Deutschland Online

15/01/2018

Ein deutsches Jahrhundert: Bernhard Schlinks neuer Roman "Olga"

 Ein neues Buch des international bekannten Autors Bernhard Schlink ist immer ein Ereignis. "Olga" bietet einen Ritt durch deutsche Geschichte, ein paar faustdicke Überraschungen und erinnert an Schlinks "Der Vorleser".


Bernhard Schlinks Roman "Der Vorleser" eroberte vor 22 Jahren die literarische Welt. Einen solchen internationalen Erfolg hatte es für einen deutschen Schriftsteller zuvor kaum einmal gegeben. "Der Vorleser" wurde in fast 50 Sprachen übersetzt und schaffte es auf Platz 1 der Bestsellerliste der "New York Times" - als erstes Buch eines Deutschen überhaupt! US-Talkmasterin Oprah Winfrey hatte Schlinks Roman zuvor im amerikanischen Fernsehen beworben.

Schlinks literarischer Erfolg schaffte es auch ins Kino

2008 nahm sich das Kino des Erfolgsromans an. Auch die deutsch-amerikanische Verfilmung mit Kate Winslet und David Kross in den Hauptrollen wurde ein Erfolg, Winslet gewann unter anderem einen Golden Globe und einen Oscar für ihre Darstellung einer ehemaligen KZ-Aufseherin. Zentrales Thema des Buches war der Umgang der verschiedenen Protagonisten mit der NS-Vergangenheit nach dem Zweiten Weltkrieg.
An der literarischen Umsetzung des Stoffes hatte sich nach Erscheinen des Buchs in Deutschland eine Debatte entzündet. Zwar wurde Schlinks Roman vielfach gelobt, von einigen Kritikern wurde dem Schriftsteller aber auch Geschichtsrevisionismus und eine starke Vereinfachung des komplexen Themas vorgeworfen. Schlink selbst setzte sich damals gegen die Vorwürfe, er habe "Geschichtspornografie" betrieben, zur Wehr.

Man muss diese Hintergründe nicht kennen, um "Olga", den neuen Roman des 1944 im Westfälischen geborenen Juristen und Schriftstellers Bernhard Schlink, zu lesen und zu verstehen. Gleichwohl dürfte es den Lesereiz erhöhen. Denn "Olga" erinnert in manchen Passagen und mit einigen Motiven an das ältere Buch. Vor allem die Konstellation "jüngerer Mann und ältere Frau beim Gedankenaustausch über deutsche Vergangenheit und Geschichte" kommt einem bekannt vor.

Ein ungleiches Paar: Olga und Herbert

Um was geht es in "Olga"? Schlink verfolgt seine Titelfigur praktisch über ein ganzes Lebensalter. Die junge Waise aus einfachen Verhältnissen wächst zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts zunächst bei der Großmutter in einem schlesischen Dorf auf. Sie wird Lehrerin und verliebt sich in Herbert, den Sohn eines herrschaftlichen Gutes aus der Nachbarschaft. Die beiden kommen zusammen, allerdings ohne die Zustimmung von Herberts Eltern und Schwester: Das Mädchen aus den einfachen Verhältnissen "passt" nicht in die Welt des schlesischen Adels.
Olga zieht ins ostpreußische Tilsit, auch dort arbeitet sie als Lehrerin. Herbert verpflichtet sich freiwillig nach Deutsch-Südwest-Afrika, wird als Soldat Zeuge des Herero-Aufstands gegen die deutschen Kolonialherren. Zurück in der Heimat hält es den abenteuerlustigen und von großdeutschen Kolonial-Ideen begeisterten jungen Mann nur kurz in Deutschland. Er bricht zu weiteren Reisen nach Südamerika auf. Schließlich verschlägt es ihn in die Arktis, zu den letzten noch nicht eroberten Gebieten der Weltmächte. Eine fatale Entscheidung: Von einer Expedition kehrt er nicht zurück.

Parallel dazu erzählt Schlink auch noch von einem der Schüler Olgas: Eik ist ein kluger und aufgeweckter Junge, den die Lehrerin zu fördern versucht.

