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18/12/2017
Kunst

Neue Kunsthalle für Mannheim
Die Stadt Mannheim darf sich freuen - auf die neue Kunsthalle, die nach zweieinhalb Jahren Bauzeit jetzt fast fertig ist. Zur Eröffnung kommt auch Bundespräsident Steinmeier. Die Kunst wird erst nach und nach einziehen.
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Der Innenausbau verzögert sich noch ein wenig. So wird auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der die neue Mannheimer Kunsthalle am Montag (18.12.2017) besucht, noch nicht alles fertig vorfinden. Und auch die Bürger der Stadt, die schon am Wochenende zu einem Eröffnungsfest eingeladen sind, dürfen sich zunächst einmal nur an der Architektur des neuen Kunsttempels erfreuen. Der Großteil der Bilder und Skulpturen der Sammlung zieht erst später ein.

Die neue Kunsthalle war in den vergangenen Jahren für rund 70 Millionen Euro nach Entwürfen des Architekten-Büros "Gerkan, Marg und Partner" erbaut worden. Vertreter der Stadt lobten bei der Schlüsselübergabe vor allem die finanzielle Beteiligung privater Geldgeber. "Damit geht die Vision in Erfüllung - das große bürgerschaftliche Engagement bei der Gründung des Museums vor rund 100 Jahren wird wiederholt", sagte Mannheims Oberbürgermeister Peter Kurz. Der Neubau erfülle die Anforderungen der heutigen Zeit.

Kunsthalle korrespondiert mit Stadtstruktur

Die Kunsthalle unterscheide sich fundamental vom alten Typus des Museums, heißt es von Museumsseite: "Die Entwurfsidee des Neubaus spielt auf die historische Stadtstruktur von Mannheim an: sieben 'Ausstellungs-Häuser' gruppieren sich um ein platzähnliches Lichtatrium."

Ulrike Lorenz, Direktorin des Museums, deutete schon einmal das künftige Konzept für Kunst und Kunsthalle in Mannheim an: "Wir versuchen, unsere über 100-jährige Sammlung als einen Text zu begreifen, der von jedermann immer wieder neu gelesen und verstanden werden kann." Dabei sollen auch die "verborgenen Schätze aus der Graphischen Sammlung, der Angewandten Kunst und den Depots" beachtet werden.

Erste Sonderausstellung gilt Jeff Wall

Die erste große Sonder-Ausstellung 2018 ist einem kanadischen Star der weltweiten Fotoszene gewidmet: "Mit dem Grand Opening der neuen Kunsthalle am 07. Juni 2018 starten wir den ersten Blockbuster auf über 1.000 Quadratmetern: Jeff Wall, einer der bedeutendsten Konzeptphotographen unserer Zeit, Pionier und Klassiker zugleich", so Lorenz.

Die zweite Sonderausstellung im Neubau werde sich dann "ganz im Sinne der modernen Industriestadt Mannheim dem Einfluss der Ökonomie auf die internationale Kunst im frühen 20. und im frühen 21. Jahrhundert widmen."

Zunächst aber wird Bundespräsident Steinmeier am Montag gemeinsam mit dem Baden-Württembergischen Ministerpräsident Winfried Kretschmann der Kunsthalle einen Besuch abstatten. Mit einem Festakt wird der neue Kunsttempel im Herzen der Stadt dann offiziell eröffnet.

Jochen Kürten
15/12/2017
Kultur

Künstler nach der Flucht: Wie die Fremde Heimat werden kann

41707532 303Sie sind Krieg und Gewalt entkommen. Doch was kommt dann? Ein multimediales DW-Special zeigt, wie sich Künstler, die fliehen mussten, ein neues Leben aufgebaut haben - in einer ihnen zunächst fremden Sprache und Kultur.
 
Aeham Ahmad - Pianist aus Syrien

Er hat überlebt, ist dem IS, dem Hunger, den Bomben des syrischen Bürgerkrieges entkommen. Doch wenn Aeham Ahmad an seinem Klavier auf der Bühne sitzt, schwingen auch Melancholie und Verzweiflung mit. "Warum bin gerade ich noch am Leben?", fragt er sich oft.

Als "Pianist aus den Trümmern" wurde Aeham Ahmad weltweit berühmt. Er hat sein Klavier hinaus auf die Straßen von Jarmuk geschoben, während auf den Häusern rings herum Scharfschützen lauerten und jederzeit Granaten explodieren konnten. Er spielte und sang, um den Menschen Trost zu spenden. Videos davon gingen über YouTube rasend schnell um die Welt. Als der IS sein Klavier verbrannte und er um die Sicherheit seiner Familie fürchtete, flüchtete Aeham Ahmad. Er überlebte die Flucht über das Mittelmeer und kam 2015 schließlich nach Deutschland.

Wie es ihm gelang, hier Fuß zu fassen und im Scheinwerferlicht zu stehen, während Familie und Freunde in Syrien um ihr Leben fürchten, zeigt die DW in einem multimedialen Special und in einer TV-Dokumentation.

Saša Stanišić - Schriftsteller aus Bosnien

Auch Saša Stanišić musste fliehen, als in seiner bosnischer Heimat 1992 der Krieg tobte. Bei seiner Ankunft in Deutschland kannte der damals 14-Jährige quasi nur zwei deutsche Worte: "Lothar Matthäus". Mittlerweile ist Saša Stanišić ein renommierter Schriftsteller und schreibt auf Deutsch. Für sein Buch "Vor dem Fest" bekam er 2014 den Preis der Leipziger Buchmesse. Seine Eltern mussten Deutschland verlassen, als der Bosnienkrieg beendet war. Sie wanderten nach Florida aus, Stanišić selbst durfte als Student in Deutschland bleiben. Eltern und Kind durch Flucht getrennt - das ist ein Schicksal, das auch der chilenische Schriftsteller Antonio Skármeta kennt.

Antonio Skármeta - Autor aus Chile

Als Augusto Pinochet sich 1973 in Chile an die Macht putschte und Anhänger des demokratisch gewählten Präsidenten Salvador Allende verfolgen und im Nationalstadion foltern und ermorden ließ, wurde es gefährlich für Antonio Skármeta.

Weil er seinen Beruf nicht mehr ausüben durfte, ging er ins Exil nach West-Berlin. Als Schriftsteller musste er sein Schreiben vollkommen umstellen: Anspielungen auf chilenische Orte, Wortspiele mit südamerikanischen Fußballspielern - all das funktionierte nicht mehr. Das Leben im Exil wurde zu einem seiner literarischen Lebensthemen.

In seinem Bestseller "Nixpassiert" schildert er auch die Erfahrungen seiner Söhne: Sie waren hin- und hergerissen zwischen der alten Welt, der Heimat ihrer Eltern, und der neuen, die mit ganz anderen Reizen lockte und sie weiter von ihren Wurzeln entfernte. Als die Diktatur in Chile endete, ging Skármeta 1989 zurück. Seine Söhne blieben allerdings in Berlin. Für sie ist Deutschland zur neuen Heimat geworden.

Judith Kerr - Illustratorin und Autorin aus Deutschland

An den Moment, in dem ihr endgültig klar wurde, wo sie hin gehört, kann sich Judith Kerrnoch gut erinnern: Als Hitlers Truppen im Blitzkrieg 1940 beginnen, Bomben über London abzuwerfen, beschließt Judith Kerr, dass sie Britin ist.

