Ziel, an ihre Daten zu gelangen. Phishing, Trojaner und IP-Transmitter kommen in WHO AM I zum Einsatz. Der Plot bleibt dabei stets nachvollziehbar, selbst ohne tiefe Informatik-Kenntnisse. (zeit.de/zeit online) Die digitale Netzwelt ist für Kameraleute ein Alptraumthema. Nichts langweiliger als die ewigen Zahlenkolonnen, die über Bildschirme huschen, das wüste Getippe auf der Tastatur, die Kabelbündel, in denen sich die modernen Einbrüche abspielen. Für einen Thriller gibt das optisch nichts her. Der Regisseur Baran bo Odar hat sich zusammen mit der Szenenbildnerin Silke Buhr einfallen lassen, das Datennetz symbolisch durch das Berliner U-Bahnnetz darzustellen und einen U-Bahnwagen als einen dramatischen Datenknotenpunkt einzurichten. Im düsteren Ambiente der U-Bahnwelt treffen die Mails der verfeindeten Hackergruppen leibhaftig in Form ihrer maskierten Absender aufeinander und überreichen sich die (Daten-)Pakete. Ab und an auch mal einen Trojaner aus Lehm. (Berliner Zeitung)

(Ralph Eue, 21.05.2015)

***

Si ringrazia il Goethe-Institut Rom per aver messo a disposizione i film in programma

http://www.goethe.de/ins/it/it/rom/ver.cfm?fuseaction=events.detail&event_id=20562215

Text: Goethe-Institut Rom

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