Ein Leben in der Rückschau: Olgas Geschichte

Im zweiten Teil des Romans tritt der Ich-Erzähler in den Vordergrund. Er begegnet Olga, die nach dem Zweiten Weltkrieg als Vertriebene nach Heidelberg kommt und dort als Näherin arbeitet. Zwischen den beiden, dem jungen Mann und der älteren Frau, entwickelt sich eine Freundschaft. Olga erzählt von ihrem Leben in Deutschland, von Herbert und dessen Verschwinden. Die beiden sprechen von Krieg und Nationalismus, von alten und neuen Zeiten - die Studentenrevolte von '68 und das neue Denken der Jugend spielen auch eine Rolle.
Im dritten und letzten Teil schließlich wird das Buch zu einem Briefroman: Nach dem Tod Olgas gerät der Ich-Erzähler an ein Brief-Konvolut der Titelfigur. Adressiert sind die Schreiben an den in der Ferne lebenden und dann vermissten Herbert. Die Briefe, sie umspannen den Zeitraum zwischen 1913 und 1971, geben im Rückblick noch einmal Auskunft über Olgas Denken und Handeln. Dabei wird Überraschendes zu Tage gefördert, über Herbert und Olga, auch über ihren ehemaligen Schüler Eik.

Schlink schreitet mit Riesenschritten durchs Jahrhundert

Was sich komplex und kompliziert anhört - ein ganzes deutsches Jahrhundert, private und öffentliche Geschichte -, gerät bei Schlink verblüffender Weise zur leicht lesbaren Lektüre. Verschiedene Epochen deutscher Geschichte werden hier im Schnelldurchlauf gestreift, Krieg- und Friedensjahre manchmal auf wenige Seiten zusammengestaucht. Andere Autoren hätten für den Stoff mutmaßlich das Dreifache gebraucht, nicht jedoch Bernhard Schlink.

Dem Autor ging es offensichtlich weniger um einen barock ausgeschmückten Historienroman mit weitverzweigtem Personenarsenal, als vielmehr um eine komprimierte Ideengeschichte des Jahrhunderts aus deutscher Sicht. Die erschließt sich vor allem im Gespräch - zwischen dem jüngeren, männlichen Erzähler und der älteren Frau. Das wird manchem Leser (und Kritiker) vielleicht oberflächlich erscheinen, womöglich nicht reflektiert genug.
Doch "Olga" zeigt auch die Stärken des Autors Bernhard Schlink. Immer wieder gelingen ihm berührende Passagen, die dem Leser zumindest eine Ahnung davon verschaffen, wie sich die Menschen in Deutschland gefühlt haben mögen zwischen Krieg und Frieden, Vergangenheit und Gegenwart.

Die gehörlose Olga wird zum "Sprachrohr" für den Leser

Das erinnert dann phasenweise an Schlinks Welterfolg "Der Vorleser". Dessen weibliche Hauptfigur, Hanna Schmitz, konnte zunächst weder lesen noch schreiben, sie war Analphabetin. Über die Begegnung mit dem wesentlich jüngeren Michael Berg und die gemeinsamen Vorlesestunden verschaffte Schlink dem Leser einen Zugang zur Gedankenwelt seiner Protagonisten.

In Schlinks neuem Roman "Olga" verliert die Protagonistin schon relativ früh das Gehör. Auch dort tritt ein jüngerer Mann in das Romangeschehen ein. Auch dort nutzt Schlink die Begegnung zwischen zwei unterschiedlichen Charakteren als literarische Brücke: zwischen einer Romanfigur mit reicher Vergangenheit und dem Leser.

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Bücher

 

04/01/2018
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Kunst

Wie man mit Wörtern schöne Fotos macht

 Wer mit offenen Augen durch die Welt läuft, sieht sie überall: Wörter. An Gebäuden, Fassaden, auf Schildern, auf dem Boden. Fotograf und Instagrammer Martin Widenka zeigt, wie man deutsche Wörter witzig in Szene setzt.