Dabei ist Kerr in Deutschland geboren: als Tochter des berühmten Theaterkritikers und Hitler-Gegners Alfred Kerr. Sie wuchs behütet in Berlin-Grunewald auf. Als Judith Kerr neun Jahre alt war, floh die jüdische Familie Kerr vor den Nazis - einen Tag vor der Machtergreifung Hitlers. In den wenigen Koffern, die die Kerrs mitnehmen konnten, befanden sich auch Kinder-Zeichnungen von Judith Kerr. Später wird sie mit ihren Illustrationen berühmt werden: Was die Flucht mit ihr und ihrer Familie machte, schilderte sie in der autobiografisch geprägten Roman-Trilogie, die mit "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl", beginnt. Noch heute lesen viele deutsche Kinder das Buch im Unterricht.

Nneka Egbuna - Musikerin aus Nigeria

Judith Kerr ist mittlerweile 94 Jahre und lebt noch immer in London. Sie hat sich fest in Großbritannien verwurzelt. Nneka Egbuna hingegen fühlt sich nirgends heimisch. Als Teenager ist die Deutsch-Nigerianerin aus Nigeria geflohen - vor der Gewalt in ihrer Familie. In Hamburg fand sie schließlich zur Musik. Mit "Heartbeat" landete sie 2008 ihren ersten großen Hit. Für Nneka Egbuna ist ihr Leben eine Reise. Ihre Koffer sind stets gepackt. Wenn sie nicht gerade durch die Welt tourt, um Konzerte zu spielen, lebt sie abwechselnd in Lagos, Hamburg oder Paris.
Heimat ist für sie ein Gefühl.

Heinrich Heine - Dichter und Journalist aus Deutschland

Die Zahl der Menschen, die fliehen, war laut UNO-Flüchtlingshilfe noch nie so hoch wie heute. Flucht ist aber kein neues Phänomen: Im Jahr 1831 flüchtete der deutsche Dichter Heinrich Heine vor Zensur und Anfeindungen nach Frankreich. Seine Heimatsehnsucht hat er in universell berührende Worte gefasst: "Nur wer im Exil gelebt hat, weiß auch, was Vaterlandsliebe ist." Weil er per Haftbefehl gesucht wurde, konnte Deutschland nie wieder seine Heimat werden. Er starb 1856 in Paris.

Die Flucht hat manche Künstlerinnen und Künstler in eine neue Heimat geführt, andere zurück in die alte. Sie alle haben ihre Erfahrungen künstlerisch verarbeitet - in ihren Büchern, Filmen und in ihrer Musik. Dabei haben sie nicht nur sich selbst verändert, sondern auch die Länder, in die sie gekommen sind.

Laura Döing
 
 
 
 
 
14/12/2017
Kunst

Istanbul Biennale kommt nach München: Pinakothek zeigt "A good neighbour"

41650586 303Wie beeinflussen globale Konflikte unsere Vorstellung von Heimat und Nachbarschaft? Wem fühlt man sich zugehörig? In der Pinakothek der Moderne reflektieren Künstlerinnen und Künstler ihre ganz eigenen Erfahrungen.

Wir Menschen sind umgeben von Nachbarn. Zum Beispiel die, mit denen wir Tür an Tür leben. Aber auch Staaten haben Nachbarn. In beiden Fällen klappt es mal besser und mal schlechter mit ihnen. Die Bedeutung guter Nachbarschaft ist nicht klein zu reden. Die Verständigung mit den Nachbarn kann über Krieg und Frieden entscheiden - im Großen wie im Kleinen.

Erst vor wenigen Wochen ging in der Türkei die 15. Istanbul Biennale zu Ende. Die Beziehungen der Türkei und ihrer Nachbarn sind zum Teil sehr angespannt. Nicht wenige Künstler waren sich unsicher, ob sie die Kunstschau in dem zunehmend repressiv regierten Land boykottieren - oder ihr eine Chance geben- sollen. Viele Kommentatoren, die vor Ort waren, kritisierten die Biennale als zu brav.

"Keine aufrührerische Schau"

Jetzt wird "A good neighbour" mit dem Titel-Zusatz "On the Move" in München fortgeführt: Statt mit 56 Künstlern lediglich mit zwölf - darunter zwei neuen. Davon abgesehen ist das Konzept gleich geblieben. Der Kurator der Pinakothek der Moderne, Dr. Bernhart Schwenk, verteidigt die von Elmgreen & Dragset erdachte Schau und betont, er teile die Auffassung, dass es in Istanbul so zahm zugegangen sei, überhaupt nicht.

"A good neighbour" sei aber gewiss kein aufrührerischer Titel für eine Ausstellung, gibt er zu. Elmgreen & Dragset seien dafür bekannt, eher subtil vorzugehen. "Wenn man mehr Aufruhr gewollt hätte, dann hätte man andere Kuratoren einladen müssen. Ich glaube aber auch, dass dieser Aufruhr nur selten dazu beiträgt, dass dann wirklich ein Schritt hin zu einer Verständigung passiert", so der Kurator. Im Übrigen seien auch in der Türkei sehr mutige Arbeiten zu sehen gewesen. Dabei denkt Schwenk an den Film "Wonderland" des Künstlers Erkan Özgen, den er jetzt auch in der Pinakothek zeigt. Özgen sei Kurde und lebe sogar im kurdischen Teil der Türkei. Für sein dreiminütiges Video hat er einen taubstummen syrischen Jungen gefilmt, der dem Zuschauer pantomimisch seine Kriegserlebnisse vor Augen führt (mehr dazu in unserer Bildergalerie).

Nachbarschaft im Wandel

Insgesamt präsentiert Schwenk in der Ausstellung "A good neighbour_On the Move" 50 Arbeiten. Darunter Werke des berühmten griechischen Künstlers Vlassis Caniaris (gestorben 2011), des Iraners Mirak Jamal oder der US-Amerikanerin Andrea Joyce Heimer. Die Arbeiten sämtlicher Künstler spiegeln deren Erfahrungen mit globalen Konflikten oder sozialer Kontrolle wider. Sie reflektieren Geschlechterrollen und Formen des Zusammenlebens. Hinzu kommt die Frage: Wie haben sich unsere Vorstellungen von Heimat, Nachbarschaft und Zugehörigkeit in den vergangenen Jahren verändert?

Bei der Schau in der bayerischen Landeshauptstadt stehen die Werke im Vergleich zu Istanbul in einem gänzlich anderen Kontext. Darin liege ein großer Reiz, sagt Bernhart Schwenk, weil so plötzlich auch eine ganz andere Bedeutung hineinkomme. Außerdem habe die Ausstellung durch die Beschaffenheit des Museums, das sehr klassisch wirke, eine andere Sprengkraft. Neben Wahrhol, Kirchner und Beckmann wirken die zeitgenössischen Werke lebendiger, frecher, bunter. "Nicht, dass die andere Kunst nicht frech und bunt ist, aber leider ist es so, dass wenn wir Wahrhol, Kirchner oder Beckmann lesen, man schon den goldenen Rahmen drum gemacht und den hohen Auktionspreis ausgerufen hat."

Kunst für Jedermann?

Schwenk ist es wichtig, ein breites Publikum in die Ausstellung zu locken. "A good neighbour_On The Move" mache spürbar, dass die globalisierte Welt auch das Selbstverständnis öffentlicher Museen und ihrer Ausstellungen verändere, schreibt die Pinakothek zu der Schau.
 
 
"Es gibt viele Menschen, die denken, sie hätten im Museum nichts verloren, weil sie sich nicht in der Gegenwartskunst auskennen - warum auch immer", sagt Schwenk. "Ich glaube, wir müssen uns öffnen, schließlich sind wir öffentliche Institutionen, werden öffentlich bezuschusst. Das heißt nicht, dass wir uns anbiedern, aber dass wir uns erweitern." Diese Erweiterung könne beispielsweise durch ein Thema wie das der gerade eröffneten Ausstellung geschehen, so der Kurator.