 "Freiheit": 940 Likes. "Geist": 842 Likes. "Oktoberfest": 693 Likes. Der Instagram-Account @basicgermanwords hat 17.5000 Abonnenten, täglich kommen neue dazu. Es ist ein Mitmach-Account. Jeder, der ein deutsches Wort fotografiert und es mit #basicgermanwords taggt, kann Teil davon werden. Der Initiator heißt Martin Widenka. Der Fotograf hat den Account im Juli 2014 eröffnet - und er zeigt vor allem eins: Wörter. Schöne Wörter, und auch weniger schöne Wörter, in einem Kontext, der mit dem Wort spielt und ihm noch mehr Aussagekraft gibt. Da spielen Architektur, Schriftart und Farbe eine große Rolle.

Die Idee dazu kam Widenka, als er an einem Sommertag durch Mannheim spazierte. Dabei entdeckte er ein Parkhaus, gebaut in den 1980ern, über dessen Einfahrt in riesigen Lettern das Wort "Parkhaus" stand. "Ich habe es fotografiert, in schwarzweiß nachbearbeitet und sofort auf meinen Instagram-Account hochgeladen", erzählt Widenka. "Damals habe ich mir immer gerne besondere Hashtags ausgedacht. In diesem Fall passte #basicgermanwords perfekt." Einfache Wörter aus dem deutschen Grundwortschatz, spielerisch in Szene gesetzt - diese Idee kam auch bei anderen Instagrammern gut an.

Eine weltweite Community entsteht

Plötzlich luden Menschen aus der ganzen Welt Fotos mit deutschen Wörtern auf Instagram hoch und taggten sie mit #basicgermanwords. Um alle Fotos zu bündeln und sie einem größeren Publikum bereitzustellen, eröffnete Widenka den Account. "Es ist ein richtiger Communtiy-Hashtag geworden", freut sich Widenka, dem es besonders gut gefällt, dass die Leute einen neuen Blick auf ihre Umgebung haben, auf die Sprache, den Charme und die Bilder ihrer verschiedenen Städte.

Die Idee geht darüber hinaus: Deutsche Wörter gibt es auch im nicht deutschsprachigen Ausland - #basicgermanwords zeigt, welchen Einfluss die deutsche Sprache weltweit hat. "Es ist großartig zu sehen, dass es auch in New York, Uruguay oder auch Taiwan fotogene deutsche Wörter gibt", so Widenka.

Er ist bei seiner Auswahl allerdings auch kritisch. Die Bilder sollten schon von einer guten Qualität sein, gut belichtet, nicht zu stark bearbeitet und nicht schief. "Ich muss auch zugeben, dass ich Fotos aus dem Ausland immer Vorrang gebe."

Für alle, die die deutsche Sprache mögen

Für Menschen, die die deutsche Sprache erst lernen, kann diese Instragam-Seite eine Inspiration sein, einmal genauer auf die Bedeutung und die Herkunft eines deutschen Wortes einzugehen. Auch das will Widenka mit @basicgermanwords erreichen. Mit Hilfe von Bildern lasse sich eine so komplizierte Sprache wie Deutsch auch viel besser lernen, meint der Fotograf. "Wenn du lustige Bilder hast, mit denen du Tag für Tag ein bisschen lernen kannst, ist es sicher leichter in eine fremde Sprache einzutauchen."

Der Account ist nicht nur für Deutschlerner interessant. Auch Deutsche, die ihre Sprache lieben, können Spaß an @basicgermanwords haben. Eben weil die Wörter zum größten Teil einfallsreich inszeniert sind. Eine große Herausforderung für Widenka ist es noch, den Begriff "Rechtsschutzversicherungsgesellschaft" in Szene zu setzen - um selbst aus diesem Wortungetüm eine versteckte Schönheit hervorzulocken.

Instagrammer @basicgermanwords: Wörter als Fotomodelle

Da hat jemand etwas übersehen

Der Fotograf Martin Widenka lädt auf seinen Instagram-Account @basicgermanwords witzig und künstlerisch in Szene gesetzte deutsche Wörter hoch. Und hat damit großen Erfolg. Schöne Worte - ohne Worte...

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03/01/2018
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Musik
Neujahrskonzert mit den Wiener Philharmonikern

doMit 50 Millionen Zuschauern in 90 Ländern ist dieses traditionelle Konzert das erfolgreichste Klassikevent weltweit. Seit mehr als 170 Jahren steht der Klang des Orchesters für allerhöchste Qualität.

Wenn Melodien von Johann Strauss auf der Bühne des schmucken Wiener Musikvereins erklingen, heißt das, dass wieder ein Jahr vergangen ist. Bei der Liveübertragung des Neujahrskonzerts der Wiener Philharmoniker kommen zum Fernsehpublikum viele Radiohörer und Live Stream-User hinzu. Annika Nyberg Frankenhauser, ehemalige Mediendirektorin der European Broadcasting Union (EBU), brachte einmal den Zauber auf den Punkt: "Dieses lange erwartete Konzert ist eine Gelegenheit, um im Rahmen eines flotten und zugleich nostalgischen Programms auf das vergangene Jahr zurückzublicken und das neue Jahr beschwingt anzugehen."

Auf dem Podium steht diesmal der italienische Dirigent Riccardo Muti, dessen Zusammenarbeit mit den Wiener Philharmonikern Jahrzehnte zurückreicht. Zu Beginn erklingt der Auftrittsmarsch aus der Operette "Der Zigeunerbaron" von Johann Strauss, Jr. Auf dem Programm stehen auch Walzer, Polkas und Märsche der Strauss-Komponistendynastie sowie von Franz von Suppé und Alphons Czibulka.

Berauschender Dreivierteltakt

"Man kann kaum die Macht begreifen, die der Walzer ausübt", schrieb der französischer Graf Auguste de la Garde 1815 während des Wiener Kongresses. "Sobald die ersten Takte sich hören lassen, klären sich die Mienen auf, die Augen beleben sich, ein Wonnebeben durchrieselt alle." Es dürfte nicht überraschen, dass diese Tanzform, die aus dem adretten, höfischen Menuett entstand, von der Kirche verboten wurde - allerdings ohne Erfolg: Seine verführerische Kraft, so die Glaubenshüter, hätte angeblich nicht nur seelische Aspekte.

Im Epizentrum des Walzers steht die Strauss-Komponistendynastie, angeführt von Johann Strauss Vater, den kein geringerer als Richard Wagner als "den musikalischsten Schädel in Europa" beschrieb. Strauss Junior, wohl der erste Popstar der Musikgeschichte, durchkreuzte Europa mit seinem Tanzorchester und schuf unsterbliche Melodien wie "An der schönen blauen Donau". "Leider nicht von mir" lamentierte sein Zeitgenosse Johannes Brahms.

Die Marke Strauss verwischte die Grenze zwischen ernster Musik und Unterhaltung und ist in Wien beheimatet, so wie auch die Wiener Philharmoniker ihren Sitz in der "Hauptstadt der Klassik" haben. Das Orchester ist wie kein anderes mit Walzern, Polkas, Märschen und Operetten in Wiener Tradition verbunden. Es wäre jedoch ein Fehler, es darauf zu beschränken.

Vom Hofmusikanten zum Philharmoniker

Die Ursprünge des Orchesters gehen auf die Wiener Hofoper zurück, dessen Musiker gelegentlich von Mozart oder Beethoven für "Akademie"-Konzerte engagiert wurden. Im Laufe der Zeit entstand der Bedarf nach einem eigenständigen Klangkörper, der Werke jenseits des Opernrepertoires pflegen sollte. 1841 gründete der Komponist und Dirigent Otto Nikolai das Ensemble, das später als Wiener Philharmoniker zu Weltruhm kommen sollte. Bis zum heutigen Tag müssen sich seine Mitglieder verpflichten, auch im Orchester der Wiener Staatsoper zu spielen.