Bettina Baumann
 
 
 
 
13/12/2017
Bücher

"Sams"-Vater Paul Maar: "Kinder lieben den Witz der Geschichten"

41761818 303Mit dem "Sams" hat Paul Maar eine Figur erfunden, die fast jedes Kind kennt. Jetzt wird der Autor und Zeichner 80. Wir hatten das Vergnügen, kurz vor seinem Geburtstag mit ihm über seine vielen Spielfelder zu sprechen.
 
Paul Maar wurde am 13. Dezember 1937 in Schweinfurt geboren. Seit Anfang der 1970er Jahre ist er einer der beliebtesten und erfolgreichsten deutschen Kinder- und Jugendbuchautoren. Zu seinem 80. Geburtstag hat ihm sogar der Bundespräsident gratuliert: "Mit der Figur des 'Sams' haben Sie ein Wesen erschaffen, das auf märchenhafte Weise in die triste Alltagswelt des kleinen Mannes einbricht und Verwirrung stiftet", schrieb ihm Frank-Walter Steinmeier. Ohne den Zeigefinger zu heben, mache Maar seine Leser auf die vielfältigen Gefahren und Widersprüche aufmerksam, die in der Welt vorhanden seien.

Herr Maar, am 13. Dezember feiern Sie Ihren achtzigsten Geburtstag. Ist das eine Schwelle für Sie?

Ja, durchaus. Vor einem Vierteljahr ist meine Mutter gestorben. Sie wurde über hundert Jahre alt, wohnte immer noch in ihrer alten Wohnung, seit 72 Jahren, und starb friedlich in ihrem Bett, ohne dass sie jemals in ihrem Leben ein Krankenhaus von innen gesehen hat. Oder vielleicht nur ein Mal, als sie mich besucht hat, als ich im Krankenhaus war. Bis jetzt hat sie immer an der Spitze der Pyramide gestanden. Und plötzlich bin ich derjenige, der ganz oben steht. Man wird sich seiner Endlichkeit stärker bewusst.

Eine andere Frage: Wie geht es dem Sams?

(lacht) Ach, ich denke, dem Sams wird es immer gut gehen. Ich habe eigentlich noch nicht erlebt, dass es dem Sams mal schlecht geht.
In Ihrem neuen Sams-Band darf der freche Kerl mit der Schweineschnauze und den strubbeligen Haaren zum ersten Mal Weihnachten feiern. Warum erst jetzt?

Ich kam noch nie auf die Idee, dass ich das Sams auch mal Weihnachten feiern lassen könnte. Aber dann hat mich der Verlag ein bisschen verlockt, indem man mich gefragt hat: "Herr Maar, haben Sie eigentlich schon mal bemerkt: Es gibt von allen bekannten deutschen Kinderbuchautorinnen und -autoren mindestens ein Weihnachtsbuch! Warum gibt es eigentlich von Paul Maar keines? Haben Sie Angst, dass Sie dann zu sentimental oder zu rührselig werden?" "Na gut", sagte ich, "ich denk mal drüber nach. Also rührselig wird es ganz bestimmt nicht, denn ich schreibe kein normales Weihnachtsbuch, ich lasse das Sams Weihnachten feiern."

"Das Sams feiert Weihnachten" haben Sie als erstes Buch nicht selbst illustriert, sondern die Zeichnerin Nina Dulleck. Hat sich der kleine Rothaarige mit den Sommersprossen – oder, besser gesagt, den Wunschpunkten – verändert?

Er hat sich leider, muss ich fast sagen, ein bisschen verändert. Das war die Idee des Verlags, dass das Sams-Buch, wie man sagt, ein neues "Image", bekommen und mehr den heutigen Sehgewohnheiten der Kinder angepasst werden sollte. Man fand meine Illustrationen, die natürlich zum Teil noch aus den Siebziger Jahren stammten, als das erste Sams-Buch entstand, wohl ein bisschen zu altmodisch.

Ist das Sams jetzt weniger trotzig und angepasster?

Ja, das ist so. Es entspricht jetzt dem Kindchenschema, mit riesigen Augen, großem Kopf und kleinem Körper – bei mir war es ein bisschen struppiger und ruppiger.

Sie haben eine Vielzahl von Figuren entworfen und neben den Sams-Geschichten auch noch 52 andere Bücher geschrieben. Wie erklären Sie sich den ungeheuren Anklang, den das Sams gefunden hat?

Ich kann es eigentlich selbst nicht so ganz genau erklären. Es hängt vielleicht zum einen damit zusammen, dass die Kinder den Witz der Geschichten lieben. Sie schreiben mir oft, die Sprüche des Sams – sie sagen nicht "Gedichte", sondern "Sprüche" – die seien so witzig. Dann ist auch das Thema Wünschen, glaube ich, bei Kindern sehr wichtig. Ich merke das auch bei den Kinderbriefen – ich bekomme sehr, sehr viele Kinderbriefe, und die Kinder schreiben mir oft von ihren eigenen Wünschen. Manchmal ist es auch ganz schwer, so einen Brief zu beantworten, wenn mir ein Mädchen zum Beispiel schreibt: "Wenn das Sams zu mir käme, ich weiß, was ich wünschen würde, ich würde mir wünschen, dass unser Hund wieder lebt." Oder, "dass meine Oma wieder denken kann".

Beantworten Sie die Kinderbriefe auch noch selber?

Ich beantworte alle handschriftlich. Wobei ich nicht immer einen Brief zurückschreibe. Ich habe da eine Postkarte, wo auf der Vorderseite das Sams in der Hängematte liegt, auf der Rückseite habe ich Platz für ungefähr zehn Zeilen. Aber das genügt den Kindern völlig. Die finden das einfach toll, dass sie eine Antwort bekommen von einem Autor, den sie gar nicht persönlich kennen.

Es gibt drei Sams-Filme. Wird noch einer hinzukommen?

Nein, ich denke nicht. Es ist auch immer schwieriger, einen Kinderfilm zu finanzieren. Damals, als das erste "Sams" gedreht worden ist, war es sehr viel einfacher. Da gab es nämlich überhaupt noch keine Kinderfilme, und deswegen hatte der erste Sams-Film fast zwei Millionen Zuschauer.

Das "Sams" oder auch andere Bücher von Ihnen haben es schon vor Jahrzehnten in die Schule geschafft. Schon Ihr Erstling "Der tätowierte Hund" von 1968 wurde beliebte Schullektüre. Sind Sie darüber immer glücklich gewesen? Haben Sie nie befürchtet, zu sehr in die Bildungsecke gestellt zu werden?

Eigentlich nicht. Gerade beim "Tätowierten Hund" nicht, das ist ja so eine bizarre und fantastische Geschichte. Das hat überhaupt nichts mit Bildung zu tun, sondern einfach nur mit Unterhaltung, Sprachspielen und Spaß an bestimmten Wendungen.

Ihre Sprachspiele und Gedichte werden im Deutschunterricht analysiert, Ihre Theaterstücke, Musicals und Filme in den Unterricht einbezogen. Sehen Sie sich in einer Tradition oder zumindest in guter Nachbarschaft zu literarischen Vorläufern wie Christian Morgenstern und Robert Gernhardt?

Ja, durchaus. Da Sie Robert Gernhardt erwähnen: Wir kannten uns persönlich. Dazu kam, dass wir beide am selben Tag im selben Jahr geboren sind, beide am 13.12.1937. Wir sind beide sowohl Autoren als auch Zeichner, haben uns oft ausgetauscht, und Robert Gernhardt hat mir auch die Angst vor dem Reimen genommen. Die moderne Lyrik kommt ja ohne den Reim aus, aber er sagte, wenn man nicht abgedroschene Reime nimmt wie "Herz" und "Schmerz", sondern neue erfindet, dann ist es gerade der große Reiz, dass ein Gedicht sich reimen kann und darf.