Etwa 7000 Konzertauftritte gaben die Wiener Philharmoniker in ihrer mehr als 170-jährigen Geschichte. Viele Komponisten spendeten dem Orchester reichlich Lob. Richard Wagner bezeichnete es als "eines der allervorzüglichsten der Welt", Anton Bruckner nannte es "den höchsten Kunstverein in der Musik", Johannes Brahms bezeichnete sich als "Freund und Verehrer", und Richard Strauss fasste zusammen: "Die Philharmoniker preisen heißt Geigen nach Wien tragen."

Geheimnis des Erfolgs

Seit ihren Anfangstagen sind die Philharmoniker ein selbstverwaltetes Orchester. "Das Eingangstor zum Orchester ist die Wiener Staatsoper", erklärte Oboist Wolfgang Plank das Aufnahmeverfahren im DW-Interview. "Dort werden junge Musiker zunächst aufgenommen, und wenn sie die dreijährige Probezeit bestehen, werden sie nach und nach auch zum Konzertspielen herangezogen. Die Gewichtung, wie viel Oper und wie viel Konzert man spielt, hängt von den Erfordernissen der jeweiligen Termine ab. Man leistet den Hauptdienst schon in der Oper, aber es dürfte für die meisten Orchestermitglieder etwa halbe-halbe sein."

Einen Orchesterklang als unverwechselbar zu beschreiben, fällt in der heutigen Zeit zwar schwer, aber genau das wird von den Wienern behauptet. "Die Oboe zum Beispiel ist hier ein anderes Instrument als bei anderen Orchestern: ein früheres, obertonreicheres Exemplar", so Wolfgang Plank. "Auch Hörner, Pauken und sogar die Triangel sind Sonderanfertigungen für die Wiener Philharmoniker."

Dabei ist der spezielle Klang wie bei keinem anderen Orchester auch von den wichtigsten Dirigenten der jeweiligen Zeit geprägt worden - allen voran von Hans Richter, dem legendären Dirigenten des ersten Bayreuther "Ring". Seine Zeit als Chefdirigent von 1875 bis 1898 wird als "goldene Ära" beschrieben. Wagner, Verdi, Bruckner, Brahms und Liszt dirigierten das Orchester beziehungsweise konzertierten darin als Solisten. Von 1898 bis 1901 arbeitete Gustav Mahler eng mit dem Klangkörper zusammen und ging mit ihm 1900 auf seine erste Auslandstournee, zur Weltausstellung in Paris. Mit Felix von Weingartner, der die Wiener ab 1908 19 Jahre lang leitete, verließ das Orchester 1922 erstmals Europa und gastierte in Südamerika. Seit 1933 arbeiten die Wiener Philharmoniker nur noch mit Gastdirigenten.

Die dunkle Zeit

Nach dem Anschluss Österreichs an Deutschland im Jahr 1938 lösten die Nationalsozialisten die Selbstverwaltungsstruktur der Wiener Philharmoniker auf, um sie unter staatliche Kontrolle zu bringen; nur durch Intervention des Dirigenten Wilhelm Furtwängler und anderer konnte dieser Bescheid rückgängig gemacht werden. Es war kaum eine goldene Ära: Alle jüdischen Künstler wurden sofort entlassen. Fünf davon starben während der Haft im Konzentrationslager oder wurden dort ermordet, zwei weitere starben verfolgungsbedingt in Wien. Neun Orchestermitglieder wurden ins Exil gezwungen. Elf Mitglieder, die entweder mit Jüdinnen verheiratet oder als "Halbjuden" stigmatisiert waren, verblieben im Orchester, lebten jedoch unter ständiger Bedrohung. 1942 waren 60 der 123 aktiven Mitglieder der Wiener Philharmoniker Mitglieder der NSDAP, ein viel größerer Anteil als allgemein in der Bevölkerung.

Diese Details sind erst in der jüngeren Geschichte veröffentlicht worden. "Der öffentliche Druck auf das Orchester wurde so groß, dass es die Karten offen legen musste", sagte der Schweizer Historiker Fritz Trümpi der DW im Interview. Er ist einer von drei Historikern, die die Geschichte des Orchesters im Zweiten Weltkrieg unter die Lupe nahmen. Eine fortlaufende Dokumentation der Nazi-Ära mit erschütternden Geschichten einzelner Schicksale ist seit 2013 auf der Homepage der Wiener Philharmoniker zu lesen.