Sie haben Kunst studiert und etwa sechs Jahre lang auch als Kunsterzieher gearbeitet. Sie haben die Figuren Ihrer Geschichten meist selbst entworfen. Zeichnen Sie noch immer?

Ja. Es gibt noch bis Mitte Januar eine große Ausstellung meiner Illustrationen von 1968 bis 2017 in der Bamberger Stadtbibliothek.
Illustrieren Sie auch immer noch fremde Texte?

Nein, nicht mehr. Die eigene Arbeit am Text nimmt viel Platz weg.

Was zeichnet ein gutes Kinderbuch aus? Hat sich das im digitalen Zeitalter geändert?

Nein, das hat sich überhaupt nicht verändert, finde ich. Ganz egal, ob ich ein Buch auf dem Tablet lese oder im Buch blättere: Der Text, die Geschichte bleibt ja immer dieselbe. Ich glaube, dass das Buch sowieso nicht aussterben wird, weil es einfach etwas Haptisches ist. Man hat ein Buch in der Hand, es knistert, wenn man eine Seite umblättert, man kann es abends mit ins Bett nehmen, man muss nicht irgendein Teil aufladen, das Buch ist immer aufgeladen. Insofern hat sich für mein Gefühl durch die Digitalisierung nichts geändert. Und die Geschichten, die ich vor 40 Jahren geschrieben habe, kommen bei Lesungen noch genauso bei den Kindern an, und sie lachen an denselben Stellen, wie sie 1970 gelacht haben oder 1980.

In wie vielen Sprachen lebt das Sams?

Meine Bücher sind inzwischen in 50 Sprachen übersetzt, auch ins Arabische und Persische, ins Chinesische und Japanische. Ich war in China, in Japan und in der Türkei und habe vorgelesen. Aber merkwürdigerweise gibt es kein englischsprachiges Buch. Im Französischen gibt es zwei, aber dort wurden die Titel nach zehn oder 15 Jahren aus dem Verlagsprogramm genommen. Anders ist es bei meinen Theaterstücken. Ich bin ja einer der meistgespielten deutschen Theaterautoren, was die wenigsten wissen.

Sie haben über 20 Theaterstücke, Musicals und Opernlibrettos für Kinder und Erwachsene geschrieben. Auch als Theaterautor sind Sie seit Ende der 1960er Jahre erfolgreich. Was macht die Magie des Theaters aus?

Da müsste ich jetzt eine lange Erklärung liefern... Theater hat für mich die Magie, dass man in einen Raum geht, dass es dunkel wird, dass sich ein Vorhang aufmacht, dass ein Licht erst mal die Bühne beleuchtet, und dann kommen die Schauspieler, und meistens gibt es noch eine Bühnenmusik – es entsteht so ein Gemeinschaftsgefühl im Theater: Wenn der Nebenmann und andere lachen, dann lacht man viel leichter. Und wenn es eine traurige Szene gibt und im Publikum unter den Kindern alle fast den Tränen nahe sind, dann ist es ein ganz starkes Gemeinschaftsgefühl, das eigentlich nur im Theater entstehen kann.

Meine Theaterstücke sind in ganz viele Sprachen übersetzt. Die gibt es auf Spanisch, Englisch, Französisch... Witzig sind immer die Titel, die man dem Stück gibt. Mein meistgespieltes Stück hat einen Kunstnamen: Es heißt Kikerikiste, eine Zusammensetzung aus Kikeriki und Kiste, weil das Stück damit losgeht, dass eine Kiste auf der Bühne steht und dann ein Hahn kräht und ein Mann sich mühsam aus der Kiste befreit. Im Englischen heißt es etwa "Noodledoodlebox", im Ungarischen heißt es "Hoblada", im Indonesischen "Taktakatok" usw. – ich freue mich immer auf die neuen Bezeichnungen.

Sie haben mit Ihrem Schwager, dem berühmten Kameramann Michael Ballhaus, in den 1960er Jahren auch Filme gedreht. Denken Sie noch oft filmisch?

Ja, und ich habe das noch mehr gelernt dadurch, dass ich die Drehbücher geschrieben und zusammen mit dem erfahrenen Drehbuchautor Ulrich Limmer an ihnen gearbeitet habe. Es gibt in meinen Büchern manche Szenen, die richtig filmisch aufgebaut sind. Ich kann zum Beispiel eine Szene aus "Herr Bello und das blaue Wunder" zitieren, die richtig filmisch aufgebaut ist, wie mit Schnitten. Da sieht man einmal, was oben in der Wohnung passiert, ungefähr zwanzig Zeilen lang, dann kommt eine Leerzeile, und dann sieht man, was im Treppenhaus passiert, dann schneide ich nach oben und wieder nach unten, bis die beiden Ebenen zusammenkommen.

Und Sie machen auch noch Musik!

Ja, und zwar mit zwei verschiedenen Gruppen. Mit der Capella Antiqua Bambergensis und vier türkischen Musikern gehe ich mit "Das fliegende Kamel – Die Abenteuer des Nasreddin Hodscha", also des türkischen Till Eulenspiegels, auf musikalische Lesereise.

Aus meinem Buch "Schiefe Märchen und schräge Geschichten" lese ich zusammen mit zwei ganz ausgezeichneten Musikern vor. Die beiden machen Zwischenmusiken - und damit sie nicht nur sitzen und warten, bis ich aufgehört habe mit meiner Geschichte und sie wieder Musik machen dürfen, habe ich sie mit eingebaut: Sie müssen Dialoge sprechen – das können sie auch ganz gut – und dafür muss ich Lieder singen – das kann ich inzwischen auch ganz gut. Weil sie die Gedichte aus diesem Buch alle in Musik umgesetzt haben, Lieder daraus gemacht haben, und die singen wir dann zu dritt.

Zeichnen, Schreiben, Musik machen, für das Theater dichten, in Filmen denken – das klingt rundum nach sehr viel Spaß. Den wünschen wir Ihnen auch nach dem 80. Geburtstag weiterhin, nicht zuletzt zum Vergnügen Ihres Publikums!
Ich habe schon ganz viele Termine für 2018...

Sabine Peschel
 
 
12/12/2017
Filme
"Aus dem Nichts" von Fatih Akin für Golden Globe nominiert

41427145 303Der Golden Globe gilt als erster Indikator für den Erfolg in Hollywoods Award Season, die im März 2018 in der Oscarverleihung gipfelt. Fatih Akin darf auf beides hoffen - und er ist nicht der einzige deutsche Nominierte.
Die Golden Globes gelten als Auftakt für die Award-Season in Hollywood - die Nominierungen werden deshalb mit Spannung erwartet.
 
In der US-amerikanischen Film- und Fernsehbranche sind die Golden Globe Awards die wichtigsten Auszeichnungen nach den Oscars und den Emmys. Die Nominierungen für die Auszeichnungen des Verbands der Auslandspresse (HFPA) in 25 Film- und Fernsehkategorien wurden am Montag (11.12.2017) in Los Angeles bekanntgegeben.

Hollywood post Weinstein

Das Kriegsdrama "Dunkirk" und das Fantasymärchen "Shape of Water" gehen ins Rennen um den Golden Globe für das beste Drama. In der Komödien-Sparte haben unter anderem der Independent-Film "Lady Bird" und "The Disaster Artist" Gewinnchancen. Tom Hanks, James Franco, Meryl Streep und Saoirse Ronan sind unter den nominierten Schauspielern.

Mit Spannung erwartet wurden Nominierungen von Schauspielern, die im Schatten des Weinstein-Skandals stehen. Jeffrey Tambor, Star aus der Amazon-Serie "Transparent", der für seine Darstellung der Transgender-Frau Maura Pfeffermann mehrfach ausgezeichnet wurde, verließ die Amazon-Serie nach Vorwürfen sexueller Belästigung. Auf der Nominiertenliste fanden sich weder er noch die Serie. Nominiert wurde hingegen Christopher Plummer, der den gefeuerten Schauspieler Kevin Spacey im Drama "All the money in the world" ersetzte.

Zwei Deutsche mit Gewinnchancen

Fatih Akin darf mit seinem Film "Aus dem Nichts"auf einen Golden Globe in der Kategorie "Bester nicht-englischssprachiger Film" hoffen. Seine Hauptdarstellerin Diane Kruger konnte in Cannes bereits die Auszeichnung als beste Schauspielerin für ihre Rolle in dem NSU-Drama entgegen nehmen. Akins Film ist auch im Rennen für die Oscar-Nominierungen, die im Januar bekannt gegeben werden.

Fatih Akin reagierte mit großer Freude auf die Nominierung, sie habe ihn überrascht: "Ich fühle mich sehr geehrt, weil ich noch nie mit einem Film so weit gekommen bin", sagte der 44-Jährige der Deutschen Presseagentur. Dass gerade eine so persönliche Arbeit die Chance auf die Auszeichnung habe, freue ihn besonders. Auch auf einen Golden Globe hoffen darf die europäische Koproduktion "The Square", eine Kunstsatire, die in Cannes die Goldene Palme gewonnen hatte.

Der deutsche Star-Komponist Hans Zimmer könnte 2018 eine weitere Golden-Globe-Trophäe gewinnen. Der gebürtige Frankfurter holte mit seiner Komposition für das Kriegsdrama "Dunkirk" seine 13. Nominierung in der Sparte "Beste Filmmusik". Zwei Globes hat er schon, 1995 für Disneys "König der Löwen", 2001 für "Gladiator".

Von Journalisten ausgewählt

Die Trophäen in Form einer goldenen Erdkugel werden für Kinofilme und Fernsehsendungen verliehen. Der Verband der Hollywood-Auslandspresse (HFPA) vergibt die Preise seit 1944, in dieser Saison zum 75. Mal. Über die Gewinner in unterschiedlichen Kategorien entscheidet eine Gruppe internationaler Journalisten, die in Hollywood arbeiten.

Der US-Komiker und Talkshow-Moderator Seth Meyers wird nächstes Jahr erstmals die Golden Globes moderieren. In seiner Show "Late Night with Seth Meyers" nimmt der 43-Jährige immer wieder US-Präsident Donald Trump auf Korn. Im April begrüßte er seinen deutschen Kollegen Jan Böhmermann, mit dem er über deutschen Humor scherzte.

Julia Hitz
 
 
11/12/2017
Bücher
 
Hisham Matars "Die Rückkehr": Reise in die Vergangenheit

37557155 303Er ist 9, als er seine Heimat und 20, als er den Vater verliert. Für sein Buch über eine jahrzehntelange Suche nach dem Verschollenen wurde der libysche Autor Hisham Matar mit dem Geschwister-Scholl-Preis ausgezeichnet.
 
Zum 38. Mal wurde am Montag in München der Geschwister-Scholl-Preis verliehen. Gewürdigt werden damit Autoren, die "mit ihren jüngeren Werken bürgerliche Freiheit, moralischen, intellektuellen und ästhetischen Mut fördern und dem verantwortlichen Gegenwartsbewusstsein wichtige Impulse geben". Der Preis wird vom Landesverband Bayern im Börsenverein des Deutschen Buchhandels zusammen mit der Landeshauptstadt München vergeben. In den letzten Jahren hatten unter anderem der postkoloniale Theoretiker Achille Mbembe und der chinesische Exil-Autor Liao Yiwu den Preis erhalten.

DreiBücher hat Hisham Matar veröffentlicht, und alle drei sind autobiografisch geprägt. In "Die Rückkehr" stellt sich Hisham Matar – der 1970 in New York zur Welt kam, aber in Tripolis aufwuchs – den Gespenstern der Vergangenheit: dem Vater, der verschwunden ist; der enteigneten Geschichte des Landes und den gescheiterten Träumen eines neuen Libyens. Dafür erhielt der in London und New York lebende Autor im April dieses Jahres den Pulitzer Prize in der Kategorie "Biografie oder Autobiografie". Diese höchste amerikanische Auszeichnung für eine journalistische oder schriftstellerische Leistung wird jetzt durch eine deutsche Würdigung ergänzt: An diesem Montag wird der Schriftsteller für sein im Februar 2017 auf Deutsch erschienenes Buch "Die Rückkehr" in München mit dem Geschwister-Scholl-Preis ausgezeichnet.

"Die Rückkehr" sei ein Buch über die überwältigende Widerstandskraft des menschlichen Geistes, heißt es in der Begründung der Jury für den mit 10.000 Euro dotierten Preis des bayerischen Börsenvereins des Deutschen Buchhandels und des Kulturreferats der Stadt München. "Die Genauigkeit, mit der Hisham Matar über Gespräche berichtet, in denen so viel ungesagt bleiben musste, schlägt den Leser in den Bann. Alles, was wir über die lange Unfreiheitsgeschichte Libyens erfahren, die nach der Revolution weiterging, ist vermittelt durch den Rückkehrer, der nicht bleiben kann."

Claudia Kramatschek hat den in der Ich-Form geschriebenen, romanhaften Bericht für uns gelesen:

Exil, Erinnerung und eine jahrzehntelange Suche

"Früher Morgen, März 2012. In einer Lounge des Kairoer Flughafens saßen meine Mutter, meine Frau Diana und ich in einer auf den gefliesten Boden geschraubten Sitzreihe. Flug 835 nach Bengasi, verkündete eine Stimme, werde planmäßig starten".

Mit dieser Notiz beginnt "Die Rückkehr", das Buch von Hisham Matar. Es ist sein bis dato persönlichstes. Und eben deshalb auch sein bis dato bestes. Wie alle seine Romane kreist "Die Rückkehr" um die schmerzliche Leerstelle, die dem Autor literarischer Antrieb und seelische Bürde zugleich ist: 1979 floh Matar als Achtjähriger mit der Familie aus ihrer Heimat Libyen. 1990 wird der Vater – ein Diplomat, der sich dem Gaddafi-Regime entgegenstellte – aus dem ägyptischen Exil entführt und nach Abu Salim gebracht, in jenes Gefängnis in Tripolis, in dem – so liest man – all jene verschwinden, die das Regime vergessen machen lassen will.

Für Hisham Matar – er ist zu jenem Zeitpunkt neunzehn Jahre alt – wird die Suche nach der Wahrheit, was mit seinem Vater geschehen ist, zu einer lebenslangen Obsession. Immer wieder – auch davon handelt "Die Rückkehr" – und quer durch die ganze Welt folgt er Fährten, die sich als falsch erweisen, hegt er Hoffnungen, die sich zerschlagen.

Auf der Suche nach dem Vater

2012 – die Arabellion hat längst auch Libyen erfasst, Tripolis war August 2011 gefallen, Gaddafi bereits tot – tritt Hisham Matar jene Reise an, die er 33 Jahre lang ersehnt und doch immer gefürchtet hat: Zum ersten Mal fliegt er zurück nach Libyen, nicht zuletzt, um endlich Gewissheit zu erlangen, ob sein Vater noch lebt – oder wann und unter welchem Umständen er gestorben ist.

"Die Rückkehr" ist sein Bericht über diese Reise – und doch zugleich so vieles mehr. Denn das Buch – elegant und raffiniert komponiert – strahlt in diverse Richtungen und Zeiten aus, die Matar zugleich gekonnt ineinander fügt.