Aufbruch in die Moderne

Sogar das Neujahrskonzert ist eine Tradition aus der Nazi-Ära. Das hat den Glanz der Philharmoniker in der Nachkriegszeit allerdings kaum getrübt. Sie arbeiteten mit führenden Dirigenten weiter: fünf Jahrzehnte mit Herbert von Karajan und mehrere Jahre mit dem Ehrenmitglied Leonard Bernstein. Die Wiener Philharmoniker sind seit 1922 fast jedes Jahr bei den Salzburger Festspielen aufgetreten, und die "Wiener Philharmoniker-Wochen" finden in New York und Japan seit 1989 bzw. 1993 statt. Sommerliche Freiluftaufführungen am Schloss Schönbrünn in Wien ziehen an die 100.000 Besucher an.

2005 wurden die Musiker zu Ehrenbotschaftern der Weltgesundheitsorganisation WHO ernannt. 2014 erhielt das Orchester gleich zwei wichtige Auszeichnungen: den schwedischen Birgit Nilsson-Preis (mit einer Million US-Dollar der höchstdotierte Klassik-Preis) und den Herbert von Karajan-Preis, der im Dezember bei einem Galakonzert in Baden-Baden verliehen wurde. In seiner Laudatio würdigte Andreas Mölich-Zebhauser, der Intendant des Festspielhauses Baden-Baden, das Orchester mit den Worten: "Dass die 'Philharmonische Idee' rechtzeitig von Generation zu Generation weitergegeben wird, zeugt von einem tiefen Bewusstsein dafür, dass die Musik lebendig gehalten wird und nicht museal werden darf."

Rick Fulker

02/01/2018
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Kultur

Kulturjahr 2018 - Die Höhepunkte der DW-Kulturredaktion

40709157 303Jedes Jahr ist ein Kulturjahr und auch 2018 begleitet die Deutsche Welle die Höhepunkte. Aber es gibt auch eigene Schwerpunkte, die wir setzen. Werfen Sie mit uns einen Blick in die Zukunft.
Das Jahr 2018 geht für die Deutsche Welle mit zwei Reisen los: eine in den Süden und eine in den Norden. Wie jedes Jahr seit 1985 hat die EU-Kommission zwei Städte zur Europäischen Kulturhauptstadt gekürt. 2018 sind es Leeuwarden-Friesland in den Niederlanden und das maltesische Valletta, das zuletzt für negative Schlagzeilen sorgte, als die Journalistin Daphne Caruana Galizia dort bei einem Bombenattentat in ihrem Auto ermordet wurde. Die Inselhauptstadt, deren Markenzeichen die bunten Balkone an den liebevoll restaurierten Altstadthäusern sind, gleicht einem Freilichtmuseum und verfügt obendrein über 365 Kirchen. Jeden Tag lässt sich eine andere besichtigen. Im niederländischen Leeuwarden feiern sich die Friesländer als offene Gesellschaft und laden Künstler aus aller Welt ein.

Wir sagen: "Frauen, vereinigt Euch"

Im Januar startet auch der DW-Schwerpunkt "...because it's 2018: Vom Mut der Frauen, aus der Rolle zu fallen". Anlässe dafür gibt es viele: Am 12.01. existiert seit genau 100 Tagen die #MeToo-Bewegung. Seit bekannt wurde, dass in Hollywood ein krasser Sexismus herrscht und sich immer mehr Stars gegen Übergriffe ihrer männlichen Kollegen öffentlich zu Wort melden, haben sich Frauen weltweit zu mangelnder Gleichbehandlung und Machismo geäußert. Wir ehren auch eine Vorkämpferin der Frauenbewegung: Am 19.01. hätte die Sängerin Janis Joplin ihren 75. Geburtstag gefeiert. Kurz danach, am 21.01., findet in den USA wieder der "Women's March" statt. Einen Tag zuvor lässt sich Donald Trump dafür feiern, ein Jahr Präsident der Amerikaner zu sein. Die Deutsche Welle will auf den erstarkenden Sexismus in einem Online-Schwerpunkt reagieren und fragt: Welche Rolle spielt die Frau von heute? Wie hat sich die Frauenbewegung seit ihrer Entstehung vor hundert Jahren verändert? Was lässt sich am Status quo ändern?