Alles beginnt mit jenem Tag, an dem Gaddafi 1969 die Macht an sich reißt. Das Schicksal der Familie ist damit besiegelt: Matars Vater wird zu einem gefährlichen Gegner des Regimes – das er anfänglich, wie viele Männer seiner Generation, als Aufbruch in eine neue politische Ära begrüßt hatte.

Aufschlussreich verknüpft Matar die Figur seines Vaters mit der politischen Geschichte seiner Heimat; eindringlich etwa beschreibt er die 1970er Jahre, in denen er und sein Bruder Ziad mit Klavierunterricht und Besuchen im Schwimmclub von den grausamen Machenschaften eines repressiven Regimes abgeschirmt werden sollten.

Die Lebensgeschichte seines Großvaters wiederum eröffnet Einblicke in jene Zeit, als Libyen unter italienischer Besatzung stand – und man das Land ökonomisch wie seelisch ausbluten ließ. Wer diese Passagen liest, wird mit anderen Augen auf ein Land blicken, das der Westen allzu oft und schon so lange einzig als gescheiterten Staat wahrnimmt.

Libyen 2012 – ein Land auf Messers Schneide

Gescheitert ist – auch in Libyen – vor allem die Arabellion. 2012, als Hisham Matar zurückkehrt, scheint die Möglichkeit einer besseren Zukunft zwar noch mit Händen greifbar – und doch zeichnet sich bereits der Bürgerkrieg, das politische Desaster ab, das auch in Libyen die Hoffnungen der Arabellion zerstören wird: "Ich bin", so Matar, "nie irgendwo gewesen, wo Hoffnung und Besorgnis ähnlich groß waren. Alles schien möglich, und so gut wie jeder, den ich traf, sprach in einem Atemzug von seinem Optimismus und düsteren Vorahnungen."

Und tatsächlich: Bewaffnete Milizen beherrschen alsbald den Alltag – in einem Land, so schreibt Matar hellsichtig, in dem das Licht einst in den Häusern willkommen war, wird es nun ausgesperrt wie alles andere, das von draußen kommt.

Und noch etwas ist neu: die Wände in der Öffentlichkeit, auf denen man der sogenannten Märtyrer gedenkt. Auch einer seiner Cousins hatte sich dem Widerstand gegen Gaddafi angeschlossen – und ist im Kampf gefallen. Ein anderer wird sich dem syrischen Widerstand gegen Assad anschließen. Ein weiterer Cousin hat sich von einem antriebslosen Staatsanwalt in einen engagierten Verfechter der Menschenrechte in Libyen gewandelt.

Begegnungen in kabbeligem Gewässer

Liebevoll zeichnet Matar die Begegnungen mit all jenen Menschen auf: einstige Freunde seines Vaters, vor allem aber die Angehörigen seiner Familie, die nicht wie er ins Exil gegangen waren, sondern wie sein Vater im Gefängnis saßen, oftmals jahrzehntelang, lange Zeit zudem im selben Trakt.

Es sind – so schreibt er in einer der unzähligen introspektiven Passagen, in denen er die eigene emotionale Nähe mit reflexiver Distanz zu balancieren weiß – Begegnungen in "kabbeligem Gewässer": "Sie wollten mir erzählen, wie das Leben während der langen Zeit im Gefängnis gewesen war, und ich wollte ihnen klarmachen, wie oft ich an sie gedacht hatte. ... Sie wollten mir sagen, dass sie in ihrer Treue zu Vater nicht geschwankt hatten, und ich wollte, dass sie wussten, ich hatte sie nicht vernachlässigt, sondern getan, was ich konnte."

Zu ihnen gehört auch Matars Onkel Mahmoud, der jüngste Bruder seines Vaters. Aus seinem Mund wird Matar erfahren, dass sein Vater höchstwahrscheinlich bei jenem Massaker ums Leben gekommen ist, das 1996 im Gefängnis von Abu Salim an den Gefangenen verübt worden ist – und dessen Spuren das Regime bis 2011 mit unmenschlicher Grausamkeit verschleiert hat. Und doch – so Matar – war dies der Beginn eines erneuten langsamen Widerstands gegen Gaddafi.

Der Sieg der Literatur

So schließt sich, zumindest im Buch, ein Kreis. Manche Türen darin öffnen sich, andere bleiben verschlossen: Matar hat etwa zum ersten Mal erfahren, dass auch sein Vater einst schriftstellerische Ambitionen hegte.

Und doch denkt er, als sein Onkel ihm den Hergang des Massakers schildert, an die Worte des griechischen Telemachs: "Sie handelten vom Wunsch des Sohnes, den Vater für den Rest seiner Tage in der Geborgenheit und Würde seines eigenen Hauses zu wissen, aber auch von dem Wunsch, den Vater zu Hause lassen, sich endlich umdrehen und nach vorne sehen und hinaus in die Welt ziehen zu können. Solange Odysseus vermisst wird, kann Telemach sein Zuhause nicht verlassen. Solange Odysseus nicht zu Hause ist, ist er überall und nirgends."

Der Schriftsteller Hisham Matar hat die Größe, genau diesen Schmerz des Sohnes präzise und ohne wenn und aber zu benennen. An dieser Größe bemisst sich auch die Größe dieses bewegenden Buches. "Die Rückkehr" – das kann man schon heute sagen – wird ein Klassiker: über Väter und Söhne, Heimat und Exil, über Libyen und die gescheiterten Träume der Arabellion. Es ist, kurzum, ein Sieg der Literatur über den Schmerz und die Stärke der vermeintlich Besiegten.

Hisham Matar: "Die Rückkehr: Auf der Suche nach meinem verlorenen Vater", übersetzt von Werner-Löcher-Lawrence, Luchterhand Literaturverlag Februar 2017, 288 Seiten

Claudia Kramatschek
 
 
 
 
07/12/2017
Kunst
 
Rheinischer Expressionismus in Bonn: Museum August-Macke-Haus eröffnet
 
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Bonn war Mittelpunkt des kurzen Lebens von August Macke, er fiel im Ersten Weltkrieg. Seine heiteren Bilder prägten den rheinischen Expressionismus. Die neue Ausstellung "August Macke und Freunde" lädt zum Rundgang ein.

Der Maler August Macke (1887-1914) gilt als einer der bedeutendsten deutschen Expressionisten. Sein ehemaliges Wohn- und Atelierhaus in Bonn ist heute in den Museumsneubau integriert. Nach zweijähriger Bauzeit öffnete das Haus nun. Die Schau "August Macke und Freunde - Begegnung in Bildwelten" umfasst 150 Exponate.

Sorglosigkeit, Lebensfreude und Harmonie

Seine "künstlerischen Kontakte, Netzwerke und Freundeskreise" stehen im Vordergrund, heißt es im Begleittext. Zu sehen sind unter anderem Gemälde von Paul Klee, Heinrich Campendonk und Wassily Kandinsky, dessen Künstlerkreis des "Blauen Reiters" auch Macke eng verbunden war.

Bunt und schön und heiter: So ist die Welt des Malers August Macke. Nichts Böses, nichts Bedrohliches scheint in seinen Bildern Platz zu haben. Seine Großstadtszenen, Gartenbilder und Stillleben strotzen nur so vor Licht und Farben. "Er hat vor uns allen der Farbe den hellsten und reinsten Klang gegeben, so klar und hell wie sein ganzes Wesen war", schreibt Mackes Zeitgenosse Franz Marc 1914 in einem Nachruf auf seinen Freund. August Macke stirbt in Frankreich als Soldat im Ersten Weltkrieg - im Alter von nur 27 Jahren.

Künstlertreff in Bonn

Bonn - das zeigen diese Bilder auch - war stets die Heimat des 1887 im Sauerland geborenen Künstlers. Schon zu Schulzeiten lernt er hier die damals 15-jährige Elisabeth Gerhardt kennen. Eine entscheidende Begegnung sowohl für Mackes Leben als auch für seine Arbeit.
Elisabeth wird Mackes Ehefrau und eines seiner liebsten Porträt-Motive. Der finanzielle Wohlstand ihrer Familie ermöglicht dem Paar außerdem ein in materieller Hinsicht sorgenfreies Leben.

In dem klassizistischen Bau an der Bornheimer Straße lebte er ab 1911 mit seiner Frau und den beiden Söhnen Walter und Wolfgang, es war stets auch Treffpunkt junger Künstler aus der Region und war der Dreh- und Angelpunkt für Mackes künstlerische Aktivitäten. Hier entstanden einige seiner wichtigsten Werke. Rund 11.000 Zeichnungen, Gemälde und Aquarelle umfasst Mackes Oeuvre - eine beeindruckende Bilanz für eine nur knapp zehnjährige Schaffensphase.

Macke selbst bezeichnete seine Kunst als einen "Gesang von der Schönheit der Dinge". Das wird nirgends so deutlich wie in seinen Gartenbildern, die vor satten Grün-, Violett- und Gelbtönen geradezu überquellen. Es sind Szenen aus jenem Garten, der heute - eingefasst von einer meterhohen Glasfront - die Verbindung zwischen altem Wohnhaus und neuem Museumsbau bildet.

Das neue Museum: "ein Glanzstück"

Herzstück des Museums ist das ehemalige Wohn- und Atelierhaus des Künstlers. Eine multimediale Dauerausstellung soll hier Mackes Themen und Lebensweg erfahrbar machen. Der Erweiterungsbau an dem Wohn- und Atelierhaus im Bonner Nordwesten entstand nach Entwürfen des Architekten Karl-Heinz Schommer.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) würdigte das neu gestaltete Museum am Freitag in Bonn als "Glanzstück". Sie erklärte, das Museum verbinde die authentische Wirkungsstätte Mackes mit neuen Ausstellungs- und Veranstaltungsräumen. Hier könne "das Werk und das Schaffen dieses großen Meisters des deutschen Expressionismus nun endlich angemessen präsentiert werden". Daher habe sich der Bund mit 3,5 Millionen Euro an der Gesamtbaukosten von 7,5 Millionen Euro beteiligt. "Ich bin überzeugt, dass das Museum nicht nur als Ausstellungsort der Werke August Mackes, sondern auch als Forschungsstätte zum Rheinischen Expressionismus einen wichtigen Platz in der deutschen und internationalen Museumslandschaft einnehmen wird", so Grütters.
 
 
06/12/2017
Kunst
 
Turner-Preis: Auszeichnung für Andrea Büttner?

41663586 403Auf die Shortlist der renommierten Auszeichnung für moderne Kunst hat sie es schon mal geschafft. Ob Andrea Büttner den Turner-Preis am Ende auch mit nach Hause nehmen darf, entscheidet sich am Dienstagabend in Hull.

Der Fotokünstler Wolfgang Tillmans und die Malerin Tomma Abts sind bisher die einzigen Deutschen, die den Turner-Preis gewinnen konnten. Am Dienstagabend jedoch (05.12.2017) könnte eine deutsche Preisträgerin hinzukommen, denn unter den vier Nominierten befindet sich in diesem Jahr auch die in Stuttgart geborene Künstlerin Andrea Büttner.

Bereits im Mai hatte sie die internationale Jury mit ihrem Portfolio an Skulpturen, Gemälden und Filmen, die die Grenzen des Körpers thematisieren, überzeugt.

Büttners Arbeiten umfassen Drucke, Radierungen und Gemälde, in denen es unter anderem um das Thema "Scham und Verlegenheit" geht. Sie studierte an der Universität der Künste Berlin Bildende Kunst, sowie Kunstgeschichte und Philosophie. 2014 illustrierte sie Kants "Kritik der reinen Vernunft", indem sie sich fragte, welche Bilder Kant beim Schreiben vor Augen gehabt haben könnte. Nach ihrem Studium in Deutschland promovierte sie am Londoner Royal College of Art. Mittlerweile lebt und arbeitet die 1972 geborene Künstlerin in London und Berlin.

Erstmals Altersgrenze aufgehoben

Neben Andrea Büttner nominierte die Jury Hurvin Anderson und Lubaina Himid. Dies ist ungewöhnlich, da beide Künstler über 50 Jahre alt sind. Bis zum vergangenen Jahr galt für den Turner-Preis eine Altersgrenze von 50 Jahren. Die Organisatoren änderten diese Regelung für den diesjährigen Wettbewerb, um auch die Leistung von Künstlern zu würdigen, die erst spät ihren Durchbruch schafften. Die vierte Kandidatin auf der Shortlist ist die britische Filmkünstlerin Rosalind Nashashibi.

Ausstellung präsentiert Werke der Preisanwärter

Der Brite Anderson widmet sich in seiner Malerei den Themen Identität und Zugehörigkeit, die aus Sansibar stammende Himid verhandelt in Gemälden, Grafiken und Installationen den Einfluss schwarzer Einwanderer auf die westliche Kultur. Nashashibi setzt sich mit von Menschen besetzten Räumen auseinander und nimmt dabei den Kleingarten ebenso in den Fokus wie den Gaza-Streifen.

In einer Ausstellung zum Turner-Preis sind noch bis zum 7. Januar 2018 Arbeiten der Nominierten in der diesjährigen britischen Kulturhauptstadt Kingston upon Hull im Norden Englands zu sehen.

Der 1984 ins Leben gerufene und nach dem britischen Maler William Turner (1775-1851) benannte Preis gilt als wichtigste britische Auszeichnung für zeitgenössische Kunst. Geehrt werden Künstler, die in Großbritannien geboren wurden, dort leben oder arbeiten. Der Preisträger, der am späten Dienstagabend in Hull bekanntgegeben wird, erhält 25.000 Pfund (etwa 28.000 Euro).
 
 
 
05/12/2017
Reise
 
Die schönsten Weihnachtsmärkte in Europa
 
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Schnee und Kälte als perfekte Kulisse lassen mancherorts noch auf sich warten. Aber auf die Weihnachtsmärkte in vielen europäischen Städten ist Verlass. Sie laden ein zum vorweihnachtlichen Bummeln und Glühwein trinken.

1. Köln, Deutschland

Jährlich besuchen bis zu vier Millionen Gäste den Weihnachtsmarkt vor dem Kölner Dom. Er gilt als einer der beliebtesten Weihnachtsmärkte Deutschlands. Neben Marktständen sorgen über 100 Bühnenveranstaltungen für reichlich Stimmung. Zur Kölner Vielfalt gehört auch die "Christmas Avenue", ein schwul-lesbischer Weihnachtsmarkt am Rudolfplatz.

2. Krakau, Polen

Der Weihnachtsmarkt befindet sich direkt in der Altstadt, auf dem historischen Hauptmarkt. Wem das Herz hier nicht durch die romantische Kulisse warm wird, dem hilft vielleicht der polnische Wodka. Hauptattraktion ist der alljährlich stattfindende Weihnachtskrippen-Wettbewerb.

3. Wien, Österreich

Der Altwiener Christkindlmarkt ist auf dem historischen Marktplatz vor der Schottenkirche beherbergt. Neben der mit 46 Metern längsten Krippe Österreichs wirbt dieser Markt besonders mit hochwertigem Kunsthandwerk. Er entstand 1987 aus der Idee heraus, der Kommerzialisierung der Weihnachtsmärkte etwas entgegenzusetzen. Der Versuch scheint gelungen.

4. Basel, Schweiz

Der Basler Weihnachtsmarkt auf dem Barfüsserplatz gilt als der größte Weihnachtsmarkt der Schweiz und besitzt die längste beleuchtete Weihnachtsstraße Europas. Dicht an dicht stehen 180 Stände. Von Holzspielzeug bis hin zu veganen Produkten und indischen Handarbeiten ist hier alles zu finden, was das Herz begehrt.