Mythos USA, Mythos '68

Das einjährige Amtsjubiläum von Donald Trump ist nur ein Anlass, Amerika und seine Mythen unter die Lupe zu nehmen. Wenn im April die 68er Bewegung ihren offiziellen 50. Geburtstag feiert, dann blicken wir zurück auf eine dramatische Zeit, in der der Vietnamkrieg eskalierte, die Beatles den Sound der Revolte bestimmten, Martin Luther King umgebracht wurde und in Deutschland die Außerparlamentarische Opposition Massen von Studenten zu Demonstrationen auf die Straße trieb.
Am 29. April feiert auch das Musical "Hair" seinen 50. Es geht um Hippies, Anhänger der freien Liebe und den idealistischen Kampf für Frieden und Glückseligkeit. "Hair", das "American Tribal Love-Rock Musical", feierte im Biltmore Theatre am Broadway seine Premiere. Ein Grund mehr, einen genauen Blick auf die 68er und ihren Nimbus der ewigen Aufmüpfigkeit zu werfen. In Paris wurde der Mai '68 zum Monat, der das ganze Land veränderte. Die Revolte mit ihrem Motto "Soyez réalistes demandez l'impossible" (Seid Realisten verlangt das Unmögliche) wurde zur Ikone der Protestbewegung.

2018 - auch ein Jahr der Musik

"All Aboard!" lautet das Motto des Eurovision Song Contest, der im Mai 2018 in der portugiesischen Hafenstadt Lissabon über die Bühne gehen wird. Wen Deutschland ins Rennen schickt, steht noch nicht fest. Im vergangenen Jahr gewann der Portugiese Salvador Sobral. Für seine zarte Ballade erhielt er damals Stimmen aus allen Ländern. 2018 singen 43 Länder - so viele wie noch nie - um den Titel.

Zum Ende des Sommers geht es bei DW-Online wie immer um das Beethovenfest in Bonn. Das große Jubiläumsjahr 2020 wirft seine Schatten voraus. Dann nämlich ist Ludwig van Beethovens 250. Geburtstag. Ganz Deutschland wird an den Komponisten erinnern. Das Beethovenfest Bonn widmet sich 2018 dem Motto "Schicksal".

Das Kulturjahr 2018 - Die Höhepunkte

Januar

Der Januar gehört dem Film: Los Angeles ruft. Los geht es am 07.01. mit der 75. Verleihung der Golden Globes. Nominiert ist u.a. auch Fatih Akins NSU-Drama "Aus dem Nichts". Am 23.01. darf sich der deutsch-türkische Regisseur sogar Hoffnung auf einen Oscar machen. Akin ist in der Sparte bester nicht-englischsprachiger Film nominiert.

Februar

Variété und noch mehr Filme: Die Berlinale, die in den letzten Wochen viel kritisiert wurde, lädt auf den Roten Teppich. Wes Andersons Film "Isle of Dogs" eröffnet die 68. Ausgabe des Festivals. Neuer Jury-Präsident ist der Filmemacher Tom Tykwer. Wem das Schlange stehen zu kalt ist, sollte sich unbedingt im Palais Barberini in Potsdam in der Max Beckmann-Ausstellung "Welttheater" aufwärmen.

März

Bienen, Bauhaus, Bücher: Am 1. März kommt der neue Biene Maja-Film ins Kino: "Die Honigspiele". Vier Ausstellungen in Japan, China, Russland und Brasilien untersuchen die weltweite Wirkungsgeschichte der Bauhaus-Pädagogik und werfen damit schon mal einen Blick voraus auf das 100-jährige Jubilläum 2019. In Leipzig und Köln stellen Buchmesse und Lit.COLOGNE die neuesten Bücher und Autoren vor.

April

Aufbruch in neue Welten: Die "Star Trek Convention" lädt nach Dortmund ein. Fans und Stars der Enterprise treffen sich, um u.a. William Shatner (Captain Kirk) zu treffen. In Berlin wird am 27. April der Deutsche Filmpreis, die Lola, vergeben. In Bonn performt die Künstlerin Marina Abramović. Die 30 Chöre ihres Werks "The Cleaner" schaffen eine Klangwelt aus Sängern verschiedener Nationalitäten.

Mai

Der 63. Eurovision Song Contest startet 2018 in Lissabon. Das Finale soll am 12.05 stattfinden. Kinofans zieht es im Wonnemonat auf die Croisette nach Cannes, zum weltgrößten Filmfestival. Venedigs Architekturbiennale hat ein politisches Thema. Es lautet: "Unbuilding Walls". In Trier widmet sich eine Ausstellung Karl Marx anlässlich des 200. Geburtstags. Leihgaben kommen aus der ganzen Welt.

Juni

Auch in Düsseldorf wirft das 100. Bauhausjubiläum seine Schatten voraus: Anni Albers, die wohl anerkannteste Textilkünstlerin des 20. Jahrhunderts, steht im Mittelpunkt einer Ausstellung in der Kunstsammlung NRW. Um zeitgenössische Kunst geht es auch auf der Berlin Biennale (ab 09.06.) und auf der Wanderbiennale Manifesta (ab 16.06.), die 2018 im sizilianischen Palermo Station macht.

Juli

Sommer, Sonne... Salzburg: Die Salzburger Festspiele finden 2018 unter dem Motto "Passion, Leidenschaft und Extase" statt. Die Bayreuther Festspiele locken mit einer Neuinszenierung der Wagner-Oper "Lohengrin". Die Ausstattung kommt vom deutschen Künstler-Star Neo Rauch und seiner Frau Rosa Loy. Etwas poppiger geht es bei Ed Sheerans Deutschlandtour zu, die am 19.07. startet.

August

Beim Wacken Open Air werden vom 02. bis 04.08. 150 Bands die Bühnen rocken - und bei entsprechendem Wetter wohl wieder zahlreiche Schuhe dran glauben müssen. Gesitteter geht es beim Filmfest in Locarno zu (01.08.-11.08.) oder aber in der vorletzten Augustwoche auf der Gamescom in Köln. Das Beethovenfest Bonn (Start am 31.08.) unter der Leitung von Nike Wagner hat 2018 das Motto "Schicksal".

September

Zu Herbstbeginn dreht sich in Venedig alles um die Goldenen Löwen. 2018 findet das Filmfestival zum 75. Mal statt. Etwa 500 km nördlich erinnert das Haus der Kunst in München mit einer großen Ausstellung an den 2007 verstorbenen Maler Jörg Immendorff. Der Besuch im Museum lässt sich hervorragend mit einer Haxn und einer Mass Bier auf dem Oktoberfest verbinden, das am 22.09. seine Tore öffnet.

Oktober

Ein Monat ganz im Zeichen des Buchs: Die weltgrößte Buchmesse in Frankfurt widmet sich der Literatur Georgiens, dem Ehrengast 2018. Parallel zur Eröffnung werden traditionell die wichtigsten Literaturpreise vergeben: der Literaturnobelpreis, der Deutsche Buchpreis und der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

November

Anlässlich Michael Jacksons 10. Todestages 2019 lassen mehrere Ausstellungshäuser den Superstar bereits 2018 noch einmal hochleben. "Geburt einer Ikone" heißt eine große Ausstellung im Pariser Grand Palais, in der auch die Bedeutung des King of Pop für die Bildende Kunst untersucht wird. In Deutschland wird es Ende des Monats weihnachtlich: Dann locken wieder die ersten Weihnachtsmärkte.

Dezember

Die Gala zum Europäischen Filmpreis soll 2018 in Sevilla stattfinden. Die Gesellschaft für deutsche Sprache kürt außerdem wieder ihr "Wort des Jahres". Auf der Art Basel Miami Beach gehen die reichsten Sammler der Welt in Flipflops Kunst shoppen.

Sabine Oelze

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