5. Straßburg, Frankreich

Den Christkindelsmärik in Straßburg gibt es schon seit 1570. Er ist damit der älteste Weihnachtsmarkt Frankreichs. Das besondere: Die typischen Holzbuden drängen sich nicht nur zu Füßen des Straßburger Münsters, sondern auf vielen anderen Plätzen der Stadt, und jeder hat seine eigenen Spezialitäten.

6. Brügge, Belgien

Der Brügger Weihnachtsmarkt schlägt seine Buden auf dem "Grote Markt" auf. Die mittelalterliche Stadt passt sich mit ihrer Beleuchtung der Weihnachtsstimmung an. Bei Anbruch der Dunkelheit schmücken Lichterketten die Häusergiebel und verzaubern die Besucher. Rund um den Marktplatz stehen Pferdekutschen bereit für eine Fahrt durch die festlich beleuchtete Stadt.

7. Madrid, Spanien

Madrids Weihnachtsmarkt wird auf der Plaza Mayor aufgebaut. Höhepunkt der Weihnachtszeit in Spanien ist der 6. Januar. Dann findet der Umzug der Heiligen Drei Könige statt. Sie überbringen in Spanien die Geschenke, nicht das Christkind. Jährlich kommen tausende Touristen, um das Straßenfest miterleben zu können. Die Parade wird live im Fernsehen übertragen.

8. London, Großbritannien

Deutsche Weihnacht ist ein Exportartikel. Und das "Winter Wonderland" im Londoner Hyde Park der beste Beweis dafür. Ein "Bavarian Village" nach deutschem Vorbild mit Bratwurst und Glühwein. Darüberhinaus sorgen Riesenrad, Achterbahn und Schlittschuhbahn für Abwechslung. Beliebt ist auch der Eisskulpturengarten "Magical Ice Kingdom".

9. Göteborg, Schweden

Der Weihnachtsmarkt "Jul pa Liseberg" in Göteborg ist der größte in Schweden und gilt als besonders magisch. 5 Millionen Weihnachtslichter verbreiten hier festliche Stimmung. Von schwedischen Spezialitäten über Musik- und Theateraufführungen bis hin zu einer Fahrt mit dem Rentierschlitten gibt es hier alles. Mit Unterhaltung hat man hier Erfahrung. Im Sommer ist das Gelände ein Vergnügungspark.

10. Nürnberg, Deutschland

"Ihr Herrn und Frau'n, die ihr einst Kinder wart, seid es heut wieder", spricht das Christkind, wenn es den Nürnberger Christkindlesmarkt eröffnet. Er gehört zu den ältesten der Welt, erste Zeugnisse erwähnen den Markt im Jahre 1628. Hier findet man Weihnachtsschmuck ebenso wie den typischen Nürnberger Lebkuchen - so wie es sich zur Weihnachtszeit gehört.
 
 
 
04/12/2017
 
5 deutsche Adventsleckereien, von denen Sie vielleicht gar nicht wissen wollen, wie "sündhaft" sie wirklich sind

18843717 303Zur Weihnachtszeit lauern überall süße Versuchungen. Manche sind sogar noch gehaltvoller, als sie aussehen - Glühwein zum Beispiel oder Christstollen haben ein enormes Dickmacherpotenzial.
 
Er ist eine der typisch deutschen Adventsleckereien: der Christstollen. Der Kuchen aus schwerem Hefeteig ist zur Weihnachtszeit auf Deutschlands Kaffeetafeln nicht wegzudenken. Besonders in Dresden ist das Gebäck, das dort liebevoll "Striezel" genannt wird, fast ein Nationalheiligtum, berühmt-berüchtigt für seinen buttrigen Geschmack und die vielen Kalorien.
 

Vom Fastengebäck zur Kalorienbombe

Dabei bestand der Stollen, als er im 15. Jahrhundert zum ersten Mal gebacken wurde, aus kaum mehr als Wasser, Hefe und Mehl. So wollten es die religiösen Dogmen der Kirche. Zur Kalorienbombe wurde der Dresdner Christstollen erst im Jahr 1491. Der Legende nach holten die Sachsen beim Vatikan die Erlaubnis ein, ihrem Striezel Butter beizumischen. Der Papst stimmte zu und sandte den sogenannten "Butterbrief" in die Regentenstadt.

In Dresdner Backstuben gab es seitdem kein Halten mehr. Zu fast einem Drittel aus Butter besteht der Dresdner Christstollen, damit er schmackhaft und saftig wird. Dazu kommen allerhand süße Rosinen, Orangeat und Zitronat, Mandeln und eine dicke Schicht Puderzucker. Aus dem Fastengebäck wurde so eine echte Wohlstandsspeise.

Mehr Kalorien als ein Burger

Wer ein Stück Dresdner Christstollen verzehrt, muss mit rund 400 Kalorien rechnen. Das sind fast doppelt so viele wie in einem Hamburger. Um die Kalorien einer Scheibe Stollen wieder loszuwerden, müsste man also mindestens eine halbe Stunde stramm laufen.

Davon lässt sich aber kaum einer vom Genuss des reichhaltigen Christstollens abhalten, schon gar nicht in Dresden. Um die Kalorien kümmert man sich dann einfach im nächsten Jahr - zumindest nimmt man es sich an Silvester vor ...

1. Glühwein

40 Millionen Liter Glühwein trinken die Deutschen in jedem Jahr. Dabei verursacht das Getränk aus Rotwein, Zucker und Gewürzen nicht nur einen gehörigen Schwips, sondern sorgt auch für ordentlich Speck auf den Hüften. Denn in jedem Glas befinden sich 210 Kilokalorien. Und bei Glühwein mit Schuss gibt es noch mal 50 kcal obendrauf.

2. Dresdner Christstollen

Er sieht harmlos aus, doch hat es gehörig in sich. Besonders an Butter darf es dem Dresdner Christstollen nicht fehlen. Auf zwei Teile Mehl kommt bei der Zubereitung ein Teil Butter. 100 Gramm, also etwa ein Stück Stollen, schlagen deshalb mit sage und schreibe 400 Kilokalorien zu Buche. Da schafft man selten mehr als zwei Scheiben.

3. Nürnberger Lebkuchen

Ebenso beliebt zu Weihnachten sind diese noch sündhafteren Adventsleckereien. Nürnberger Lebkuchen werden seit 500 Jahren aus Mehl, Zucker, Butter, Honig und Gewürzen hergestellt und haben rund 420 Kilokalorien pro 100 Gramm. Wegen der vielen Gewürze wird dem Lebkuchen eine magenberuhigende Wirkung nachgesagt - in manchen Regionen wird er daher auch "Magenbrot" genannt.

4. Gebrannte Mandeln

Diese süßen Dinger sind nicht nur schlecht für die Zähne, sondern auch für die Bikinifigur. In einem großen Kessel werden die Mandeln mit purem Zucker karamellisiert. Danach haben sie mehr als 500 Kilokalorien pro 100 Gramm. Dennoch sind sie auf dem Weihnachtsmarkt der Dauerbrenner unter den Adventsleckereien.

5. Schoko-Weihnachtsmann

Ohne sie geht in der Adventszeit gar nichts: Seit rund 200 Jahren essen die Deutschen Schokoladen-Weihnachtsmänner. Rund 140 Millionen Stück werden in jedem Jahr produziert - davon geht rund ein Drittel in den Export. Rekordverdächtig ist auch das Dickmacherpotenzial der Schoko-Nikoläuse: Pro 100 Gramm zählen sie kapitale 536 Kilokalorien.

Antje Binder
 
 

 

 


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